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Wenke Kujala: Mama und Triathlonprofi

25. Juli 2013 von Christine Waitz

Foto: Christine Waitz,   freiElternzeit hin oder her. Besonders im Leistungssport bedeutet ein Kind stets eine Pause im Wettkampfkalender. Dass das nicht unbedingt von Nachteil ist, sieht man an den schnellen Müttern im Profisport. Wenke Kujala ist seit kurzem zweifache Mama, Profisportlerin, Trainerin und natürlich Familienmanagerin. Wie man so viele Dinge unter einen Hut bekommt, das haben wir sie gefragt.


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Seit 1998 ist Wenke Kujala im Triathlonsport zu Hause. Schon 2000 wagte sie den Umstieg auf die Langdistanz. Mit Erfolg. Auf Anhieb gelang ihr beim Ironman Europe in Roth der Sprung auf das Treppchen – und zwar ganz nach oben. Im Oktober bewies sie bei der Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii das diese Leistung keine Eintagsfliege war und holte den dritten Platz ihrer Altersklasse.

Profi? Mama? Beides!

Foto: Christine Waitz, freiDie Orientierung in Richtung Profileben war vorprogrammiert. So folgten 2006 ein deutscher Meistertitel auf der Langdistanz, 2008 ein dritter Platz beim Ironman Frankfurt und 2010 ein zweiter Rang bei der Challenge Barcelona.
2011 durften Wenke und ihr Mann Petri, der übrigens im Eishockeysport als Trainer tätig ist, ihr kleines Töchterchen Josephine begrüßen. Nicht lange dauerte es, bis Wenke wieder ins Training eingestiegen war. Neben dem Job als Mama und Triathletin galt es noch das Team Erdinger Alkoholfrei zu betreuen.
Zu Beginn des Jahres 2013 gab es für die junge Familie eine kleine Überraschung. Weiterer Nachwuchs kündigte sich an und erblickte Ende Mai das Licht der Welt. Josephine hat nun eine kleine Schwester namens Mathilda. Zwei Kinder, Teambetreuung, Coaching und Training – das hört sich nach viel Stress an.

Hallo Wenke! Müssen wir dir zwei Streichhölzer für das Interview reichen oder lassen dir deine zwei kleinen Töchterchen doch etwas Nachtruhe?

Die Streichhölzer wären gar nicht schlecht. Unsere große Tochter, die Josephine, ist zwar meist vom Tagesgeschehen so erschlagen, dass sie recht gut schläft, aber die kleine Mathilda (heute genau sechs Wochen jung) macht es uns momentan nicht ganz so leicht. Das ist aber auch ihr gutes Recht, schließlich ist sie noch sehr klein und muss sich erst einmal an alles  gewöhnen. Schlaf bekomme ich nachts in der Summe zur Zeit maximal vier bis fünf Stunden. Mehr ist es leider nicht, aber irgendwann wird das ja auch wieder besser.

Euer kleines Familienunternehmen klingt arbeitsaufwendig. Dein Mann ist Trainer, du bist Teamleiterin und Trainerin – da ist man doch viel unterwegs. Habt ihr einen festen Plan, oder entscheidet ihr spontan wer die Kinder betreut?

Bis Anfang August ist es noch recht überschaubar. Ich habe meine Dienstreisen gestrichen, das geht einfach noch nicht. Und Petri ist bis dahin daheim und arbeitet nur rund drei bis vier Stunden pro Tag. Wir legen die Arbeit auf die Abendstunden oder teilen uns vormittags auf. Letzten Endes wollen wir beide Zeit mit den Kindern verbringen, darum haben wir ja Kinder gewollt. Die Nachmittagsstunden zwischen drei und sieben gehören uneingeschränkt den Kindern, momentan glücklicherweise meist mit beiden Elternteilen. Dafür gibt es dann in Kürze aber auch wieder Phasen, in denen sie oftmals auf Papa verzichten müssen. Dass Arbeit zum Leben dazu gehört und uns auch viel Freude bereitet, weiß aber gerade die Josephine schon genau und akzeptiert (meist) klaglos, wenn ich ihr sage, dass ich arbeiten muss und darum jetzt gerade keine Zeit habe.

Daneben steht der Wiedereinstieg in ein geregeltes Training auch noch auf dem Programm. Wie quetscht man die Trainingszeit denn noch in den Tagesplan und wie sieht dein Weg zurück ins Profigeschäft aus? Hat man nach durchwachten Nächten überhaupt die Kraft für eine gute Einheit?

Ich bin ganz ehrlich. Momentan würde ich es nicht hin bekommen nach einem festen Plan zu trainieren. Das sollte aber knapp zwei Monate nach einer Entbindung auch auf keinen Fall das Ziel sein! Ich liebe diesen Sport. Ich sehe es als absolutes Privileg, dass ich mit dem Sport meinen Lebensunterhalt bestritten habe und auch heute der Sport mein Beruf ist. Ob als Trainerin oder sportliche Leiterin des Teams Erdinger alkoholfrei.
Ein viel größeres Privileg ist es aber, Mutter zu sein. Neben meiner Familie und meiner Arbeit, bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit für aufwendiges Training. Wenn ich eine freie Stunde finde, gehe ich momentan am Liebsten aufs Rad. Das geht schnell und ich kann einfach losfahren. Schwimmen macht mir großen Spaß, ist aber zeitaufwendig. Da ich stille, und dies noch im ca. zwei-Stunden-Rhythmus, ist das dann oftmals nur Hetzerei. Laufen kann und darf ich leider noch nicht, sobald das wieder geht, werde ich sicher oftmals die Laufschuhe schnüren und auch die Kinder gern im Babyjogger mitnehmen. Vor kurzem habe ich es geschafft, morgens um 5:30 Uhr auf dem Rad zu sitzen und das war eine meiner schönsten Radrunden in den letzten Jahren. Die Stimmung an einem frühen Sommermorgen ist einfach wunderschön!

Ob ich den Weg zurück ins Profi Geschäft gehen werde, ist noch ungewiss. Eigentlich bin ich der Meinung, dass die jungen Wilden, von denen es eine Menge gibt, jetzt mal an der Reihe sind. Ich werde also sicher weiter den Sport betreiben, ob da aber auch noch Wettkämpfe eine Rolle spielen, wird sich erst in den kommenden Monaten entscheiden. So oder so, gezieltes Training für ein Comeback würde ich sicher frühestens vier Monate nach der Entbindung anpeilen.

Josephine ist mittlerweile über zwei Jahre alt. Zeichnet sich schon eine Leidenschaft für Sport ab – das würde ja bei den sportlichen Eltern nicht verwundern?

Josephine ist sehr groß, und ihr liebstes Hobby ist derzeit das Essen. Das hat sie wohl von mir, denn auch ich esse sehr, sehr gern. Zum Glück bewegt sie sich aber auch gern. Eigentlich den ganzen Tag, solang sie nicht schläft. Ruhig sitzen kann sie eher nicht. Momentan wäre sie eine excellente Bobby Fahrerin (ein Roller mit Sitzmöglichkeit),  ist aber nicht olympisch, oder? Außerdem liebt sie es auf dem Bampoli (Trampolin) und ist eine unglaubliche Wasserratte. Letzen Endes ist es mir egal, welchen Sport sie macht, so lange sie Spaß an der Bewegung hat. Und das hat sie bis dato wirklich.

Was wären deine wichtigsten Tipps an triathletische Mütter?

Ich glaube, jeder muss selbst wissen, wie er es handhaben möchte. Auch jedes Kind ist ja anders. Jospehine hätte nie geduldet, dass ich zum Beispiel auf der Rolle fahre und sie einfach daneben liegt. Dafür hatte sie viel zu viele Hummeln im Hintern.

Ich kann nur empfehlen, dass ihr euch nicht unter Druck setzen solltet und weniger meist mehr ist. Um 2012 Roth noch einmal zu machen, habe ich im Vergleich zu früheren Umfängen wirklich wenig trainiert. Arbeit, Familie und Freunde haben das schon sehr gut reguliert. Trotzdem hatte ich ein tolles Rennen für den Aufwand und habe den Tag und vor allem den Zieleinlauf sehr genossen. Als junge Mutter geht es nicht immer um Bestzeiten, sondern manchmal zählt vielleicht einfach, dass man seinem Kind oder seinen Kindern vorleben kann und darf, wie toll und wichtig es ist ein Hobby zu haben für das man sich begeistert und das einem Freude und Spaß bereitet.

Zur Website von Wenke Kujala.

Fotos: triathlon.de

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