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Triathlon als Familienmotto: Familie Funk im Interview

11. August 2013 von Christine Waitz

Familie Funk Wenn sich ein Interview für die Themenwoche Triathlon und Familie anbietet, dann muss das mit Familie Funk stattfinden. Heike und Harald Funk feierten bereits in den 90er Jahren Erfolge. Mittlerweile macht sich Sohn Frederic auf in die Fußstapfen der Eltern zu steigen. Und auch sonst dreht sich das Leben der fünfköpfigen Familie stets um Sport.


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Balancing triathlon with life. Dieses Motto haben sich Heike und Harald Funk auf ihre Fahnen geschrieben. Das scheint der Grundschullehrerin und dem Arzt auch stets gelungen zu sein. Als Mama feierte Heike Funk ihre größten Erfolge: 2002 wurde sie deutsche Meisterin auf der Langdistanz, 2003 war sie zweite bei der Challenge Roth, ein weiterer zweiter Platz folgte 2008 beim Ironman UK.

Triathlon mit Familie

Foto: Funk, einmaligDass sich Beruf, Training und Familie nicht zwangsläufig ausschließen, dafür sind die fünf Funks das lebende Beispiel. Statt den Sport Sport sein zu lassen, oder Kopfstände zu machen, um sich die nötige Trainingszeit abzuringen, wurde die Familie einfach in das Training integriert. Mit Tandems und Kinderanhänger ging es in das etwas andere Training – das nicht weniger wirkungsvoll scheint.

Mittlerweile hängt der älteste Sohn Frederic als erfolgreicher Jugendstarter und Kadermitglied Mama und Papa locker ab. Die Familienurlaube werden kurzerhand zu den wichtigen Nachwuchsrennen in ganz Deutschland verlegt und nicht mehr der Eltern-Wettkampfplan bestimmt die Saison, sondern der des Sohnes.
Wir haben versucht herauszufinden, wie sich Triathlon mit dem Familienleben in Einklang bringen lässt.

Hallo Heike, Harald, Frederic, Anna-Marie und Marc-Philipp! Findet sich denn bei so vielen Trainings- und anderen Interessen Zeit mit der Familie an einem Tisch zu sitzen? Bestimmt dann Triathlon das Tischgespräch?

Foto: Funk, einmaligAn den Abenden finden immer gemeinsame Mahlzeiten statt. Nach einer späten Schwimmeinheit ist dies auch schon mal nach 21 Uhr. Triathlon ist nicht immer Gesprächsthema, höchstens vor wichtigen Rennen. Es gibt ja auch noch die Schule oder die anderen Hobbies unserer zwei jüngeren Kinder. Lego-Stopmotion-Filme selbst drehen zum Beispiel bei Marc-Philipp. Wichtiges Thema der Männer ist dann noch die Technik. Man kann sich anscheinend stundenlang über IPads, Smartphones oder die Unterschiede zwischen IOS, Android und Windows unterhalten.

Mittlerweile lässt vor allem Frederic Mama und Papa im Wettkampf auch einmal stehen. Weckt das Ehrgeiz, oder überwiegt der Stolz auf den erfolgreichen Junior?

Foto: Funk, einmaligAuch einmal ist schon sehr vorsichtig ausgedrückt. Frederic ist schon seit langer Zeit schneller, vor allem im Schwimmen und Laufen. Harald würde gerne mal gegen Frederic in einem Rennen mit Windschattenverbot antreten. Ich glaub ja nicht, dass er noch eine Chance hätte. Natürlich weckt das den Ehrgeiz, vor allem an einigen Rennen teilzunehmen, zu denen wir wahrscheinlich nie reisen würden. Der Stolz überwiegt. Klar! Manchmal ist es schon anstrengend, wenn Frederic abends wieder einmal ins Schwimmbad zum Training und man sich selbst eigentlich lieber auf die Couch setzen möchte.

Triathlontraining mit Familie zu vereinen scheint für viele unmöglich. Ihr habt es geschafft drei Kinder, volle Berufstätigkeit und Sport unter einen Hut zu bekommen. Euere Einstellung zum Triathlon mag dabei eine große Rolle gespielt haben. Immer mit Spaß dabei. Ist es nur logische Folge, dass die Kinder dann auch eine Leidenschaft für Bewegung entwickeln?

Sport und Beruf zu vereinbaren, das schaffen ja alle Altersklassenathleten. Unsere Kinder waren von Beginn an bei Triathlonwettkämpfen und auch beim Training dabei. Harald und ich sind dann natürlich nicht stundenlang mit den Rädern und dem Hänger durch die Gegend gefahren oder mit dem Babyjogger gejoggt. Es wurden Spielplätze angesteuert oder die verschiedensten Eisdielen. Wir hatten nie den Zwang einen bestimmten Trainingsplan zu erfüllen, das sieht man ja auch an unserem Motto „Balancing Triathlon with life“.

Foto: Funk, einmaligDas Training wurde und wird einfach in den Alltag integriert. Wir haben die Kinder nie gezwungen auch Triathlon zu betreiben. Als sie klein waren, gingen die Jungs auch zum Fußball oder zum Trampolin. Anna-Marie wollte eigentlich nur zum Schwimmen gehen. Irgendwie haben sich diese Vorhaben aber schnell wieder erübrigt. In unserer Gegend werden die meisten motivierten Schüler Langläufer oder Biathleten. Diese Sportarten hätten wir auch gerne unterstützt. Wollten die Kinder nicht. Wahrscheinlich haben es ihnen die großen Pokale, die man beim Triathlon bekommt, angetan (lacht). Diese werden nämlich mittlerweile nach der Wichtigkeit der Wettkämpfe sortiert.

Euer Training wurde nicht selten zum Familienausflug. Was sind euere besten Tipps um auch mit Familie erfolgreich trainieren zu können?

Foto: Funk, einmaligFrüher war es so, dass wir mit Hänger oder Babyjogger eben von Spielplatz zu Spielplatz fuhren. Mit Anna-Marie und Marc-Philipp können wir die Eisdielen-Radtour immer noch sehr gut machen. Frederic trainiert schon sehr speziell und hält sich an die Kaderpläne.
Die besten Ausflüge aber sind, wenn wir mit den Mountainbikes so weit wie möglich die Berge hochfahren und dort dann einen Klettersteig bewältigen oder die verschiedensten Gipfel erklimmen. Ist in unserer Gegend nicht schwer zu gestalten. Das ist Abenteuer. Vor ein paar Jahren haben wir einfach eine drei Tages Radtour ins Legoland nach Günzburg unternommen. Ich muss aber bemerken, dass wir zwei Tandems besitzen. Ein Tandem hat den großen Vorteil, dass zwei Radfahrer unterschiedlicher Leistungsklassen miteinander radeln können und trotzdem der schnellere nie auf den langsameren warten muss. Ein Stück sind wir bei der Legolandtour auch mit dem Zug gefahren, aber über 400 Radkilometer hatten wir danach trotzdem zu Buche stehen. Das war auf alle Fälle auch ein gutes Radtraining.

Meist gönnt sich Triathlet nach dem erfolgreichen Rennen etwas Pause und verknüpft das mit Urlaub, von dem der Rest der Familie auch gleich etwas hat. Macht ihr Familienurlaub? Oder ist das dann ein Familien-Trainingslager? Das muss ja eine logistische Meisterleistung sein!

Foto: Funk, einmalig

Unsere Urlaube sind wirklich oft mit Wettkämpfen oder Trainingslager verbunden. Einmal im Jahr geht es für zwei Wochen in die Toskana. Dort sind noch andere Nachwuchsathleten unseres Heimatvereins Grassau, so dass die Kinder richtig Spaß haben in der Gruppe zu trainieren oder sonstige Aktivitäten auszuüben.

Ansonsten haben wir unsere Urlaube in den letzten Jahren meistens mit einem Wettkampf verbunden: Ostseeman, Ironman UK, Ironman Wales…… Ich organisiere und plane gerne unsere „Urlaube“. Ist so ein Hobby von mir. Mit logistischer Meisterleistung hat das nichts zu tun. Unsere Kinder sind ja mit 11,13 und 16 Jahren schon aus dem Alter heraus, bei dem man noch darauf achten muss, dass genügend Spielplätze etc. in der Umgebung sind.

Foto: Funk, einmaligIch hätte letzten August gerne den Ironman Mont-Tremblant in Canada gemacht, konnte aber keinen Startplatz mehr ergattern. Als ich vorschlug, einfach einmal drei Wochen mit dem Wohnmobil durch Canada zu reisen, waren die Kinder gleich völlig entsetzt. Ohne Ironman wäre das alles langweilig, meinten sie. Anscheinend sehen sie es gerne, wenn Harald und ich uns (zumindest an einem der Urlaubstage) schinden.

Diesen Sommer bleiben wir im Chiemgau und genießen die Berge und den Chiemsee.

Wir leben schließlich dort, wo andere Urlaub machen.

Jetzt am Wochenende bringen wir Frederic nach Nürnberg zu den Großeltern, von wo er mit dem Zug weiter zu einem zweiwöchigen DTU-Trainingscamp nach Kienbaum fährt, während wir drei Tage in Wiesbaden verbringen (unser persönlicher Wettkampf-Saisonhöhepunkt).

Ende August steht dann noch ein verlängertes Wochenende in London an, auch dieses mit Triathlon verbunden, nämlich Frederics erstem internationalem Einsatz beim Europacup in Eton.

Fotos: Familie Funk

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