Trainingslager Palm Springs:
Extrem in allen Belangen
Alles fing an mit einem Telefonat nach dem Ironman Frankfurt. Zu klären war die Frage, wo die San Diego-Erfahrenen Hawaii-Starter Faris Al-Sultan, Christian Brader sowie Werner Leitner und ich die letzten Wochen vor dem Ironman Hawaii verbringen sollten. (von Wolfgang Teuchner)

Palm Springs anstatt San Diego
San Diego erschien uns aufgrund des zunehmenden Verkehrs nicht mehr sonderlich attraktiv, zumal wir letztes Jahr dort schon ein paar eher herbstliche Tage verbrachten. Also musste der USA-Experte Swen Sundberg sein Wissen über die besten Trainingsdestinationen an der Westküste preisgeben. Ein ganz heißer Tipp war – im wörtlichen Sinne – Palm Springs. Dort seien die Schweden immer, die Hotels waren im Sommer auch sehr günstig, so dass die Wahl rasch getroffen wurde.
Keine Schweden, aber Hitze
Dass sich die oben genannten Schweden im Januar dort aufhalten erfuhren wir leider erst kurz vor Abflug, warum die Hotels im Sommer so günstig sind, sollte uns bei der Ankunft schlagartig klar werden.
Am 5.9. kamen wir in LA an und fuhren die 200 Kilometer nach Palm Springs via Mietauto. Hier ließ der erste Aha-Effekt nicht lange auf sich warten, als wir das schützende Auto verließen: Es war 23 Uhr und es hatte 36 Grad.
Nach zwei Eingewöhnungstagen bei maximal 50 Grad auf dem Rad mittags und ernsten zweifeln, ob das wirklich ein gute Idee war, hierher zu kommen, gewöhnten wir uns doch relativ schnell an die etwas wärmeren Temperaturen.
Der Drei-Wochen-Plan
Insgesamt zogen wir drei harte Trainingswochen durch. Dienstags wurde hart Rad gefahren, mittwochs lang gelaufen und samstags lang, und der Gewohnheit wegen auch mal hart, Rad gefahren. Dazwischen wurde mehr oder weniger geruht und locker trainiert.
Flußbett, Golfplatz und kühles Freibad
Gelaufen wurde zumeist im ausgetrockneten Flussbett oder auf einem der zahlreichen Golfplätze (Bild rechts oben), geschwommen im gut gekühlten Freibad, Rad gefahren sind wir entweder in den Bergen Richtung San Diego oder im Tal von Palm Springs. Vor allem die Berge Richtung San Diego sind, sieht man einmal vom Aggressionspotential der Autofahrer ab, sehr zu empfehlen, landschaftlich äußerst reizvoll und mit unter 30 Grad angenehm erfrischend.
10 Stunden, 4 Platte und etwas dehydriert
Eine besondere und denkwürdige Ausfahrt führte uns jedoch auf die andere Seite des Tals – durch den Joshua-Tree-Nationalpark. 245 Kilometer mit ordentlich Höhenmetern und davon 140 Kilometer durch eher Infrastruktur armes Gebiet, den Nationalpark. Nach 70 km betraten wir den Park, wohl wissend, dass es die nächsten 100 Kilometer keine Läden und Tankstellen gibt. Was sich allerdings als Überraschung herausstellte war die Tatsache, dass es auch die nächsten 45 km nach dem Park nichts geben sollte.
Dies führte dazu, dass wir etwa 2 Stunden bei 40 Grad leicht unterversorgt dahinfuhren und schlussendlich nach 10 Stunden Brutto-Reisedauer und vier Platten zuhause ankamen…
Hausmann Werner
Im Laufe des Trainingslager kristallisierten sich auch die Stärken der jeweiligen Charaktere deutlich heraus. Werner kompensierte, das größte Trainingspensum aller, durch weniger Schlaf und dankenswerterweise mehr Hausarbeit als der Rest. Auch am Buffet geht er deutlich weniger offensiv und ausdauernd zu Werke als während des Lauftrainings.
Bademeister Faris
Faris trat seinen Nebenjob als Schwimmtrainer der Gruppe an und unterhielt alle durch qualitativ hochwertiges Schwimmtraining. Auch während der Radausfahrten überzeugte Faris nicht nur durch gute Form, sondern vor allem durch gesunden Appetit auf Powerbar und deren deftigere Kollegen, Tacos und Burritos, sowie den ein oder anderen Burger mit leichter Tendenz zu letzterem, vor allem in der finalen, heißen Phase der Ausfahrten.
Gels, Bars, Eis, Pizza und…
Um das Menü während der Radausfahrten abwechslungsreich zu gestalten variierten wir nicht nur die Sorten der Gels und Bars sondern wechselten zudem durchaus die Eismarken und –größen. Die einzige Konstante hier war jedoch das koffeinhaltige Erfischungsgetränk einer recht bekannten Marke.
Der Kampf Alt gegen Jung
Christian leistete vor allem im gruppeninternen Wettkampf, Junioren gegen Senioren, wertvolle Arbeit. Zusammen mit ihm setzte ich mich gegen die „Älteren“, Faris und Werner, durch.
Zu bewältigen im Teamwettkampf waren 400 Meter Schwimmen, 3,5 Kilometer Laufen und 23 Kilometer Rad. Der modus operandi der ersten Disziplin war wie folgt: 400 Meter Schwimmen, jeder 200 Meter, alle 50 Meter Wechsel. Überraschenderweise gewannen wir (Christian und Wolfgang) hier eine, in der Endabrechnung zu vernachlässigende, Sekunde.
Als nächstes stand der 3,5 Kilometer Lauf an. Dieser fand um 11 Uhr, bei 38 Grad, nach 75 Kilometern einrollen statt. Es gab einen Massenstart, wenn man davon bei vier Teilnehmern sprechen kann. Gezählt wurde die Addition der Zeiten. Nach 11:20 Minuten waren alle im Ziel und wir (Christian und Wolfgang) hatten nun 33 Sekunden Rückstand.
Der Laufradfaktor
Die finale Etappe des Wettkampfs wurde im Rahmen der dienstäglichen Ausfahrt ausgetragen. Nach 120 Kilometern fuhren wir in zweier Teams die flachen 23 Kilometer. Da die Senioren mit Xentis-Laufrädern ausgestattet waren und die Jugend auf solide 32-Speichen setzte, ersparten wir ihnen die Schmach, eingeholt zu werden und finishten nur mit 2.30 min Vorsprung.
Positives Fazit
Das Fazit nach drei Wochen Palm Springs ist ein positives: Das Training war zwar hart, hatte aber keine selbstdestruktiven Züge, an die ich mich noch dunkel aus so manch vorangegangenem Trainingslager erinnern kann. Die Hitzeadaption ist so gut wie noch nie, wir überlegen uns schon, wie wir uns gegen die hawaiianische Kälte wappnen können. Die Stimmung war auch gut, zumal das Trio Werner, Faris und ich schon gemeinsam die eine oder andere Woche in sonnigen Gefilden, den Emiraten, beim Aktivurlaub verbrachten.
Nun leiteten wir am Sonntag, nach einer harten 170 Kilometer Ausfahrt mit einigen, vor allem für so manchen Gastteilnehmer, flotten Abschnitten, das Tapering ein und fliegen am Samstag, den 4. Oktober nach Kona.
Aus Palm Springs berichtete Wolfgang Teuchner
Info: Faris Al-Sultan, Werner Leitner, Christian Brader, Wolfgang Teuchner
Bilder: Wolfgang Teuchner












