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Road Bike Charity Tour: Tim Rulands auf Kurs rund um Deutschland

28. April 2016 von Christine Waitz

Tim Rulands,   einmaligRadeln für den guten Zweck. Doch nicht eben mal einen Tag. Nein, ein Mal rund um Deutschland. Das hat sich Tim Rulands für seine Road Bike Charity Tour vorgenommen. Am Oster-Montag machte sich der 29-jährige Feuerwehrmann und Coach auf dem Weg. Drei Wochen benötigte er. Dabei haben sich 10.880 Euro an Spenden angesammelt. Welche Eindrücke die Mammut-Tour bei dem Feuerwehrmann und Coach hinterlassen hat, das lest ihr im Interview.


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Hier könnt ihr ein Interview zu Tims Projekt vor dem Start lesen.

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Nein, es ist sicherlich nicht jeden Tag ein Vergnügen auf das Rad zu steigen. Einmal regnet es, einmal stürmt es. Manchmal ist es recht einsam. Ein andermal jedoch, kommt auch die Sonne heraus, begleiten Tim Rulands auch Menschen auf seinem Weg. Ein ziemlich gutes Bild für sein Projekt, findet auch der Bochumer. Denn genau das will er aufzeigen: Licht und Schatten. „Mir geht es gut. Richtig gut. Aber nur wenige Menschen – mich manchmal inbegriffen – wissen diese Tatsache wirklich zu schätzen.“

So versucht er nicht nur ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass viele bei uns auf hohem Niveau klagen. Er sammelt mit seiner Aktion auch Spenden um eben denen zu helfen, denen es nicht so gut geht. 20.000 Euro sind seine Wunsch-Summe. 10.880 Euro stehen bereits zu Buche. Wir haben ihn auf seiner Reise ein kleines Stück begleitet.

Hallo Tim! Wie geht es dir nach so vielen Tagen im Sattel?

Tim Rulands, einmaligMittlerweile bin ich seit sechs Tagen zu Hause. Seitdem habe ich nicht mehr auf dem Fahrrad gesessen. Aber weniger, weil ich keine Lust darauf hätte, sondern vielmehr weil ich bisher keine Zeit dafür hatte. Die Aufarbeitung von Dingen, die in drei Wochen liegen geblieben sind, sowie die Vorbereitung auf die Abschlussfeier, ließen keinen Spielraum. Andererseits genieße ich natürlich nun wieder das gewohnte Umfeld und die Tatsache, dass ich nicht täglich mit neuen Eindrücken konfrontiert werde, die ich abends verarbeiten muss.

2.886,77 Kilometer hast du hinter dir. So eine Mammut-Tour hinterlässt ja stets ganz besondere Eindrücke. Man „erfährt“ sein Land einmal ganz anders, lernt Menschen kennen, erlebt Überraschungen. Welche Momente sind dir ganz besonders intensiv in Erinnerung geblieben?

Neben den tollen Erlebnissen auf einem Kamelhof, oder die Unterbringung in einem Schloss mit Ritteressen, sind es sind vor allem die kleinen Momente, die einem in Erinnerung bleiben. Der Gemüsehändler, der mir auf Nachfrage etwas zu Abendessen mitgibt, bevor es weggeschmissen wird. Der Fahrradhändler, der mir nach der Reparatur einer Tasche eine weitere schenkt, die ich im Laufe der Tour noch benötigen sollte. Die Dame, die mich die letzten 15 Kilometer mit dem Auto mitnimmt und das Rad auf dem Hänger transportiert, damit ich pünktlich zu dem besagten Ritteressen erscheine, oder das Angebot zur Nutzung der Sauna im eigenem Haus, obwohl sonst niemand da war. Menschen haben mir ihr Appartement zur Verfügung gestellt und bei ihren Freunden geschlafen. Mich immer wie einen Freund aufgenommen, obwohl wir uns noch nicht kannten. Es war eine unglaublich herzliche Erfahrung…

Die Spendengelder, die deine Aktion einbringt sind für ein afrikanisches Projekt für HIV-Waisen bestimmt. Warum hast du dich dazu entschieden, dieses Projekt zu unterstützen?

Ich habe ein Projekt ausgesucht, das vor Ort etwas bewegt. Das Menschen hilft, die sonst keine Zukunft haben und so auf dumme Ideen kommen können, was die Flucht nach Europa angeht. Ich möchte nicht die Symptome verbessern, sondern den Menschen vor Ort eine Grundlage schaffen, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Ich möchte so den Ursprung der Flüchtlingssituation ein wenig verbessern und wünsche mir, dass diese Art der Unterstützung vielmehr in den Vordergrund gerückt wird, als Hilfsgüter o.Ä. die vor Ort nur vermeintlich helfen, aber den Aufbau einer eigenen Versorgung hemmt. Die Kinder vor Ort haben aufgrund ihrer Erkrankung außerdem keine Möglichkeit eine staatliche Schule zu besuchen, weshalb das Canaan Children Center erbaut wurde. Die fröhliche und glückliche Lebenseinstellung dieser Kinder ist umso bemerkenswerter, wenn man dies mit den vermeintlichen „Problemen“ unseres Lebens vergleicht.

Tim Rulands, einmalig

Hat man die Nase nun erst einmal voll vom Rad fahren, oder schwirren dir schon neue Projekte durch den Kopf?

Interessanterweise habe ich keinen Tag die Lust auf das Rad fahren verloren, sondern mich jeden Tag aufs neue gefreut, wenn ich wieder in neue Gefilden aufbrechen konnte. Die unterschiedlichen Regionen, Menschen, Landschaften und Mentalitäten haben jeden Tag zu etwas besonderem gemacht. Nun freue ich mich aber besonders auf die erste Fahrt mit dem Rad ohne das etwa 15 Kilogramm schwere Gepäck, das ich auf über 13.000 Höhenmetern mitgeschleppt habe.
Ansonsten stehen nun erstmal andere Dinge im Vordergrund. Ich möchte spanisch lernen und einen Schein zum Gleitschirmfliegen machen. Ob ich die gefahrenen Kilometer als Trainingsleistung bei diversen Wettkämpfen nutzen möchte, steht aktuell noch gar nicht fest. Das entscheide ich spontan. Die Anmeldegebühr für den eigentlich geplanten Ironman Maastricht habe ich lieber gespendet.

Apropos Kopf: Wenn man so lange Zeit auch alleine unterwegs ist, an was denkt man die ganze Zeit?

Gedanken kann man sich natürlich viele machen. Im Vorteil ist aber vor allem derjenige, der diese als positive Motivation nutzen kann. Ob Regen, Gegenwind, lange Wege neben der Bundesstraße, viel Verkehr oder schlechte Wegebeschaffenheit. Das sind negative Dinge, die einem natürlich zu schaffen machen können. Als gelernter Mental- und Motivationstrainer habe ich aber viele Möglichkeiten, positive Aspekte in den Vordergrund zu rücken.
So sind vermehrte Pausenstopps, mehr Zeit zum genießen der Umgebung oder nutzen von Abwegen und dadurch die Erkundung von einsamen Gegenden Möglichkeiten, sich anderweitig zu Bereichern. Ich habe festgestellt, dass es auf solch einer Reise keine Umwege und auch kein Verfahren gibt. Denn jeder Weg hält seine eigenen Erfahrungen bereit und man lernt in dieser Zeit, diese Erfahrungen auf sein Leben umzumünzen.

Welche Rad-Region kannst du, da du nun Deutschland ein Mal umrundet hast, besonders empfehlen?

Tim Rulands, einmaligJede Region hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Im Norden sind tolle Radwege und eine Spitzen-Ausschilderung vorhanden. Zum Touren wirklich genial. Wenig Verkehr, aber auch oft eintönig. Auch an der Ostsee und runter im Osten ist die Beschaffung der Radwege sehr gut. Das Fichtelgebirge besticht durch tolle Wege für Rennradfahrer und viele Höhenmeter. Ähnlich ist die Pfalz. Landschaftlich  komplett anders, aber nicht weniger schön – von daher sollte man beides ausprobieren. Als Tourenregion ist natürlich auch der Bodensee am Rhein entlang, bis in die Schweiz sehr zu empfehlen.
Meine Lieblingsregion ist allerdings der Breisgau und das Markgrafenländle mit dem Schwarzwald. Abwechslungsreich, flach wie hügelig und unheimlich gastfreundlich. Außerdem guter Wein und leckeres Bier, tolles Essen und geniale Aussichten.

Zu Tim Rulands Blog.

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Fotos: Tim Rulands

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