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Reinhold Humbold: Triathlon Urgestein mit sechs Weltmeistertiteln

29. Oktober 2013 von Christine Waitz

Foto: Team Erdinger Alkoholfrei,   einmalig 65 Jahre und 17 Deutsche Meistertitel. 65 Jahre und sechs Mal Weltmeister. 65 Jahre und ein besiegtes Krebsleiden – eine mitreißende Geschichte erzählt der sportliche Lebensweg von Reinhold Humbold. 1948 im Landkreis München geboren, lebt der gelernte Kaufmann heute noch in Unterhaching und absolvierte am vor kurzem bereits seinen neunten Ironman auf Hawaii.


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„Langweilig wird mir mit Sicherheit nicht.“ Mit diesem Satz verabschiedete sich der 65-jährige Unterhachinger Reinhold Humbold vor vier Jahren in den beruflichen Ruhestand, um sich noch intensiver seiner Triathlon-Leidenschaft, zu widmen. Reinhold Humbold? Selbst Sportbegeisterten dürfte dieser Name wenig sagen. Dabei verbucht er mehr Ironman-Hawaii-Siege auf seinem Konto als die Triathlon-Ikonen Normann Stadler, Thomas Hellriegel und Faris Al-Sultan zusammen. Beim Ironman Hawaii 2013 beendete der Athlet im Team Erdinger Alkoholfrei-Trikot zum insgesamt neunten Mal den härtesten Triathlon der Welt.

Sport als Lebenselixier

Foto: Team Erdinger Alkoholfrei, einmalig„Sport, das ist für mich nicht nur Ablenkung oder Ausgleich. Es ist mein Lebenselixier“, bekennt der Pensionär aus dem Landkreis München. Seinen ersten Triumph auf der Pazifikinsel feierte Humbold 2005 und absolvierte den König der Triathlonläufe gleich in der Bestzeit seiner Altersklasse: 9:47 Stunden. Auch 2006 ließ er der Konkurrenz in seiner Altersklasse keine Chance und verwies sie mit 45 Minuten Abstand auf die Plätze. Und so explodierte die Anzahl der Erfolge im Herbst einer sportlichen Karriere, die 1964 mit Wasserball (u.a. in der Bundesliga) begann. Seit 1986 also Triathlon. 17 Deutsche Meistertitel, sechs Mal Weltmeister, zwei EM- Trophäen, alles in allem über 200 Triathlon-/Duathlon-Starts mit 89 Podiumsplatzierungen zeugen von einer beeindruckenden sportlichen Leistung.

Spass, sich mit Jungen Athleten zu messen

Dafür waren pro Woche 20 bis 25 Stunden Training nötig, die der Ausnahme-Athlet mit Familie und Vollzeit-Job vereinbaren musste und konnte. Humbold ist Mitglied der ersten Stunde des Team Erdinger Alkoholfrei, das ihn in Training und Wettkampf seit acht Jahren unterstützt. „Mir macht’s Spaß, immer noch mit den Jungen mithalten zu können“, erklärt der Unterhachinger lächelnd. Der Zuwachs der Siegerpokale schien nicht enden zu wollen.

Nach Krebserkrankung wieder topfit

Foto: Team Erdinger Alkoholfrei, einmalig2012 dann der Schock. Die Ärzte diagnostizieren Krebs. Plötzlich steht die Gesundheit – und nicht mehr die Jagd nach Erfolgen – im Vordergrund. „Die Ärzte haben den Tumor zum Glück im Frühstadium erkannt und gleich operiert“, erklärt Humbold heute. Nach langsamem Herantasten an das Trainingspensum waren alte Ziele schnell wieder gesteckt: auch 2013 sollte der Ironman auf Hawaii absolviert werden. Nach 11:50 Stunden überquerte der Ausnahmesportler aus dem Hachinger Tal am vorletzten Wochenende als Viertbester seiner Altersklasse 65-69 die Ziellinie am Ali’i Drive.

Hallo Reinhold, herzlichen Glückwunsch zum erneuten Erfolg auf Kona! Auch wenn du das Podium verpasst hast – zählt das Finish ein Jahr nach einer Krebserkrankung mehr als vorher?

Nein, nicht wirklich. Eigentlich konnte ich ja wieder voll trainieren und aufgrund meiner Qualifier-Zeit in Klagenfurt, wo ich mich noch nicht voll ausbelastet hatte, waren meine Erwartungen um einiges höher. Das heißt, ich rechnete mit Zeiten von 10:30 bis 10:50. Leider bekam ich zwei Tage vor dem Abflug, Probleme mit der HWS und konnte bis zum 7. Oktober weder Schwimmen, noch Radfahren, noch Laufen. Ein Fehler war vermutlich auch meine siebentägige Tour mit dem Wohnmobil (vom 30.9. bis 7.10.) von Los Angeles nach San Francisco, wo ohnehin nur ein tägliches Lauftraining möglich gewesen wäre.

Nach so langen Jahren des Sports – was stellt für dich nach wie vor die Faszination Triathlon dar? Hat sich dieses Gefühl im Laufe der Jahre verändert?

Die Faszination Triathlon war vielleicht am Anfang (1986 bis 1990) der Motor dabei zu bleiben. Abgelöst wurde die Faszination von der Tatsache, dass ich eine Sportart gefunden hatte, die mir die Flexibilität gab, sich mit meinen privaten und beruflichen Verpflichtungen arrangieren zu lassen, sodass sich meine kontinuierlich aufgebauten Erfolge bestätigten. Im Sport konnte ich insbesondere die beruflichen Belastungen einer 50 bis 60 Stunden Woche bis 2009 aktiv besser verarbeiten. Jetzt, wo ich seit vier Jahren nicht mehr arbeiten muss, genieße ich die Freiheit und vermisse in keiner Weise, obwohl ich immer gerne gearbeitet habe, die Arbeit.

Triathlon ist beliebt. Schaut man heute in eine Wechselzone, sind Kenner beeindruckt von dem Wert, der dort herumsteht. Mit welchem Material standest du das erste Mal hinter der Startlinie? Wie sieht deine Ausrüstung heute aus? Und was würdest du dir als Innovation für die nächsten Jahre noch wünschen?

Mein erstes Fahrrad, auf dem ich meine erste Langdistanz 1988 in Roth absolvierte und 1990 meinen ersten Start auf Hawaii hatte, hatte einen Zeitfahrrahmen und war damals schon ausgestattet mit einem Triathlonlenker – Kosten ca. 1.500 DM, also etwas unterhalb der mittleren Preisklasse.
Abgelöst wurde dieses Rad von einem Trek Karbon mit Spinergy Laufradsatz, Kosten ca. 3.000 DM. Seit fünf Jahren fahre ich ein Isaak mit Zipp Laufradsatz Kosten ca. 4.000 €. Ich denke nicht, dass ich mir noch ein neues Rad zulegen werde, sofern es nicht durch Sturz etc. notwendig wird.

Die damals ersten Langarm Schwimmanzüge waren an den Armen noch relativ dick und wenig flexibel, kosteten ca. 400 DM. Heute habe ich meinen fünften Schwimmanzug, der mit 700 Euro zwar teurer, aber um einiges besser in Qualität und Schnelligkeit ist. Ich bin kein wirklicher Material-Freak und bin mit der Qualität des derzeitigen Equipments zufrieden, folglich setze ich keine wirklichen Erwartungen in Innovationen zukünftiger Jahre. Sollte es im Rad-, oder Schwimmanzugbereich zu gravierenden Verbesserungen kommen, werde ich für mich prüfen, ob es wirkliche zeitliche Verbesserungen bringt und vielleicht „zukaufen“.

89 Podiumsplatzierungen hast du bereits zu Buche stehen. Wann fallen die 100?

Inzwischen habe ich schon 103 Podiumsplätze bei nationalen und internationalen Wettkämpfen, sowie. 51 Podiumsplätze bei  Triathlon, Duathlon ohne Meisterschaftshintergrund. Bis heute habe ich 205 Wettkämpfe gelistet.

Heute war ich zum ersten mal seit Hawaii Laufen. Das Gefühl war gut, mein Gewicht liegt zur Zeit bei ca. 69 bis 71 Kilogramm und ist eine gute Basis, sich auf die kommende Wintersaison mit Langlauf und dem einen oder anderen Wintertriathlon auf die Saison 2014 vorzubereiten. Mein Schwerpunkt wird 2014 auf der Halbdistanz liegen, hier möchte ich einige Rennen der 70.3 Ironmanserie machen und mich auf Mallorca im September für Hawaii 2015 qualifizieren.

Vielen Dank, Reinhold. triatlon.de wünscht dir weiterhin viel Erfolg!

Fotos:  Team Erdinger Alkoholfrei

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