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ist ein bisschen wie Tour de France

Profi(le): François Chabaud – Roth
ist ein bisschen wie Tour de France

10. Juli 2008 von Christian Friedrich

Beim Challenge France war der Franzose François Chabaud nicht zu stoppen und konnte überlegen einen Sieg einfahren. Wir haben François zu seiner Roth-Teilnahme gefragt und welchen Stellenwert Triathlon in Frankreich hat. Aber auch das Geheimnis seiner Radstärke hat er uns verraten. Von Celine Hoff und Danielle Sauter.


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Wer dem französischen mächtig ist kann auch gerne den Podcast anhören, der von Celine und Danielle in französisch geführt worden ist. Die deutsche Übersetzung könnt Ihr unten nachlesen.

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Tri4u: Hallo François, könntest Du uns ein wenig darüber erzählen wie Du zum Triathlonsport gekommen bist?

François: Ich habe mit dem Triathlon angefangen, als ich noch sehr jung war. Ich war damals 15 Jahre alt. Zuerst bin ich in der Junioren-Klasse gestartet, bevor ich in das Profi-Lager gewechselt bin. Von da an habe ich dann ausschließlich Triathlon gemacht.

Tri4u: Welche der drei Disziplinen ist die, die Du am liebsten machst?

François: Meine Lieblingsdisziplin und auch meine stärkste Disziplin ist das Radfahren. Dennoch bin ich ein Triathlet, also muss ich, um gute Ergebnisse zu erreichen, alle drei Disziplinen gut beherrschen.

Tri4u: Wie hast Du Deine Ziele für 2008 definiert, welche Wettkämpfe stehen an?

François: Mein Hauptziel in diesem Jahr war die Qualifikation für Hawaii, dafür bin ich beim Ironman in Südafrika am 13.April gestartet und habe den 4.Platz belegt, außerdem bin ich für die französische Nationalmannschaft für die ITU Weltmeisterschaften im Juni qualifiziert und dann kommt auch schon
die Quelle Challenge Roth am 13. Juli und das große Ziel ist natürlich im Oktober auf Hawaii.

Tri4u: Welche Beziehung hast Du zum Challenge Roth?

François: Das ist meine zweite Teilnahme in Roth. Das erste Mal war ich dort 2003, damals bin ich dritter geworden. Ich habe dieses Rennen in sehr guter Erinnerung und ich bin wirklich sehr froh, wieder in Roth zu starten.

Tri4u: Wie bist Du auf das Rennen in Roth aufmerksam geworden?

François: Ich wurde im Jahr 2002 sechster auf Hawaii und daraufhin hat mich Felix Walchshöfer kontaktiert und gefragt ob ich nicht 2003 in Roth starten möchte. Ich habe dieses Rennen schon verfolgt als ich jünger war und für mich war es ein Traum, dort einmal an den Start zu gehen.

Tri4u: Wie war Dein erstes Rennen in Roth und wie schätzt Du Deine Chancen ein?

François: Roth ist eine der schönsten und größten Veranstaltungen auf der Welt, natürlich habe ich dort Ambitionen. Bei meiner letzten Teilnahme lag ich zusammen mit Chris McCormack und Lothar Leder in Führung, als ich einen Platten bei Kilometer 60 hatte und ich die beiden wegziehen lassen musste. Dieses Jahr hat Roth wieder mal ein sehr interessantes Starterfeld zu bieten mit sehr vielen, sehr sehr guten Athleten, was mich aber wiederum auch sehr motiviert, aus mir selber das Beste herauszuholen und eine sehr gute Performance hinzulegen.

Tri4u: Hast Du eine Anekdote über Roth parat?

François: Ich habe keine wirkliche Anekdote, für mich zählt in Roth die Stimmung, unter anderem der berühmte „Côte d´Hilpoltstein“ (er meint den Solarer Berg). Für uns ist das immer so wie bei unserer Tour de France. Es ist enorm viel Publikum in Roth und dieses Publikum ist für uns Athleten sehr wichtig. Das Publikum macht den besonderen Charme dieses Rennen aus. Die Begeisterung des Rother Publikum ist Roths beste Trumpfkarte.

Tri4u: Es ist also wirklich die Stimmung, die das Besondere in Roth ausmacht?

François: Ja, es ist die Stimmung. In der Triathlonwelt ist man sich einig in dem, was über Roth gesagt wird. Es ist die Qualität der Rennorganisation und die Stimmung. Auf Hawaii ist natürlich auch eine großartige Veranstaltung, aber dass was ich in Roth erlebt habe, habe ich noch nirgendwo anders erlebt.

Tri4u: Wie sieht es mit der Popularität des Triathlons in Frankreich aus?

François: In Frankreich gibt es sehr viele Veranstaltungen, sowohl kleine als auch große. Es gibt auch mehr und mehr Triathleten und die Rennen – selbst die regionalen – sind auch sehr schnell ausgebucht. Leider gibt es bei den Rennen relativ wenige Zuschauer. Der Schwerpunkt der französischen Verbandsarbeit liegt auf der Kurzdistanz und im olympischen Programm. Aber das ist ja auch normal, die olympischen Spiele sind sehr wichtig. Der Verband vernachlässigt aber dementsprechend auch die Langdistanzler. Und ich denke auch ganz einfach, dass der Franzose vielleicht weniger sportlich ist als der Deutsche. Selbst bereits Anfang der 90er Jahren, als ich in Deutschland gestartet bin, war dort bereits viel Publikum, gesperrte Strassen und gute organisierte Veranstaltungen, während in
Frankreich Triathlon mehr Mühe hatte und noch nicht von den Medien akzeptiert war.

Tri4u: Das heißt es gibt nur wenige gute französische Triathleten auf der Langstrecke?

François: Nein. Natürlich haben wir in Frankreich sehr gute Athleten auf der Langstrecke aber wir sind nicht anerkannt. Ich habe das Glück dass ich vom Triathlon leben kann, weil ich Teil von einem Team bin – Ich bin beim Militär. Es ist für uns quasi unmöglich Sponsoren zu finden daher ist für uns Hawaii das Rennen Nr. 1 und dann gibt es noch die Rennen, die Du nicht umgehen kannst, so wie zum Beispiel das in Roth.

Tri4u: Wie sieht es mit Kontakt zu anderen Profiathleten aus?

François: Ich habe sehr gute Kontakte zu vielen internationalen Athleten. Ich glaube ich habe sogar bessere Kontakte zu internationalen Triathleten, wie zum Beispiel zum Südafrikaner Raynard Tissink oder auch zu deutschen Triathleten, als zu den Französischen. Ich denke dass unser Schwachpunkt in Frankreich ist, dass wir in Frankreich bleiben und sagen – okay, ich bin die Nr. 1 in Frankreich, das reicht mir. Aber was zählt ist, dass man in den internationalen Rennen dabei ist. Ich denke aus meiner Sicht wird sich im Triathlon demnächst einiges ändern. Und wenn die Medien uns helfen, können wir auch Sponsoren anziehen. Im Moment habe ich den Eindruck, dass es ein wenig stagniert, aber für mich ist der Triathlon ein riesen Schnellkochtopf, der bereit ist zu explodieren. Das ist das Bild, was es für mich zurzeit gibt.

Tri4u: Wie sieht Deine Vorbereitung für Roth aus?

François: Alles zu seiner Zeit. Ich werde nach Roth kommen so gut vorbereitet sein, wie es mir möglich ist. Danach werde ich auch ein paar Tage Regeneration gönnen und dann beginnen bereits die Vorbereitungen für Hawaii. Roth ist sehr gut gelegen für die Vorbereitung auf Hawaii.

Tri4u: Kannst Du uns noch Dein Geheimnis erzählen, wie man so schnell Rad fahren kann wie Du?

François: Mein Geheimnis – nun, ich wohne ja in Südfrankreich und trainiere viel am Mont Ventoux (1.912 Meter hoher Berg in der französischen Provence). Die Leute, die begeistert sind vom Radsport wissen, was das bedeutet.

Tri4u: François, Danke für das Gespräch und alles Gute für Roth und danach Hawaii.

François: Ich bedanke mich.

Das Interview führten Celine Hoff und Danielle Sauter für tri4u.de

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