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Was steckt dahinter?

Natural Running –
Was steckt dahinter?

30. Juli 2009 von Philipp Peter

barfussIn der Sportschuhentwicklung hat in den vergangenen Jahren ein grundlegender Wandel stattgefunden. Noch bis vor einigen Jahren wurde ein Sportschuh durch die Begriffe „Dämpfen, Stützen und Führen“ charakterisiert. Neuere Forschungsarbeiten betrachten diese Eigenschaften aber eher kritisch, da sich die Verletzungshäufigkeit unter Laufsportlern trotz zahlreicher neuer Schuhtechnologien und dem Einbau von Pronationsstützen kaum verbessert hat.


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Dämpfung
Der oft propagierte Zusammenhang von Fersenaufprallkräften beim Laufen und Verletzungen des Bewegungsapparates konnte bis heute nicht schlüssig belegt werden. Im Gegenteil zeigen neuere Forschungen mit Hilfe der sogenannten inversen Dynamik, die eine Belastungsberechnung für innere biologische Strukturen ermöglicht, nur geringe bis gar keine Auswirkungen durch die Dämpfungseigenschaften der Schuhsohle auf die Belastung von Knorpel, Sehnen und Bändern. Allerdings wird vermutet, dass die Aufprallkräft und die dadurch ausgelösten Vibrationen durchaus eine Rolle bezüglich Ermüdbarkeit der Muskulatur und subjektivem Komfortempfinden spielen.

Bewegungskontrolle
Laufbedingte Überlastungserscheinungen stehen oft in Zusammenhang mit einer unregelhaften Ausrichtung des Beinachsensystems. Durch eine innenseitige Unterstützung des Fußlängsgewölbes durch den Einbau von härterem Material, sogenannte Pronationsstützen, wird deshalb heute immernoch durch viele Schuhhersteller versucht eine Überpronation des Fußes beim Laufen zu korrigieren. Aber auch hier zeigen neuere Forschungen nur sehr geringe Effekte auf die Fuß- und Beinbewegung. Messungen haben gezeigt, dass weniger die maximale Pronation das Problem ist, sondern vielmehr die Kraft bzw. Geschwindigkeit mit der der Fuß nach dem Fersenaufsatz in die Pronations gedrückt wird. Je nach Schuhkonstruktion kann diese Kraft trotz Pronationsstütze doppelt so hoch sein wie beim Barfußlaufen. Insbesondere weitausladende Fersenpartien können in diesem Zusammenhang durch die Vergrößerung der Hebelarme die Belastung deutlich erhöhen. Zur Reduktion der Pronationsgeschwindigkeit ist die komplette Entkopplung (siehe Bild unten) des Fersenbereichs der Sohle eine sinnvolle Schuheigenschaft für Läufer mit Überpronation.

erhohte-pronationswinkelgeschwindigkeit

Passform – Jeder Fuß ist anders
Die Passform von Laufschuhen ist eng mit dem individuellen Komfortempfinden des Läufern verbunden und wird von vielen als eine der wichtigsten Eigenschaften eines Laufschuhs genannt. Eine allgemeine Beurteilung der Passform ist so gut wie nicht möglich, da dazu immer das individuelle Gegenstück zum Schuh, der Fuß des Läufers, nötig ist. Wissenschaftliche Studien sind deshalb auch noch weit von eindeutigen Erkenntnissen in diesem Bereich entfernt. Der Trend geht aber ganz klar in Richtung Individualisierung der Passform (z.B. Mehrweitensystem von New Balance oder „mi adidas“).

Wie sollte ein Laufschuh nach den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen nun aussehen? Aktuell geht der Trend eher dahin, durch die Dämpfung der Laufschuhe nur noch die Differenz zwischen einem Naturboden und dem Kunstboden (z.B. Asphalt) auszugleichen. Früher war der Mensch täglich bis zu 40 Kilometer barfuß auf Naturböden unterwegs und ist normalerweise für diese Belastung seit tausenden von Jahren anatomisch und biologisch sehr gut gerüstet. Heute findet man aber sehr oft harten Asphalt und hart gewalzte Schotterwege als Laufstrecken vor. Diese Mehrbelastung sollte sinnvollerweise durch den Laufschuh ausgeglichen werden. Mehr ist aber auch nicht nötig und kann sogar kontraproduktiv sein.

Den konsequentesten Schritt in Richtung Barfußlauf geht Nike mit dem „Nike Free“. Dieser Schuh zeichnet sich durch das Fehlen jeglicher stabilisierender Elemente aus. Die Dämpfung orientiert sich an einem Naturboden. Dieser Schuh stellt erheblich höhere Anforderungen an die muskuläre Stabilisierung des Fußes als herkömmliche Sportschuhe. Nicht wenige Sportler reagierten zunächst mit Muskelkater, nachdem sie erstmals Schuh getragen haben. Inzwischen wird der Schuh aber mehr als Trainingsgerät vermarktet und weniger als Laufschuh.

Die Natural Running Philosophie entspricht sehr gut den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Laufschuhentwicklung. Im Mittelpunkt steht die natürliche Bewegung des Fußes und die möglichst geringe Beeinflussung der natürlich auftretende Kräfte beim Laufen. Wer seine Füße also fordern und trainieren will, der sollte also auf diesen Zug aufspringen und nicht in seinen „Komfortschlappen“ verkümmern. Über neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Gebiet können wir aber weiterhin gespannt sein.

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Literatur: Walther M., Mayer B. (2008): Aktuelle Trends in der Sportschuhentwicklung – Zeitschrift für Sportmedizin, 01-2008

Philipp Peter ist Autor dieses Artikels. Er ist Sportwissenschaftler und Triathlon B-Lizenz-Trainer. Er ist Experte auf der Trainingsplattform training.triathlon.de (www.training.triathlon.de) und bietet mit Formkurve (www.formkurve.com) Leistungsdiagnostik, Trainingsbetreuung und Sitzpositionsanalysen als kompetenter Partner im triathlon.de Center in München an. Er startet für das triathlon.de-Team aus Fürstenfeldbruck in der 1. Triathlon-Bundesliga.
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