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Leistenschmerz bei Triathleten

4. April 2017 von Ann-Christin Cordes

Die so genannte „Weiche Leiste“ war lange als typische Fußballer- und Tennisspieler-Verletzung bekannt. Aber auch immer mehr Triathleten und Marathonläufer sind von dem Schmerz in der Leistengegend betroffen. „Weiche Leiste“ bezeichnet eigentlich eine Schwäche oder gar eine kleine Verletzung der Bauchwand bzw. des Leistenkanals. Eine Nervenreizung oder Entzündung in dieser Region verursacht dann die Schmerzen. Diese „Sportlerleiste“ wird auch als Vorstufe des Leistenbruchs gesehen und sollte daher die nötige Aufmerksamkeit erhalten.


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Vielschichtiges Ursachennetz

Oftmals fungiert der Begriff „Weiche Leiste“ eher als Sammelbegriff für Schmerzen in der Leistenregion. Die genaue Diagnose ist sehr schwer, da viele Ursachenherde nahe beieinander liegen. So können z.B. auch Knorpelprobleme und „normale“ Muskelfaserrisse ähnliche Schmerzen verursachen. Die angesprochene strukturelle Schwäche in der Bauchmuskulatur bzw. im Leistenkanal kann ebenfalls viele Ursachen haben: Zum einen kann dies
angeboren sein, zum anderen können eine zu schwach trainierte Bauchmuskulatur und ein verkürzter Hüftbeuger der Grund sein. Dummerweise kann aber auch eine zu stark (und einseitig) trainierte Bauchmuskulatur zu Beschwerden führen. Des Weiteren sind andere muskuläre Dysbalancen, eine Beinlängendifferenz, falsches Schuhwerk und der Wechsel des Laufuntergrundes Gründe für Reizungen und Schmerzen in dieser Gegend. Allem gemeinsam ist, dass die Probleme durch sehr starke körperliche Belastung entstehen bzw. verstärkt werden. Daher treten Leistenprobleme oft zusammen mit einem Übertrainingssyndrom auf.

Überlastungserscheinungen auch im Ausdauersport
Dies erklärt, warum auch Ausdauersportler betroffen sind. Fußballer hatten in der Vergangenheit prozentual, deutlich mehr mit dieser Verletzung zu kämpfen. Ihr Training beinhaltet viele kurze Belastungsspitzen mit Richtungsänderungen. Dazu kommen Schüsse mit außenrotierten Beinen. Die Belastung für die Leistengegend, vor allem für den Leistenkanal, ist sehr groß. Seitdem aber immer mehr Amateursportler mit großem Aufwand für Marathons, Triathlons und einen Waschbrettbauch trainieren, kommt es auch immer häufiger zu Überlastungserscheinungen in diesen, sonst so „gesunden“ Sportarten. Insgesamt sind aus anatomischen Gründen deutlich mehr Männer als Frauen betroffen.

Symptome und Diagnose

Der Schmerz ist meist im Unterbauch, in den Leistenbändern und an der Oberschenkelinnenseite sowohl ein- als auch beidseitig zu spüren. Charakteristisch ist, dass die Schmerzen besonders stark beim Husten und Niesen auftreten. Die Beschwerden entwickeln sich langsam und werden immer schlimmer. Oftmals kann der Athlet noch Monate weitertrainieren, weil der Schmerz nicht stark ist und auch nur während der Belastung auftritt.

Fakt ist: Werden die Beschwerden ignoriert, kann es sogar lebensgefährlich werden. Kommt es nämlich zu einem plötzlichen Leistenbruch, können Organe aus dem Bauchraum austreten und damit nicht mehr vernünftig arbeiten. Des Weiteren gilt die vernünftige Sichtweise auf Training mit Schmerzen: Wer über Wochen und Monate die Zähne zusammenbeißen muss und die Ursachen dafür nicht beseitigt, kann seine Leistung langfristig nicht richtig steigern.
Diagnostiziert wird eine weiche Leiste durch die Anamnese, durch sorgsames Abtasten der Region sowie mit einer Ultraschalluntersuchung bzw. einer Kernspintomographie. Ist die Leistenschwäche schon sehr fortgeschritten, sind sogar kleine Vorwölbungen in der Bauchgegend zu sehen.

Behandlung und der Blick in die Zukunft

Zunächst wird der Arzt eine Trainingspause verordnen. Oft gibt es auch eine direkte Überweisung zum Orthopäden, der sehr häufig eine Operation vorschlägt, um dem möglichen Leistenbruch zuvorzukommen. Zu 90% ist die OP erfolgreich und beseitigt die Beschwerden. Mit dem Training kann dann schon nach wenigen Wochen wieder begonnen werden.
Nicht immer aber sind damit alle Probleme für die Zukunft beseitigt. Wichtig ist die Ursachenforschung und -beseitigung: Muskuläre Defizite und Dysbalancen können durch gezieltes Training und mit Physiotherapie behoben werden. Auch gezielte Massagen können helfen. Das Schuhwerk und der Trainingsplan sollten genau studiert und an die persönlichen Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst werden. Mit einem gut geplanten Training führen dann selbst genetische Schwächen in der Leistengegend kaum zu Problemen.

Foto: trailfan – Fotolia.com

 

Ann-Christin Cordes ist Autorin dieses Artikels. Die studierte Sportwissenschaftlerin arbeitet als Triathlon-Trainerin für Jugendliche (VTB Varel) und freie Sportjournalistin. Seit 16 Jahren ist sie selbst aktive Triathletin und startet über die kürzeren Distan
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