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Ironman Hawaii 2013: „Es lohnt sich für das Finish zu kämpfen“

15. Oktober 2013 von Christine Waitz

Foto: Christine Waitz,   freiKatrin Esefeld ist seit Jahren eine Deutschlands stärkster Altersklassenathletinnen. Nach Kona machte sie sich auf, um den Altersklassentitel zu holen. Doch auf dem letzten Drittel der Radstrecke wurde ihr eine unachtsam weggeworfene Radflasche des Vordermanns zum Verhängnis. Ein Sturz zerstörte die Träume vom Titel. Warum es sich trotzdem gelohnt hat, für das Finish zu kämpfen, lest ihr hier.


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Im letzten Jahr war es auf Hawaii noch der Vize-Titel, in diesem Jahr sollte es bis an die Spitze reichen. Die Vorzeichen standen für die 30 jährige Ärztin gut. Die Qualifikation holte sie sich mit einem AK-Sieg und achten Platz in der Gesamtwertung beim Ironman Switzerland. Der bayerische Meistertitel auf der Triathlon Mitteldistanz ging ebenso an sie, wie zuletzt der Sieg beim Mondsee-Triathlon.
Das Ergebnis des Wochenendes ließt sich auf den ersten Blick ernüchternd: 10:32:21, Platz 73. Auf den zweiten Blick lieferte Katrin eine der Leistungen ab, vor der man den Hut ziehen muss. Warum, das erfahrt ihr im Interview.

Hallo Katrin, du bist mit der berechtigten Hoffnung nach Kona gereist, den Weltmeistertitel deiner Altersklasse zu holen – und dann kam doch alles ganz anders. Was ist passiert?

Foto: Christine Waitz, freiDas Rennen begann für mich perfekt und ich habe mich super gefühlt. Ich hatte mich nach gewohntem Rückstand nach dem Schwimmen nach 150 Kilometern Radfahren bereits auf den zweiten Platz meiner AK vorgearbeitet. Kurz danach, an einer Verpflegungsstelle, passierte es dann: Ich wollte nach einer Radflasche greifen, als im gleichen Moment ein Radfahrer vor mir eine Flasche wegwarf, direkt vor mein Rad. Ich konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen, bin gestürzt und war dann mehrere Minuten bewusstlos. Dann verbrachte ich über eine halbe Stunde unter medizinischer Beobachtung an der Verpflegungsstelle. Nach heftigen und langen Diskussionen durfte ich schliesslich versuchen,das Rennen fortzusetzen.

Trotz deiner Verletzungen hast du das Rennen durchgezogen. Was war deine Motivation das Ziel auch ohne Aussicht auf den Titel zu erreichen?

Gerade nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden bei der WM in Zofingen, fünf Wochen zuvor, war es für mich sehr wichtig in Hawaii zu finishen. Die fehlende Aussicht auf einen Titel ist für mich grundsätzlich kein Grund aufzugeben (da hätte ich schon oft aufgeben müssen ;-)), schon gar nicht auf Hawaii. So viele Triathleten träumen davon, hier überhaupt mal teilnehmen zu dürfen. Das ist nun mal so im Sport, dass nicht immer alles glatt läuft. Ich wusste, dass mir sehr viele Leute die Daumen drücken und an mich denken. Das hat mir in dieser Situation auch sehr geholfen,weiterzumachen.

Steht man als Ärztin und Sportlerin in diesem Moment im Zwiespalt? Gehirnerschütterung, Einblutung im Oberschenkel – als Ärztin würde man sich doch nicht mehr auf die Strecke lassen. Als Sportlerin schon?

Man steht natürlich im Zwiespalt. Als Ärztin hätte ich mich sicher nicht mehr auf die Strecke lassen (das wurde mir auch von den behandelnden Rennärzten empfohlen). Aber in diesem Moment war ich vor allem Sportlerin und man ist in so einer Situation nicht immer fähig, rational zu entscheiden und die Lage selbst zu überblicken. Ich wusste ja zunächst gar nicht, was passiert war. Ich fühlte mich eigentlich gut, hatte in diesem Moment auch keine Kopfschmerzen, Schwindel oder ähnliches. Auch dann beim Laufen noch nicht. Einziges Problem war die Einblutung im Oberschenkel, das war schmerzhaft, aber sicher nicht weiter gefährlich und mittels Kompressionsverband halbwegs erträglich. Auch wenn es medizinisch gesehen besser gewesen wäre aufzuhören, bereue ich meine Entscheidung bisher nicht.

Der Tag danach – wie fühlst du dich? Schmiedest du bereits Pläne für das nächste Jahr?

Naja, noch ist jede Bewegung sehr schmerzhaft, aber ich bin zuversichtlich, dass es von Tag zu Tag besser wird und die Verletzungen folgenlos ausheilen. Bereits auf der Zielgeraden hab ich beschlossen, dass ich im nächsten Jahr wieder hier starten möchte und dann auch wieder vorne dabei sein möchte :-) Ich muss mir jetzt nur noch Gedanken machen, bei welchem Qualirennen ich teilnehmen werde.

Vielen Dank für dein Interview. Wir wünschen dir schnelle Erholung!

Zahlreiche deutsche Altersklassenathleten hatten nicht nur Aussicht auf den Titel, sondern konnten den Traum vom WM-Podium verwirklichen. Wir gratulieren allen Finishern und natürlich den deutschen Altersklassen-Champions!

F 18-24
3. Carolin Lehrieder

F 30-34
1. Astrid Ganzow

F 40-44
3. Nicole Bretting

F 45-49
2. Marion Hebding

F 50-54
1. Christine Heidemann

M 25-29
3. Marc Unger

M 40-44
1. Christian Müller
3. Matthias Raeke

M 45-49
3. Harald Funk

M 50-54
1. Wolfgang Schmatz

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Fotos: triathlon.de

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