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Interview mit Wolfgang Schmatz: „Der Mythos Hawaii nutzt sich nie ab!“

24. Oktober 2014 von Christine Waitz

Wolfgang Schmatz, einmaligWährend eine Teilnahme beim Ironman Hawaii für viele ein Lebenstraum ist, und manchmal auch bleibt, gibt es auch unter Altersklassenathleten Teilnehmer, die die Qualifikation immer wieder in der Tasche haben. Einer dieser Leistungsträger ist der 52-jährige Wolfgang Schmatz. Bereits zum neunten Mal stand er in diesem Jahr hinter der Startlinie der Weltmeisterschaft.


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2000 landete der Oberpfälzer erstmals auf dem kleinen Flughafen von Kailua Kona und begann ein Abenteuer, das ihn auch 14 Jahre später noch mitreißen sollte. Mittlerweile ist Schmatz fast schon ein Podiumsgarant. 2012 und 2013 holte er sich den Weltmeistertitel seiner Altersklasse und stellte 2013 mit seiner Zeit von 9:16:38 Stunden gar den Altersklassenweltrekord auf. In diesem Jahr darf der Medaillensammlung der Vize-Weltmeistertitel hinzugefügt werden. Um knapp über eine Minute musste sich Schmatz dem Dänen Bent Andersen lediglich geschlagen geben.

Wir haben uns mit Wolfgang Schmatz unterhalten.

Hallo Wolfgang! Herzlichen Glückwunsch zum Vize-Weltmeistertitel 2014! Bei einem Langdistanzrennen kann man sich über Spitzenergebnisse im Voraus nie sicher sein – egal wie gut die Form ist. Nun konntest du dich zum wiederholten Male auf dem Podium platzieren Wie ist das Rennen aus deiner Sicht verlaufen? 

Wolfgang Schmatz, einmaligDas Rennen lief, bis auf das verhältnismäßig langsame Schwimmen (zwei Minuten langsamer als bisher), eigentlich sehr gut! Es war zwar aufgrund der schwierigen Windverhältnisse dieses Jahr schwerer zu bestehen, besonders auf dem Rad und wegen der großen Hitze dann beim Laufen, aber das ist eben Hawaii! Jedes Jahr ist es unterschiedlich sich im Rennen zurecht zu finden!

Wichtig ist auf Hawaii einfach Geduld und noch mal Geduld zu haben, um nicht zu überzocken! Das ist mir wieder einmal gelungen mit Platz zwei! Beim Radfahren hatte ich überhaupt keine Probleme. Es lief eigentlich ganz gut. Beim Laufen hatte ich kein gutes Gefühl und dachte nur durchzulaufen, um zu überleben. Nur nicht übertreiben war mein Gedanke! Dass es zu Platz zwei gereicht hat freut mich umso mehr!

Zum neunten Mal die selbe Leier, zum neunten Mal morgendliches Gedränge am Pier, Lavawüste und brütende Hitze. Was macht das Rennen für dich so besonders, sodass du immer wieder hierher zurückkehrst? Nutzt sich der „Mythos Ironman Hawaii“ nicht irgendwann einmal ab?

Der Mythos Hawaii nutzt sich nie ab. Die Planung der Reise, dann der Flug, das Landen, der Duft, die Schwüle, Hitze, jeden Tag die Brandung des Meeres, die Athleten, das Drumherum….. Einfach unbeschreiblich!!! Hier messen sich nur die Besten der Besten! Und das merkt man auch in allen drei Disziplinen. Nirgendwo gibt es diese kleinen Unterschiede in den Zeiten, wie hier! Ein Fehler oder Schwachpunkt und du wirst bestraft.  Nichtsdestotrotz ist es Urlaub vor und nach dem Rennen! Inselhüpfen auf eine andere Insel oder doch lieber San Francisco?!?

Im Jahr 2000 warst du erstmals auf der Insel. Was hat sich seither in der Rennwoche und im Rennen selbst verändert?

Es ist stressiger geworden, im Verkehr, im Supermarkt, am „Alii Drive“! Jedes Jahr kommen mehr Leute, ob Athleten, Zuschauer, Reporter oder Angehörige der Athleten. Und im Rennen sind die Unterschiede einfach kleiner geworden! Keine Zeit zu „pinkeln“ sonst verliert man 15 Plätze! Ein kleiner Schwachpunkt und man wird durchgereicht. In einer Minute kommen oft zehn Athleten ins Ziel! Da heißt es: Beißen von Anfang bis zum Schluss sonst war’s das! Das ist der Unterschied zu 2000. Damals war man mit einer mittelmäßigen Leistung noch gut vorne dabei. Diese Zeiten sind vorbei! Man sieht das ja schon an der Quali. Wie viele gute Athleten schaffen es nicht, sich zu qualifizieren!

Mittlerweile dürftest du die Strecke kennen, wie deine Westentasche. Welcher Streckenabschnitt ist für dich der Schönste, welcher der anspruchsvollste?

Der schönste Abschnitt ist beim Laufen der Alii Drive hin und zurück – rund 14 Kilometer entlang des Meeres mit vielen Zuschauern! Der anspruchsvollste Abschnitt ist beim Radeln der Weg hinauf nach Hawi und zurück aufgrund der gefährlichen und tückischen Seitenwinde. Hier wird es richtig hart!!!

Wolfgang Schmatz, einmalig

Im nächsten Jahr hast du die Chance die zehnte Teilnahme zu feiern – sehen wir dich auf der Startliste?

Nein! Ich war die letzten drei Jahre in Folge hier und das reicht. Dieses Jahr hat mir die Vorbereitung im Vorfeld aufgrund privater Sachen viel Kraft gekostet und ich brauche Mal wieder eine Pause. Vielleicht in zwei oder drei Jahren wieder – oder auch nicht mehr! Da muss ich in mich rein hören, ob ich mir das noch einmal antun will oder nicht! Es hängt immer sehr viel daran über den großen Teich zu gehen und dort zu bestehen!

Fotos: Wolfgang Schmatz

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