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Mehr Professionalisierung in der DTU

Interview mit Björn Steinmetz:
Mehr Professionalisierung in der DTU

8. November 2011 von Meike Maurer

Björn Steinmetz ist im Bereich „Triathlon“ in Deutschland schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Zum einen ist er unter anderem der Präsident des Baden-Württembergischen Triathlonverbands und Veranstalter der Challenge Kraichgau. triathlon.de sprach mit ihm über den neuen DTU-Präsidenten Martin Engelhardt, über die künftige Finanzierung der DTU und über neue Verbandstrukturen.


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Hallo Herr Steinmetz, sie sind Veranstalter der Challenge Kraichgau, Präsident des BWTV und nun auch Sprecher der Landesverbände. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt.

Danke. Der geneigte Beobachter könnte fast denken, bekommt der Mann eigentlich nie genug. Aber im Ernst, es macht mich stolz, dass die Landesverbände mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Sie haben mir aber auch viel Verantwortung mit auf den Weg gegeben.

Wie bewerten Sie die Wahl Martin Engelhardts zum neuen, alten Präsidenten der DTU? 

Die Wahl von Martin Engelhardt, ist die Chance, die DTU wieder durch Bündelung der Kräfte in ein ruhiges Fahrwasser zurückzuführen. Aber man sollte sich ruhig jetzt schon Gedanken machen, wer Herrn Engelhardt in drei bzw. sieben Jahren im Amt folgen wird. Es müssen neue Leute an die Aufgaben herangeführt werden. Martin ist ein Mann, der über sehr viel Erfahrung verfügt und im Sturm braucht der Dampfer DTU einen Kapitän mit Erfahrung.

Verfällt die DTU nun wieder in alte Zustände oder was bedeutet die Wahl Engelhardts?

Sicher wird die DTU nicht in alte Zustände zurückfallen. Wobei an der Stelle gefragt werden muss, was sind die alten Zustände? Die meisten Dinge sind bei der DTU nach der Amtszeit von Martin Engelhardt nicht rund gelaufen, aber man sollte die Arbeit der DTU auch nicht nur auf den Präsidenten reduzieren. Die „neue“ DTU muss von allen mit getragen werden. Insbesondere auch von den Landesverbänden, deren Aufgabe es ist,  zu kontrollieren, aber nicht zu intrigieren. Ich, als Sprecher der Landesverbände, sehe mich in der Pflicht, dies zu verhindern. Wenn es uns gelingt gemeinsam für die Sache zu arbeiten, kriegen wir den Dampfer DTU wieder flott.

Es gab im Vorfeld der Wahl viele Gespräche und man ist zum Schluss gekommen, dass man mit dem Geschäftsführer Matthias Zöll, den Vizepräsidenten Reinhold Häuslein und Bernd Rollar sowie mit meiner Person als Sprecher der Landesverbände, ein gute Truppe zusammen hat und Martin komplettiert das Team nun als Kapitän.

Im Rahmen des Verbandstages wurde auch die Finanzierung der DTU novelliert. Was war der Auslöser für diese Novellierung?

Der Hauptauslöser war sicherlich das leidige Thema „Veranstalterabgaben“. Dieses Problem war seit Jahren ungelöst und sicherlich historisch bedingt. Wenn wir die Triathlon Landschaft betrachten, ist festzustellen, dass der Wachstum der Sportart darin begründet liegt, dass sich große Veranstalter mit einer sehr großen Professionalität daran gemacht haben, den Triathlonsport einem großen Publikum bekannt zu machen, und der Verband es in den letzten zehn Jahren nicht geschafft hat, sich ähnlich professionell aufzustellen.

Und nun haben die großen Agenturen sich die Fragen gestellt, „warum sollen wir Abgaben in Höhe von 100.000 Euro leisten, wenn der Verband nichts für uns tut?“ Auf Seiten der Verbände hat man den Fehler gemacht, nicht die Strukturen zu ändern, sondern
„Sonderverträge“ zu schließen, was schließlich dazu führte, dass ein enorme Ungerechtigkeit entstanden ist. Hinzu kommen auch regionale Unterschiede bei den 16 Landesverbänden – man kann eben nicht,  obwohl wir über die Sportart „Triathlon“ reden, den Landesverband Sachsen mit dem von NRWTV vergleichen.

Diese Strukturänderungen wurden nun angegangen, so dass man jetzt auch auf Augenhöhe mit Veranstaltern wie Ironman, Challenge, Hamburg Triathlon usw. reden kann. Und was viel wichtiger ist, man hat Lösungsmöglichkeiten,  die nicht gegen Satzungen verstoßen.

Was ist neu? 

Neu ist,  dass es keine Veranstalterabgabe auf Bundesebene mehr gibt und jeder Landesverband die Möglichkeit besitzt, unter Berücksichtigung der regionalen Bedingungen, individuellen Lösungen anzustreben. Die DTU gibt nur noch Korridore vor, was die Höhe der Tageslizenzen und den Preis des Startpasses betrifft. Zukünftige Einnahmen aus der Veranstalterabgaben bleiben bei den Landesverbänden. Die Landesverbände sind dadurch endlich in der Pflicht, ihre Hausaufgaben zu machen und es ist nun klar, wer welche Aufgaben zu erledigen hat.

Im Detail wird die DTU nun von drei stabilen Säulen finanziert. Dieses Modell wurde in einer eigens dafür eingerichtet „ Kommission „ erarbeitet, in der auch der BTV, der sich nun gegen das Modell ausspricht, entscheidend mitgewirkt hat. Es ist daher für viele von uns völlig unverständlich, dass man aus einer Kommission mit einen einstimmigen Ergebnis kommt und plötzlich der BTV massiv gegen die selbst erarbeitet Lösung vorgehen will.

Warum wurden die Änderungen vorgenommen?

Die Änderungen wurden vorgenommen, um der DTU eine sichere und stabile Finanzierung zu gewährleisten. Wir, als Landesverbände, sind die DTU und haben die Pflicht und die Aufgabe unseren Dachverband so mit Finanzmitteln auszustatten, dass dort auch ordentlich gearbeitet werden kann.

Überall wird der Ruf nach Professionalisierung lauter, aber jedem muss klar sein, dass dies auch Geld kostet. Das Ehrenamt, was an dieser Stelle gerne angeführt wird, kann die vielschichtigen Aufgaben nicht mehr alleine erfüllen. In Zukunft müssen wir uns als Triathleten daran gewöhnen, dass wir Verbandsdienstleistung bezahlen müssen und immer mehr Aufgaben in die Hände des Hauptamtes, auch aus Mangel an Bereitschaft, ehrenamtlich zu arbeiten, gelegt werden muss.

Es ist unbestritten, dass die Belastungen für den einzelnen Athleten steigen werden, aber in einem Maß, über das ich mich eigentlich nicht unterhalten möchte. Wir reden hier von einem Jahresbeitrag der circa den Wert eines Paars „Kompressionsocken“ hat.

Ebenfalls wurde eine neue Satzung beim Verbandstag verabschiedet. Was sind die wesentlichen Neuerungen? Muss die Satzung noch einmal überarbeitet werden?

Die wohl wichtigste Veränderung liegt in der Position des  „Geschäftsführers der DTU“ – dieser gehört ab sofort mit Sitz und Stimme zum DTU-Präsidium. Somit haben wir endlich jemanden im Entscheidungsgremium sitzen, der den gesamten Überblick hat und auch mit seiner Stimme, Entscheidungen beeinflussen kann. Auch dies ist, obwohl der Begriff schon oft genannt wurde, ein Schritt in Richtung Professionalisierung.

Ein Beispiel hierfür, um diesen Punkt verständlicher zu machen:  Der Geschäftsführer der DTU befindet sich in einem Sponsorengespräch mit einem Hersteller von „Energie Drinks“, der der DTU eine Partnerschaft anbietet. Der Geschäftsführer unterschreibt den Vertrag.  Einen Tag später wird von einer ehrenamtlichen Kommission, die die gesamten Zusammenhänge nicht kennt, die Sportordnung geändert und ein Verbot von Energie Drinks beim Triathlon ausgesprochen.  Solche Dinge sind zu oft passiert und müssen verhindert werden.

Um den zweiten Teil der Frage zu beantworten – ja, die Satzung muss sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle überarbeitet werden .Was aber aus Sicht der handelten Personen kein Problem darstellen sollte. Im Bundestag werden auch regelmäßig Gesetze geändert – da sich die Rahmenbedingungen ändern und angepasst werden müssen.

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