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Expertenserie mit Rainer Wittmann: Regeneration nach dem ersten Saisonhöhepunkt

5. Juli 2016 von Christine Waitz

Lukas Bartl,   freiFür viele ist der erste Saisonhöhepunkt bereits Geschichte. Egal über welche Distanz – die Vorbereitung und das Rennen haben ihre Spuren hinterlassen. Der Körper zwickt hier und da, und auch der Kopf ist gelegentlich im Motivations-Streik. Doch das ist völlig in Ordnung so, weiß Physiotherapeut und Heilpraktiker Rainer Wittmann. „Nach einer Regenerationsphase kann man wieder richtig durchstarten.“ Wie es geht, erklärt er im Interview.


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Rainer Wittmann ist Physiotherapeut und Heilpraktiker. Er hat seine Praxis inmitten des sportbegeisterten Landkreises Roth, in Hilpoltstein. Entsprechend sieht auch seine Patientenliste aus. Viele Sportler setzen auf seine Hilfe. Die individuelle, gezielte und aus zahlreichen Ausbildungszweigen schöpfende Diagnose bringt Probleme ans Licht und verhilft zu schneller Genesung.

Christine Waitz, freiHallo Rainer!
Vor den großen Triathlonrennen gehen in deiner Praxis die Sportler ein und aus. Für dich gilt es dann die Probleme so gut wie möglich bis zum Wettkampf in den Griff zu bekommen. Kehrt nun etwas Ruhe in die Praxis ein?

Ja, es kehrt tatsächlich etwas Ruhe ein. Es sind nur noch rund ein Drittel der Sportler hier, die normalerweise hier sind, weil die nächsten drei bis vier Wochen Erholungszeit sind. Nur die, die sich verletzt haben, oder eben bereits angeschlagen in ein Rennen gingen, sind im Moment noch hier.

Du bist selbst seit Jahren als Staffelläufer auf der Langdistanz unterwegs. Weißt also, wie man sich nach dem Rennen fühlt, wenn alle Anspannung abfällt. Was ist dein Tipp für „den Tag danach“?

Mein Tipp ist: Viel trinken, viel schlafen und leichte Bewegung. Wobei Bewegung beispielsweise einfach Spazierengehen mit dem Partner sein kann – so hat er auch Mal wieder etwas von einem.
Außerdem sollte man überwiegend leichte und nahrhafte Kost essen, damit sich der Magen auch wieder erholt und man das Kaloriendefizit vom Vortag wieder ausgleicht. Mediterrane Kost mit Gemüsesuppen oder Kartoffelgerichten bieten sich hier an.

Viele Sportler haben nicht nur einen Saisonhöhepunkt, sondern möchten in den kommenden Monaten noch einmal fit am Start stehen. Wie lange braucht der Körper, um sich von den Wettkampfbelastungen zu erholen?

Sich von der direkten Wettkampfbelastung zu erholen, das dauert in der Regel nur wenige Tage – Zwischen Drei und Sieben. Bis die gesamte Belastung verdaut ist, dauert es allerdings schon drei bis vier Wochen. Bis man eine erneute Wettkampfbelastung über die Langdistanz wieder eingehen kann, muss man schon mit drei Monaten für Erholungs- und Trainingsphase rechnen. Wichtig ist es besonders in der zweiten Phase schnell auf Ermüdungserscheinungen zu reagieren und Verletzungen sofort anzugehen und therapieren zu lassen.

Ingo Kutsche

Kann man der Regeneration Beine machen, oder muss man sich diese Zeit einfach nehmen?

Die Regeneration als solches ist durch Zellstoffwechselvorgänge festgelegt. Diese Prozesse kann man nicht beschleunigen. Man kann diese Vorgänge jedoch durch falsches Verhalten bremsen! Der Regeneration Beine machen bedeutet also, man muss genug Wasser, genug Vitamine, genug Mineralien zu sich nehmen, man muss seine Defizite an Kohlenhydraten, Fetten und Eiweisen wieder ausgleichen, damit man aus dem Vollen schöpfen kann.
So können beschädigte Zellen wieder regeneriert und aufgebaut werden, der Hormonspiegel kann sich wieder einpendeln.

Zur perfekten Regeneration gehören auch ausreichend Schlaf und Ruhe, sowie lockere und leichte Bewegung im unteren GA1 Bereich.

Als Physiotherapeut und Heilpraktiker begleitest du viele Athleten durch die gesamte Saison. Was sind die größten Fehler, die dir auffallen und wie kann man sie verhindern?

Einer der größten Fehler ist der Leistungsdruck, dem sich Sportler selbst aussetzen. Also die eigene Erwartung über das zu stellen, was mein Körper, mein Zeitbudget und meine Möglichkeiten – körperlich, wie mental, wie finanziell – hergeben. Hier muss man seine eigene Leistung, sein Zeit- und Familienmanagement so mit sich selbst und seinen Nächsten abzustimmen, dass diese Faktoren auf einem realistischen und soliden Fundament ruhen.

Weitere große Fehler sind in der Wettkampfsituation plötzlich Dinge zu tun, die man noch nie gemacht hat. Wie einen neuen Schuh zu laufen, oder Essen zu sich zu nehmen, das man vorher nie getestet hat. Diese Dinge muss man einfach vorher austesten, probieren, erproben!

Zur Website von Rainer Wittmann.

Fotos: triathlon.de, Ingo Kutsche

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