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Triathlon ist ein ehrlicher Sport

Ein Interview mit Age Grouper Christian Müller:
Triathlon ist ein ehrlicher Sport

23. Juli 2011 von Meike Maurer

Christian Müller, der amtierende Ironman Europameister der Altersklassen und im Jahr 2009 schnellster Amateur auf Hawaii, ist am kommenden Sonntag wieder in Frankfurt am Start. Im Vorjahr war er als Gesamt 11. und eben als erster Age Grouper, mit sehr guten 8.39 h am Römer ins Ziel gelaufen.


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Christian, nach einer stetigen Entwicklung deiner Leistung in den letzten Jahren und einer neuen persönlichen Bestzeit von 8.39 h in Frankfurt, folgte auf Hawaii 2010 überraschend ein DNF. Kannst du mittlerweile sagen, woran es lag?

Ich glaube, es gab nicht nur eine Ursache für das schnelle Aus im Vorjahr auf Hawaii. Nach dem Resultat  in Frankfurt im Vorjahr war ich natürlich im Training vor dem Rennen besonders motiviert und habe wohl meinem Körper etwas zuviel zugemutet. Dazu kam, dass ich mich in den Tagen vor dem Rennen angeschlagen fühlte und mit Krämpfen zu kämpfen hatte. Am Renntag bekam ich dann auch gleich beim Schwimmen Wadenkrämpfe. DNF. Bitter bei all dem Aufwand, aber so ist Sport eben. Man muss  auch mit so einer Situation umgehen lernen. Zum Glück: Meine Frau liebt mich immer noch und auch die Welt dreht sich noch.

War es für dich schwer, danach wieder ins Training für 2011 einzusteigen? Gab es auch Gedanken ans Aufhören?

Die Winterpause fiel ein paar Wochen länger aus … Jedoch war schnell klar, noch ein weiteres Jahr dranzuhängen. Wenn das Training für eine Saison wieder begonnen hat, heißt es, Augen zu und durch. Dann wird nicht mehr über Aufhören nachgedacht.

Hast du in diesem Jahr dein Training verändert, und wie sieht es generell aus? Du arbeitest ja Vollzeit bei einem Softwarehersteller, da ist der Spagat zwischen Belastung und Regeneration extrem schwierig in deinem Leistungsbereich.

Als extrem schwierig würde ich es nicht bezeichnen, aber man muss schon an etlichen Stellen Kompromisse machen. Familie, Freunde, und natürlich kann man auch das Training und die Erholung nicht so planen, wie es vielleicht noch optimaler wäre. Ich denke, alle die Triathlon machen, wissen wie aufwändig das Training für drei Disziplinen neben den ganzen Anforderungen eines normalen Familien- und Berufsalltags zu koordinieren ist.

Bezüglich des Trainings hat sich bei mir in den letzten Jahren nichts verändert. Am Wochenende stehen bei gutem Wetter die langen Radeinheiten bzw. in der Saison auch Koppeleinheiten an. Während der Woche trainiere ich eher schwimm- und lauflastig. Das lässt sich gut vor oder nach der Arbeit einbauen, da die Einheiten nicht soviel Zeit in Anspruch nehmen. Als einzige wichtige Änderung, hoffe ich die Lektion vom letzten Jahr gelernt zu haben: Ohne genügend Erholungspausen, nützen all die Kilometer nichts. Nicht dass ich das nicht vorher gewusst hätte … aber dass das mit der Steckdose oder der heißen Herdplatte auch für mich gilt, wollte ich früher auch nicht gleich glauben.

Wie verlief die Saison bisher für dich?

Ich bin in den letzten drei, vier Jahren ein „Wenigstarter“ geworden. Oft habe ich nur drei Wettkämpfe bestritten, zwei Langdistanzen und eine Mitteldistanz. Im Kraichgau, dem ersten Triathlon in diesem Jahr, lief es ganz gut. Platz 16. Allerdings war ich noch nicht ganz zufrieden. Beim Schwimmen und besonders dem Laufen taten sich doch noch deutliche Defizite im Vergleich zum Vorjahr auf. Allerdings ist die Vorbereitung aufgrund des  späten Termins in Frankfurt dieses Jahr auch etwas anders.

Wie schätzt du deine Leistung aktuell ein? Hast du ein spezielles Ziel am Sonntag?

Triathlon ist eine ehrliche Sportart. Aus den ganzen Trainingsaufzeichnungen weiß man eigentlich ziemlich genau, wo man mit seiner Leistung gerade steht. Die Bahnen im Schwimmbad werden nicht kürzer, die Berge bleiben beim Radfahren genauso lang und steil und auch bei den Laufrunden tut sich nichts. Beim Laufen habe ich noch mal einen Sprung im letzen Monat gemacht. Schwimmen und Radfahren schätze ich aber momentan etwas schlechter als im Vorjahr ein. Im ganzen ist die Form aber ok. Aber Training ist das eine und Wettkampf das andere. Für Sonntag hoffe ich, wie alle Starter, auf einen guten Tag, an dem sich das Training umsetzen lässt. Wunder sollte man keine erwarten und Tage wie ich sie in Kona 2009 oder im letzten Jahr in Frankfurt hatte, sind die Ausnahmen. Aber es gibt sie, und ich wünsche so einen Tag allen anderen Athleten auch einmal. Einen Wettkampf, an dem man über sich hinauswachsen kann, an dem alles stimmt! Warum sollte Sonntag nicht so ein Tag werden?

 Gab es nach dem Ironman Europameistertitel im vergangenen Jahr Reaktionen von Sponsoren? Wer unterstützt dich?

Seit dem Rennen in Kona vor zwei Jahren bin ich mit K-SWISS als Ausrüster für Bekleidung und Schuhe unterwegs und sehr zufrieden. Sonst ist mein wichtigster Sponsor meine Frau, die das Finanzbudget verwaltet. Triathlon ist keine billige Sportart. Radmaterial, Reisen, Startgelder, etc. da kommt schon einiges zusammen. Manchmal würde ich lieber mit Wolfgang Schäuble verhandeln …

Was sagst du zur doppelten Weltbestzeit in Roth? Wann denkst du ist das Ende erreicht?

Wahnsinns Leistung! Ich hätte nicht gedacht, dass die Rekorde in so kurzer Zeit purzeln. Erst Marino Vanhoenacker in Kärnten und dann in Roth Andreas Raelert und wieder Chrissie Wellington. Rekorde faszinieren und gehören zum Sport als eine wichtige Facette dazu. Allerdings müssten in meinen Augen endlich offiziell vermessene Strecken hinzukommen. Das würde das Optimierungspotenzial der Veranstalter dann zumindest auf die Wechselzone und den kreativen Einsatz der Pressemotorräder reduzieren. Was die weitere Entwicklung angeht: Vielleicht sind in den kommenden Jahren noch ein paar wenige Minuten drin. Der Einsatz professioneller Tempomacher, Hasen, wie wir sie vom Marathon kennen, könnten hier für eine Verbesserung noch eine Tür öffnen.

Danke für das Gespräch und viel Spaß und Erfolg am Sonntag.

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