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Sportmedizinische Untersuchung: Was ist ein EKG?

3. April 2017 von Dr. med. Anne Umgelter und Diplom-Sportwissenschaftler (Univ.) Thomas Strobl

fotolia.comEin Gesundheitscheck ist gerade vor der Saison für Sportler wichtig. Dabei sein sollte dort ein EKG. Doch was misst die Elektrokardiographie – besser bekannt unter dem Kürzel „EKG“? Welche Messarten gibt es und was kann aus der Information beziehungsweise der EKG-Kurve für den Triathleten interessant sein? Hier die Antworten.


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Die Elektrokardiographie (EKG) ist ein Verfahren zur Registrierung und Aufzeichnung der Erregungsbildung und -leitung des Herzens. Bei jedem Herzschlag kommt es zu elektrischen Potentialenänderungen (sog. Aktionspotentiale). Beim EKG werden diese mit Hilfe von Elektroden abgeleitet und aufgezeichnet. Es entsteht ein immer wiederkehrendes Bild der Herzerregung (siehe folgendes Bild).

Normales EKG_Quelle_ Classen M_ Diehl V. & Kochsiek K. Innere Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer 2004
Bild: Normales EKG. Quelle: Classen M., Diehl V. & Kochsiek K. Innere Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer 2004.

Im Herzen befindet sich ein sogenanntes Reizbildungs- und Reizleitungssystem, in dem die elektrische Erregung entsteht und sich ausbreitet. Das „Schrittmacherzentrum“ ist der Sinusknoten im rechten Vorhof. Von dort breitet sich die Erregung über den AV-Knoten, das His’sche-Bündel, die Tawaraschenkel bis in die Purkinje-Fasern aus und regt so den Herzmuskel an.

Immer im Takt

Jede „Station“ im Reizleistungssystem hat ihren eigenen Rhythmus. Der Sinusknoten erregt den Herzmuskel beim Gesunden mit ca. 60 bis 80 Schlägen pro Minute (S/min.). Bei sportlich aktiven Menschen, insbesondere bei Ausdauersportlern, kann die Ruheherzfrequenz auf 40 bis 60 S/min., bei Hochleistungsausdauersportlern sogar auf 30 bis 40 S/min. sinken.

Beim Gesunden sieht die EKG-Kurve eines Herzschlags im allgemeinen wie in der Abbildung dargestellt aus, wobei auch Normvarianten auftreten können. Eine vollständige Erregung des Herzens wird in verschiedene Phasen eingeteilt und mit den Buchstaben P, Q, R, S, und T gekennzeichnet. Die P-Welle kennzeichnet die Erregung der Vorhöfe. Der QRS-Komplex beschreibt die Erregung der Herzkammern. Die ST-Strecke ist die Phase, in der die Herzkammern vollständig erregt sind. Die T-Welle beschreibt die Erregungsrückbildung (sog. Refraktärphase) der Herzmuskulatur.

Immer im Rhythmus

Die Elektrokardiographie erlaubt Aussagen über Herzrhythmus und –frequenz, Lagetyp des Herzens sowie Störungen der Erregungsbildung, -ausbreitung und –rückbildung.
Durch Kurvenveränderungen im EKG lassen sich beispielsweise Erkrankungen wie Herzinfarkt, Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße, Herzrhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Herzbeutelentzüdungen (Perikarditis) erkennen.

Bei körperlich aktiven Menschen passt sich der Herzmuskel dem Training an. Damit können Veränderungen des EKGs einhergehen. Diese dürfen nicht fälschlicher Weise als krankhaft diagnostiziert werden. Erfahrene Sportmediziner wissen entsprechende Befunde richtig zu interpretieren.

Bei machen Krankheitsbildern ist eine zusätzliche Diagnostik durch eine Herzultraschalluntersuchung (Echokardiographie) empfehlenswert.

Welche Arten des EKG gibt es?

Ruhe-EKG
Die einfachste und häufigste Anwendung der Elektrokardiographie ist ein Ruhe-EKG. Der Patient/Sportler liegt in Rückenlage ruhig auf einer Liege. Es werden vier Elektroden an den Extremitäten (Extremitätenableitungen) und sechs Elektroden am Brustkorb (Brustwandableitungen) angebracht und die Potentialänderungen während einer Herzaktion abgeleitet und aufgezeichnet.

Belastungs-EKG
Ein Standard der sportmedizinischen Untersuchung ist das Belastungs-EKG (auch Ergometrie genannt). Der Patient/Sportler wird üblicherweise auf einem Fahrradergometer oder einem Laufband stufen- oder rampenförmig bis zur maximalen Ausbelastung belastet. Diese Untersuchung sollte möglichst sportartspezifisch und in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Bei medizinischen Fragestellungen wird die Fahrradergometrie auf Grund der störungsfreieren Ableitung und der Möglichkeit , während laufender Belastung den Blutdruck zu messen, bevorzugt.

Langzeit-EKG
Zur Abklärung von Herzrhythmusstörungen und zur Therapiekontrolle wird ein Langzeit-EKG durchgeführt. Dabei wird über 24 Stunden jede Herzaktion abgeleitet und aufgezeichnet.

Ein Check pro Jahr ist sinnvoll

Angesichts der Häufigkeit plötzlicher Herztode im Sport erscheint ein regelmäßiges sportmedizinisches Screening für alle körperlich aktiven Menschen sinnvoll. Insbesondere Anfänger, Sportler mit Zustand nach Infekten oder längeren Verletzungspausen und Menschen mit positiver Familienanamnese (z.B. Herzinfarkt, Bluthochdruck oder Schlaganfall) sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchführen. Aber auch über lange Jahre aktive Menschen bleiben von krankhaften Veränderungen nicht verschont.

Zusätzlich zu allen diagnostischen, medizinischen Möglichkeiten ist die Eigenverantwortung des einzelnen Sportlers, zum Beispiel eine Trainingspause bei und nach Infekten einzuhalten, ganz wesentlich.

Foto: Fotolia

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