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Wind und Schatten in Barcelona

Yvonne Van Vlerken:
Wind und Schatten in Barcelona

28. Mai 2009 von Christian Friedrich

Triathlon Anzeigen

challenge-barcelona-draftingWie hast Du das Windschattenproblem für Dich empfunden, war Dir das Problem im Rennen bereits bewusst?

Es sah ja zunächst aus als ob alles sauber wäre, Virginia (Berasategui) ist eigentlich diejenige gewesen, die auch alleine gefahren ist. Deswegen hat sie auch gleich die Hälfte ihres Vorsprungs auf den ersten 30 Kilometern auf mich verloren. Virginia und Katja hatten dann nur noch zwei Minuten bei km48 und das heißt, dass schon drei Minuten weg waren. Ich sollte die beiden sicherlich spätestens kurz vor Ende der Radstrecke einholen…..

Leider haben die beiden dann eine Gruppe erwischt. Tut mir leid, dass ich das so hart sagen muss. Sie haben dann in einer Riesengruppe wieder drei Minuten auf mich rausgefahren.

Weil beide den Ruf haben, dass sie das oft so machen, habe ich natürlich schon gewusst wie spät es ist. Mental war es sehr schwer, weil ich noch selten so hart gefahren bin und die Mädeln einfach nicht vor mir auftauchten. Der Wind war ziemlich ordentlich am Rückweg. Viele Athleten sind nach dem Rennen zu mir gekommen und haben mir für meine Leistung gratuliert. Ich bin auch damit zufrieden, dass ich trotzdem noch mit Abstand, die schnellste Laufzeit hatte.

Was diesen Wettkampf betrifft: Man kann im Rennen falsch spielen, aber die Leute wissen in etwa was ein/e Athlet/in kann oder nicht kann. Die meisten Insider wissen, dass es zum lachen ist, wenn fünf oder sechs Profifrauen im Bereich eines 39km/h Schnitt liegen…das wird dann sehr unglaubwürdig!challenge-barcelona-yvonne-van-vlerken-im-ziel

Und die betroffenen Athletinnen vergessen vielleicht, dass es ein nächstes Rennen gibt. Die meisten können dann nicht bestätigen, dass es echt war. Aber es war an diesem Tag auch eine Dynamik entstanden, die fast nicht mehr aufzuhalten war. Vielleicht haben sie gedacht ich fahre auch in einer Gruppe hinter ihnen. Aber da kennen sie mich zu wenig.

Das unfaire Verhalten trägt natürlich auch dazu bei, dass sich andere ehrliche Athleten denken, dass es offensichtlich keine andere Wahl gibt als auch mitzumachen. Bei uns geht es um Ergebnisse, den eigenen Namen und auch ums Geld, bei anderen um eine Zeit oder Platzierung.

In meinem Fall könnte ich nach so einem Erlebnis denken: “Dann fahre ich halt das nächste Mal auch in der Gruppe mit die vorbeikommt und schnappe sie mir beim Laufen.“ Das lässt meine Einstellung und Ehrlichkeit nicht zu.

Das ist ein Denkmuster. Entweder man ist ein ehrlicher Athlet oder nicht. Das muss man aber schon ganz „unten“ beim Windschattenfahren entscheiden. Ich könnte mich aber jedenfalls danach selber nicht mehr im Spiegel ansehen, wenn ich so gewinnen würde!


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