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Xterra: Conrad Stoltz auf dem Weg zum fünften Titel

23. Oktober 2013 von Christine Waitz

Foto: Suunto,   einmaligEr hat die Ruhe-Herzfrequenz eines Bären im Winterschlaf. Er rennt, schwimmt und radelt immer weiter – trotz schwerer Verletzungen. Er erinnert an Superman und heißt „Caveman“. Mit über 50 Siegen bei der Xterra-Rennserie, vier Weltmeistertiteln im Cross-Triathlon und drei ITU Cross Tri World-Titeln ist der 39-jährige Conrad Stoltz einer der bekanntesten und titelreichsten Triathleten weltweit. Am 27. Oktober 2013 wird er sich wieder den Strapazen der Xterra-WM auf Maui stellen. 


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1,5 Kilometer kämpfen sie sich durch Wellen, 30 Kilometer biken sie über anspruchsvolle Trails, 9,5 Kilometer laufen sie über Pfade bergauf und bergab durch die Wälder Hawaiis: 800 Athleten aus 28 Ländern stellen sich in Maui der Herausforderung der Xterra Weltmeisterschaft. Einer davon ist Conrad „Caveman“ Stoltz. Der 39-jährige Südafrikaner erinnert sich noch genau an seinen ersten Start im Oktober 2001. „Da habe ich gleich mit einem Vorsprung von zehn Minuten gewonnen. Es schien so einfach, dass ich mir sagte: Das gewinne ich jetzt fünfmal hintereinander.“ So einfach sollte es doch nicht werden für den Suunto Athleten. Viele Schwierigkeiten, platte Reifen, technische Probleme und Unfälle begleiteten die Rennen über Lavabrocken und Kiawe-Dornen. Stoltz musste sein Ziel korrigieren: Aus fünf Titeln in Folge wurden vier hart erkämpfte Siege. Am 27. Oktober 2013 will er sich – nach 25 Jahren im Triathlon-Geschäft – in Maui seinen fünften Titel holen. Den hat er sich versprochen.

„Letztlich läuft es darauf hinaus, wie viel Schmerz man aushält“

Foto: Suunto, einmaligIn Südafrika geboren und aufgewachsen, begann Stoltz seine Sportlerkarriere mit acht Jahren. Damals nahm er an Leichtathletik-Wettbewerben und BMX-Rennen teil. Mit vierzehn hatte er seinen ersten Triathlon hinter sich und wandte sich nach Abschluss der Highschool dem Profisport zu. Ohne Geld, ohne professionelle Unterstützung, ohne Annehmlichkeiten eines Spitzensportlers. „Vor den Rennen schlief ich auf Parkbänken und auch mal freiwillig auf einer Polizeiwache. Auf billigen, geliehenen Rädern habe ich Rennen gewonnen.“ Stoltz lebte von der Hand in den Mund, war nicht wählerisch in puncto Ausrüstung. Er nahm, was er bekam. Dieses Leben brachte ihm den Spitznamen „Caveman“. Der Höhlenmensch. Einer, der sich quälen kann und zu einem der weltweit erfolgreichsten Athleten wurde. Sein Rezept zum Siegen klingt denkbar einfach: „Man macht es einfach so schnell, wie es geht. Letztlich läuft es darauf hinaus, wie viel Schmerz man aushält.“

Fünfter WM-Titel in greifbarer Nähe

Nach den Olympischen Sommerspielen in Sydney 2000 startete Stoltz erstmals bei Xterra Rennen, der weltweit ersten Off-road-Triathlon-Rennserie. Mittlerweile wird sie in 16 Ländern ausgetragen, die WM auf Maui ist der Höhepunkt. „Nach Sydney war ich etwas ausgebrannt und dachte, ich mache nur einen oder zwei Wettkämpfe. So zum Spaß, um den Kopf frei zu bekommen.“

Doch schon nach dem ersten Rennen kam er auf den Geschmack. Es gehe eben nicht nur darum, dem Schmerz zu trotzen. „Da kommt ein neues Strategieelement dazu, von der Einstellung der Federung bis zur Auswahl der Reifen.“ Denn die Strecken unterscheiden sich stark, führen zum Beispiel über die Vulkanstrände Hawaiis ebenso wie über die Alpen oder durch die brasilianischen Wälder. „Manche Strecken muss man mehrmals fahren, bis man sie gut genug kennt. Der technische Aspekt macht sie interessant. Man bekommt jede Menge Adrenalin.“ Nach den Olympischen Spielen in Athen, wo er das Rennen vorzeitig beenden musste, konzentrierte sich Stoltz ausschließlich auf Xterra und gewann bislang 52 Wettkämpfe, darunter vier WM-Titel in den Jahren 2001, 2002, 2007 und 2010. Und der fünfte Titel ist in greifbare Nähe gerückt. „Es war eine erstklassige Saison“, sagt Stoltz. Auch wenn sie alles andere als erstklassig begonnen hat.

Schwere Verletzung zu Saisonbeginn

Foto: Suunto, einmaligStoltz ist berühmt dafür, dass er trotz Schmerzen weiterfährt – eine Verletzung aber hätte ihn beinahe aus der Bahn geworfen. Die Saisonziele gerieten in Gefahr. „Beim ersten Xterra in Las Vegas habe ich mir die Hand aufgeschnitten, als ich in ein trockenes Flussbett gefallen bin“, erzählt er. „Ich bin weitergefahren, obwohl ich wie verrückt geblutet habe.“ Mit fünf Stichen wurde seine Wunde genäht – die Probleme fingen damit erst an. Eine Woche später startete Stoltz bei einem Rennen, „aber ich konnte den Lenker nicht richtig halten. Also setzte ich mich leicht seitlich, sodass ein Bein stärker belastet wurde als das andere.“ Die Folge: eine schwere Wadenverletzung beim Xterra Alabama. „Ich hätte sofort aufhören sollen, habe mich aber noch drei Meilen weitergequält, was die Verletzung zusätzlich verschlimmerte.“ Stoltz musste pausieren – und kam stärker zurück als zuvor. Er gewann unter anderem den Xterra Brazil und Ende Juli den Xterra Italy.

Kontrolliertes Training

Was in seinen Anfängen fehlte, ist jetzt, durch die Erfolge möglich. Starke Partner, die perfektes Training ermöglichen. Einer dieser Partner ist Suunto. „Mein Coach Ian muss mein gesamtes Training überwachen können, von den Schwimmzeiten pro Bahn bis zur Laufgeschwindigkeit“, sagt Stoltz. Alle Daten kann der Coach über die hauseigene Suunto Plattform verfolgen. „Das ist unverzichtbar für uns.“ Doch der Triathlet sieht einen weiteren Vorteil: „Diese Uhr ist Caveman-sicher“, witzelt er. „Manchmal trainiere ich an abgefahrenen Orten. Schlamm, Salzwasser, Stürze und Schläge sind normal.“ Die Vorbereitung auf Maui ist für Stoltz besonders heftig. „Die Strecke beinhaltet alles, worin ich nicht gut bin. Das bedeutet, dass ich noch härter arbeiten muss.“ Für „The Caveman“ kein Problem. Er hat schon oft bewiesen, wie sehr er sich quälen kann.

Zur Website von Conrad Stoltz.

Fotos: Suunto

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