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Wissenschaft leicht gemacht: Auswirkungen des Windschattenfahrens

20. November 2014 von Philipp Peter

Jörg Schüler,   freiWindschattenfahren – ein Dauerthema unter den Sportlern. Doch nicht nur unter Sportlern. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit der kraftsparenden Methode des Radfahrens. In ihrer Kolumne “Wissenschaft leicht gemacht” stellen die Experten der formkurve jeden Monat ein brandaktuelles Thema vor. Heute: Auswirkungen des Draftings.


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Der Luftwiderstand spielt im Radsport eine große Rolle. Im Windschatten können Radsportler abhängig von der Geschwindigkeit ihren Leistungsaufwand deutlich reduzieren. Weniger Luftwiderstand erhöht also die Radleistung ohne zusätzlichen Energieaufwand.  Wie sich der Luftwiderstand auf einen einzelnen Fahrer auswirkt wurde bereits in vielen Studien und Messungen an Profis untersucht.

Jörg Schüler,   frei

Wer profitiert vom Windschattenfahren?

Eine neue Studie beschäftigte sich nun mit der Aerodynamik von zwei Radfahrern, die in verschiedenen Positionen zueinander in einem Windtunnel fuhren.

In der klassischen Windschattenposition direkt hinter dem Vordermann zeigte sich, dass sowohl der hintere (49%) als auch der vordere Fahrer (5%) von einer Reduzierung des Luftwiderstands profitieren konnten. Aus physikalischer Sicht lässt sich dies sehr einfach durch eine Verlängerung des Gesamtkörpers und damit einem reduzierten „Nachlauf“, also quasi weniger Luftverwirbelungen hinter den Fahrern erklären.

Höherer Widerstand beim Nebeneinanderfahren

ITU World Triathlon Serie - HamburgAndererseits zeigte die aktuelle Studie aber auch, dass eine seitliche Positionierung beider Fahrer (Nebeneinanderfahren) den Luftwiderstand für beide über 6% erhöht. Im Triathlon spielt dies bei Windschattenrennen eine große Rolle, aber auch im Training können über unterschiedliche Positionierung verschiedene Effekte erzielt werden, so dass auch unterschiedlich starke Fahrer im gleichen Intensitätsbereich gut zusammen trainieren können.

Kraftsparen verboten!

In den meisten Rennen ist Windschattenfahren hinter oder seitlich neben einem anderen Teilnehmer verboten. Ob ein Windschattenverbot gilt, oder nicht, müsst ihr der jeweiligen Wettkampfausschreibung entnehmen. Nur bei ganz bestimmten Rennen kann der Veranstalter unter Erfüllung von Auflagen eine Windschattenfreigabe beantragen.

Bei Windschattenverbot dürft ihr euch nicht länger in einem Raum von 10m x 3m mittig hinter dem Rad eines Konkurrenten aufhalten. Wollt ihr einen Konkurrenten überholen, müsst ihr das so schnell wie möglich machen. Bei der Kurzdistanz habt ihr dafür maximal 15 Sekunden, bei der Langdistanz maximal 30 Sekunden Zeit. Auch wenn ihr überholt wurdet, müsst ihr so schnell wie möglich die Windschattenzone hinter dem schnelleren Athleten verlassen.
Wenn ihr dennoch beim Draften erwischt wurdet, kann der Kampfrichter gegen euch eine Strafe Aussprechen. Die Windschattenregeln findet Ihr hauptsächlich auf Seite 19 der DTU Sportordnung.

Quelle:
Barry, N., Sheridan, J., Burton, D. & Brown, N. A. T. (2014). The effect of spatial position on the aerodynamic interactions between cyclists. Procedia Engineering, 72, 774-779.

Zur Website der formkurve.

Foto: Jörg Schüler, Thomas Wenning

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