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Wettkampfvorbereitung: Der Weg ist das Ziel

11. Mai 2015 von Roy Hinnen

Foto: Ingo Kutsche freiWenn du dir Monate im Voraus für die kommende Saison Ziele setzt, bist du euphorisiert, du träumst von diesen Zielen, von der Zielzeit, der Stimmung, dem Moment, in dem du über die Ziellinie spurtest, dem Ansehen, das du erntest, oder den Sponsoren-Verpflichtungen, die du übertriffst. Alles scheint möglich. Doch die Frage ist: zu welchem Preis?


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Es ist essentiell, sportliche Visionen und Träume für die Zukunft zu haben. Wenn du diese dann noch mit dem Aufwand, den du dafür betreibst, vereinbaren kannst, ist das Ergebnis perfekt. Meist jedoch ist der Preis für die sportlichen Ziele im Voraus noch nicht klar. Manche denken sogar, dass sie gar keinen Preis zahlen müssten, um ihr Ziel zu erreichen.

Dies ist nur einer der Gründe, warum man im Wettkampf, oder bereits auf dem Weg dorthin, scheitern kann. Es ist vielfach nicht der „falsche Traum“, der einen irreführt, sondern das Unwissen, wie das Ziel „bodenständig“ erreicht werden kann.

Alles hat seinen Preis

Ingo KutscheIn diesem Beitrag will ich versuchen, dir aufzuzeigen, dass alles einen Preis hat. Auch, wenn es „nur“ die Zeit ist, die du nicht mit deiner Familie, deinen Freunden oder sinnvollen sozialen Beschäftigungen verbringst. Viel, sehr viel Energie geht in eine einzige Richtung: in die Richtung des Triathlons und dessen, was es braucht, um darin Erfolg zu haben.

Es ist wichtig, sich bereits im Vorfeld mit dem Preis zu beschäftigen, den das sportliche Unternehmen kosten wird, denn das stellt dich vor einige Entscheidungen, die du treffen musst, bevor es zu spät ist. Alles, was du halbherzig machst, bringt dein Ziel in Gefahr. Das gilt auch, wenn du Schuldgefühle hast, weil du nicht für dein Umfeld da bist.

Abzuwägen, was deine geplante Wettkampfvorbereitung tatsächlich bedeutet, ist ein guter Anfang. Dazu erarbeitest du dir – allein oder mit deinem Coach – zunächst die Ziele. Während du dich deinen Zielen annäherst, gilt es, die Nachteile und harten Stunden zu erdulden. In dieser Phase der Höhen und Tiefen wird sich der Preis dauernd ändern. Mal überwiegen die Vorteile des guten Trainings und der Form, in der du dich bewegst, dann wieder bist du entmutigt, weil du seit Wochen keine spürbare Leistungssteigerung erzielst.

Welchen Preis hat dein Ziel?

Foto: Ingo Kutsche freiWenn der Preis, den du für eine bestimmte Leistung zahlst, zu hoch ist, kann der Weg zurück schwierig bis unmöglich sein. Viele Profis und auch Altersklassenathleten können ohne Sport nicht mehr leben, sie brauchen die Wettkämpfe, finden nicht den Übergang in ein „normales Leben“.

Wenn ich mit meinen Athleten ihre Jahrespläne erstelle, ihre Möglichkeiten erahne und fördere, profitiere ich von meinen Erfahrungen. Ich kenne den „natürlichen Preis“ einer Triathlonkarriere sowie das, was danach kommt. Auf dieser Grundlage lässt sich nachhaltig trainieren; ich kann Aufwand und Ertrag besser einschätzen und vermitteln. Damit der Coach aber eine richtige Einschätzung treffen kann, muss der Athlet mitarbeiten. Er muss:

  • klares Feedback liefern und das, was er sagt, auch reflektieren („Ich weiß nicht“ ist keine Antwort)
  • Zwischenprüfungen absolvieren, gewisse Leistungstests regelmäßig wiederholen
  • Spezialtraining absolvieren, das manchmal fast schwieriger ist als der Wettkampf selbst
  • schwierige Phasen meistern, zum Beispiel Schwimmen im kalten See, oder zur größten Tageshitze einen langen Lauf machen
  • den Mut haben, im Training neue Wege zu gehen.

Das alles ist für manche bereits mehr, als sie zu leisten bereit sind. Doch es ist nötig, um zu verstehen, wo der Athlet gerade steht, und ob es vorwärts geht oder nicht. Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Erfahrung wird auch immer klarer, welchen Preis es kostet, dein Ziel zu erreichen, und dann tauchen plötzlich die wirklich wichtigen Fragen auf. Lass dir mit den Antworten Zeit, aber verliere die Fragen nicht aus den Augen!

Überdenke deine Gewohnheiten und lerne aus Erfahrungen

Christine Waitz, freiBevor du dich in die nächste Saison stürzt, musst du wissen, ob du noch mit halbherzigen Entscheidungen Zeit verschwendest. Prüfe also Folgendes:

  • Bringen mir die Trainingslager, wie ich sie bisher gemacht habe, längerfristig in der Saison wirklich etwas?
  • Mit welchen Athleten will ich künftig zusammen trainieren, mit welchen nicht mehr?
  • Was war der größte Lernprozess im vergangenen Jahr?
  • Ist mir durch spezielle Ereignisse im Training etwas über die Inhalte klarer geworden? (Trainingsorte, Trainingsmethoden, Trainingspartner, Wettkampforte, Tapering, Anreise zum Wettkampf)
  • Habe ich die Wettkämpfe gut genug analysiert und daraus die nötigen Schlüsse gezogen?
  • Gibt es Probleme in körperlicher oder mentaler Form, die ich nicht wahrhaben mag?
  • Gibt es noch ungeklärte Punkte, die mich innerlich belasten und von denen ich nicht weiß, wie ich sie angehen soll? (Essen, Gewicht, Pulsbereiche im Training, wie viele Ruhetage, Höhentraining ja oder nein?)

Finde möglichst auf alle Fragen noch vor Beginn der nächsten Saison eine Antwort und entwickle eine Strategie zur Lösung, damit du dich mehr und mehr von „Altlasten“ befreist und für die künftigen Herausforderungen offen bist.

Öffne die Tür zu deinem Potenzial

Ralph SchickStell dir vor, du stehst in einem runden Raum, rings um dich herum siehst du viele Türen. Auf dem Weg zu deinem Ziel hast du schon viele Türen geöffnet. Hinter einer der Türen kann sich die Ernährung verbergen, hinter einer anderen das Material, hinter wieder einer anderen die Aerodynamik usw.
Es gibt viele Türen, die du öffnen musst, bis du in der Lage bist, dein Training optimal aufzubauen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ziel ist es, jede Tür einmal zu öffnen und nachzuschauen, was dieser Bereich auf deinem Weg bedeutet. Kein Coach kann dir dazu den Weg aufzeigen. Klar, du kannst dich beraten lassen, einen Mentor zu Rate ziehen, der dir gute Tipps gibt. Entscheidungen treffen musst du jedoch alleine.

Fazit

Der Weg – oder auch Irrweg – zum perfekten Wettkampf ist ein Auf und ein Ab, gepflastert mit vielen hilfreichen und weniger hilfreichen Informationen. Dir selbst auf dem Weg dabei treu und manchmal untreu zu sein, ist eine sehr spannende Lebensschule, die es wert ist zu gehen. Dabei sollte nicht immer nur der perfekte Wettkampf das Ziel sein. Vielmehr die Erfahrungen, die man auf dem Weg dorthin mitnimmt.

Der Text entstammt einem Auszug aus Roy Hinnens Buch “Triathlon Total“, das im Sommer im Sportwelt Verlag erscheinen wird.

Fotos: Ingo Kutsche, triathlon.de

Roy Hinnen ist fünffacher Schweizer Meister im Triathlon. Seine persönliche Bestzeit auf der Langdistanz liegt bei 8:35 Stunden. Seine 30-jährige Erfahrung im Ausdauersport setzt der 49-Jährige gezielt ein, um seine Athleten individuell nach dem Motto „Fit sein ist gut, schneller werden etwas ganz anderes!“ zu coachen. Roy Hinnen ist am Roth-Challenge mit einem Stand präsent, wo er seine neue zweite Auflage von Triathlon Total präsentiert. (Zwei neuen Kapitel! Mentale Blockaden + Periodisierung über 12 Monate) Jeder, der via feedback@triathlon-total.ch seinen Code vom 14 Wochenplan mailt, bekommt die 2 Kapitel gratis zugesandt.
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