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Wettkampfportrait: Inferno Triathlon – Die schweizer Berg-Hölle

22. August 2014 von Christine Waitz

swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger,   einmaligDer Berg ruft! Wer beim Inferno Triathlon am Start steht, der sollte bergfest sein. 5500 Höhenmeter sind bei diesem besonderen Rennen im Berner Oberland zu bewältigen. Doch es ruft nicht nur eine der härtesten Herausforderungen überhaupt: Es lockt eine einmalige Erfahrung im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Zeug zum Klassiker hat der Inferno Triathlon schon lange – und das trotz kleiner Starterfelder und familiärer Atmosphäre. Mit seiner anspruchsvollen Streckenführung gleicht dieses Rennen eher der Suche nach den eigenen Grenzen.


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Start am Tor zum Berner Oberland

Die Sportler starten ihre abenteuerliche Reise in Thun, dem Tor zum Berner Oberland:  Vom Strandbad Thun geht »das höchste Erlebnis« einmal quer durch die alpine Region bis hinauf auf das 2970 Meter hohe Schilthorn. Unterwegs erwartet die Sportler dabei eine Besonderheit: Sie tauschen das anfänglich genutzte Rennrad gegen das Mountainbike ein.

swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger, einmalig

Beim Schwimmen müssen sich die Starter nicht einmal auf Runden einstellen. »Der Strämu«, wie die Einheimischen das bekannte Strandbad am Thuner See nennen, bietet einen wunderschönen Rahmen für den Auftakt des Rennens. Umgeben von beeindruckender Bergkulisse ist das Ziel der Reise zur Rechten im Blick. Nach dem Startschuss steigt das Startband, das die Sportler bis dahin zurückhielt, von Luftballons getragen in Richtung Himmel. Ein passendes Bild zu Beginn des Tages, an dem 5500 Meter aufgestiegen werden müssen. Doch zunächst geht es 3,1 Kilometer quer durch den See zum anderen Ufer bei Oberhofen.

97 Kilometer auf dem Rennrad starten fast selbstverständlich mit einem Anstieg. Hinauf auf den Beatenberg überwinden die Sportler sofort über 500 Höhenmeter, bevor die Abfahrt nach Interlaken und ein flaches, schnelles Stück entlang des Brienzer Sees erst einmal Erholung bieten. Eine der wenigen Gelegenheiten an diesem Tag!

Den Teufel im Nacken

inferno-triathlonInferno definiert der Duden als einen »Zustand entsetzlicher Qualen von unvorstellbarem Ausmaß« oder auch als »Reich des Teufels«. Die Schweizer scheinen stolz auf ihren teuflischen Triathlon zu sein. Immerhin lacht aus dem Logo des Rennens, einem blinkenden Diamanten, ein Teufelsgesicht. Warum, das versteht man spätestens beim Anstieg auf die Große Scheidegg – die erste Geduldsprobe des Tages. Nun beginnt das Inferno erst richtig: Von 593 Metern geht es hinauf auf 1962 Meter. Manche Abschnitte weisen dabei mehr als 20 Prozent Steigung auf. Dafür werden die Athleten mit grandioser Berglandschaft belohnt. Enge Straßen, unberührte Natur, Gletscherzungen, die fast bis an die Strecke reichen sowie Quellbrunnen, die manch einem als Erfrischung dienen.

Vom Rennrad aufs Mountainbike

In Grindelwald wird für den Aufstieg auf die Kleine Scheidegg aufs Mountainbike umgesattelt. Erneut sind auf 30 Kilometern über 1000 Höhenmeter zu erklimmen, bevor sich die müden Sportler in eine mitunter anspruchsvolle Abfahrt stürzen.

swiss-image.ch/Photo by Remy Steinegger, einmaligIn Schilthorn wird das Rad endgültig abgestellt und die Laufschuhe werden geschnürt. Es folgt der abschließende 25 Kilometer lange Lauf und meist die Erkenntnis: Die Schweizer Hölle liegt nicht unterirdisch, sondern einmal im Jahr zwischen 862 und 2970 Metern über dem Meeresspiegel. Auf dem höchsten Gipfel der Berner Voralpen warten derweil schon Alphornbläser und eine Band auf den Sieger der Kletterpartie.

Auf 007s Spuren

Die Aussichtsplattform am Restaurant Piz Gloria erreichen selbst die Schnellsten nur noch im Schritttempo. Teile dieses spektakulären Zielorts mit überwältigendem Ausblick haben die Sportler übrigens James Bond zu verdanken: Denn die heutige Aussichtsplattform wurde 1968 als Hubschrauberlandeplatz angelegt, der eigens für den Dreh des James Bond Films »On Her Majesty’s Secret Service« errichtet wurde. Wer sich einen Eindruck des Ortes verschaffen möchte, den die Schnellsten nach über achteinhalb Stunden erreichen, der gönnt sich im Vorfeld einfach einen Bond-Abend.

Mr. Inferno: Marc Pschebizin

Einer kennt den Inferno Triathlon so gut wie kaum ein anderer. Nicht etwa ein Schweizer – nein, ein Deutscher darf sich Mr. Inferno nennen. Marc Pschebizin konnte das harte Rennen erstmals 1999 für sich entscheiden. Neun weitere Siege sollten folgen. Zwei weitere Deutsche erreichten das Piz Gloria auch schon einmal als Führende: Olaf Sabatschus und im vergangenen Jahr Felix Schumann. Am kommenden Samstag wird Schumann versuchen seinen Titel zu verteidigen.
Mr. Inferno wird zwar auch am Start sein, in diesem Jahr jedoch in der „Couple-Wertung“ zusammen mit Andrea Huser, die das Rennen 2012 ebenfalls für sich entscheiden konnte.

Zur Website des Rennens.

Fotos: swiss-image.ch/Remy Steinegger

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