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Warum das Laufen im Triathlon eigentlich kein Laufen ist

28. März 2015 von Philipp Peter

Foto: triathlon.deDer Wechsel ist die vierte Disziplin im Triathlon. Beim Wechsel kann man einen Triathlon zwar nicht gewinnen,   man kann sich jedoch eine optimale Ausgangsposition für den restlichen Wettkampf verschaffen. Für einen erfolgreichen Wechsel zwischen den drei Disziplinen ist nicht nur das eigentliche Prozedere wichtig, sondern auch die Umstellungsfähigkeit des Körpers zwischen den verschiedenen Bewegungsanforderungen – und das bei zunehmender Ermüdung.


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Veränderte Arbeitsweise der Beinmuskulatur Foto: triathlon.de

Vor allem beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen ist eine gute Umstellungsfähigkeit gefragt, da sich das Bewegungsausmaß und die Arbeitsweise der Beinmuskulatur zwischen Radfahren und Laufen deutlich unterscheiden. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich fast ausschließlich mit dem Rad-Lauf-Wechsel. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass der zweite Wechsel entscheidender für den Rennausgang ist.

Geringere Laufeffizienz

Doch was passiert eigentlich im Körper bei Wechsel vom Radfahren zum Laufen? Wissenschaftlich gut untersucht sind bisher die physiologischen Unterschiede zwischen einem „normalen“ Lauf, also ohne Vorbelastung, und dem Lauf im Triathlon. Es zeigt sich bei gleicher Laufgeschwindigkeit eine erhöhte Sauerstoffaufnahme, also eine geringe Laufökonomie. Der Grund dafür sind unter anderem die durch die Vorbelastung reduzierten Energiespeicher in der Muskulatur, die muskuläre Ermüdung, Schäden der Muskelfasern und der reduzierte Wasseranteil im Körper.

Biomechanik ist nicht die Ursache?

Ursache für die geringe Laufökonomie könnten aber auch biomechanische Veränderungen sein. Hier ist sich die Wissenschaft über die Unterschiede jedoch bisher nicht einig. Einige Studien konnten eine verschlechtere Bewegungskoordination – das gilt nicht für Elite-Triathleten – , eine geringere Rückgabe an elastisch gespeicherter Energie beim Fußabdruck und einen geringen Hüftwinkel, also eine mehr gebeugte Rumpfhaltung zeigen. Zahlreiche Studien fanden jedoch keine biomechanischen Veränderungen bezüglich der Schrittlängen und -frequenzen oder der Hüft-, Knie- oder Sprunggelenkswinkel während verschiedener Phasen der Laufbewegung.

Das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln

Selbst wenn sich die äußere Erscheinungsbild der Laufbewegung zwischen dem „normalen“ Laufen und dem Laufen im Triathlon nicht so stark unterscheidet, lassen sich auf neuromuskulärer Ebene, also beim Zusammenspiel von Nervensystem und Muskulatur, Veränderungen feststellen. Eine veränderte Muskelaktivität durch die Umstellung von einer vorwiegend konzentrischen zu einer eher exzentrisch-konzentrischen Arbeitsweise der Muskulatur könnte also eine weitere Ursache für die geringere Laufökonomie im Triathlon sein.

Laufen ist nicht gleich Laufen

Wissenschaftler haben durch Messung der Muskelaktivität herausgefunden, dass circa 30 Prozent aus einer Gruppe gut trainierter Triathleten in den ersten 30 Minuten beim Laufen im Triathlon eine muskuläre Ansteuerung zeigen, die eher der Muskelaktivität beim Radfahren entspricht, als der beim Laufen – und das obwohl das äußere Erscheinungsbild der Laufbewegung nicht verändert war. Dies führt in der Muskulatur natürlich zu einem erhöhten Energieverbrauch und damit zu einem erhöhten Sauerstoffverbrauch. Bisher wurden jedoch nur Muskeln am Unterschenkel in die Messungen miteinbezogen.

Koppeltraining ist wichtig

Beim Wechsel vom Radfahren und Laufen ist der Körper also zahlreichen physiologischen, biomechanischen und neuromuskulären Veränderungen ausgesetzt. Welche dieser Veränderungen die Hauptursache für die geringer Laufökonomie im Triathlon ist, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend untersucht. Wichtig für die Trainingspraxis ist  nach wie vor das Koppel- und Wechseltraining als vierte Disziplin, um den Körper auf die spezifischen Anforderungen im Triathlon optimal vorzubereiten.

Fotos: triathlon.de

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