Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Gesundheit > Sportlerkrankheiten > Von hundert auf null: Der Bänderriss im Sprunggelenk

Von hundert auf null: Der Bänderriss im Sprunggelenk

11. August 2014 von Ann-Christin Cordes

Triathleten sind in erster Linie von Überlastungsschäden betroffen. Es kann aber auch zu akuten Verletzungen kommen. Eine der häufigsten Sportverletzung ist der Bänderriss im Sprunggelenk – betroffen sind davon nicht nur Basketballer oder Volleyballspieler. Ein falscher Umgang mit dem Bänderriss kann fatale Folgen für die weitere sportliche Laufbahn haben.


Triathlon Anzeigen

Das Sprunggelenk ist die Verbindung zwischen Fuß und Unterschenkel. Die Bänder dienen dabei als stützendes und flexibles Element. Besonders anfällig sind die Außenbänder: Knickt der Sportler – z.B. auf unebenem Untergrund – weg, kommt es häufig zu Zerrungen, schmerzhaften Dehnungen oder sogar Rissen. Die Innenbänder sind weniger oft betroffen.

Häufige Ursachen von Bänderrissen

Gerade in Spielsportarten, in denen viel gesprungen wird, ist die Bänderverletzung am Sprunggelenk weit verbreitet. Dazu gehören Basketball,Handball und Volleyball. Oftmals kommt es dabei zu einer unkontrollierten, unsauberen Landung und der Fuß knickt unter hoher Krafteinwirkung weg. Im Triathlon und anderen Ausdauersportarten kann es ebenfalls zu unglücklichen, aber auch selbst verschuldeten Umknickszenarien kommen: schlechtes Aufwärmen, Laufen auf unebenem, nassen und unübersichtlichem Untergrund, schlechtes Schuhwerk sowie intensives und koordinativ anspruchsvolles Training bei Ermüdung, sind vermeidbare Gründe für einen Bänderriss. Außerdem kann es zu Unfällen beim Ab- und Aufsteigen vom Rad, beim hektischen Durchlaufen der Wechselzone und beim Schwimmausstieg kommen.

Diagnose und Behandlung

Direkt nach dem Umknicken und dem Aufkommen von Schmerzen gilt die PECH-Regel: Pause, (kühlen mit) Eis, Compression, Hochlegen! Der Grad von Schmerzen und Schwellung zeigt an, ob der Gang zum Arzt erfolgen muss. Oftmals begleitet das Umknicken auch ein reißendes, unangenehmes Geräusch. Der Arzt versucht mittels Beweglichkeitstests (z.B. Schubladentest) zwischen Bruch, Riss und Zerrung zu unterscheiden. Ein Röntgenbild soll einen Bruch ausschließen. Leider gibt es immer noch Ärzte, die die sehr schmerzhafte „gehaltene Aufnahme“ unter dem Röntgenapparat durchführen. Dabei wird das Sprunggelenk in einer Spannvorrichtung aufgeklappt um den Winkel des Gelenkspaltes messen zu können. Dabei kann es auch zu weiteren Schädigungen des Gewebes kommen. Diese Methode ist veraltet, ein Arzt sollte auch ohne dieses Bild einen Riss feststellen können.

Grad der Verletzung und Behandlung

Von den drei Bändern im Sprunggelenk reißt das vordere Band am häufigsten, das hintere am seltensten. Meist ist auch die Kapsel um das Gelenk herum eingerissen. Dies führt zu einer starken Schwellung und Verfärbung. Die Schwellung wiederum verursacht die meisten Schmerzen. So genannte Anrisse, also nur teilhafte Risse, können – auch mit gehaltenen Aufnahmen – nicht eindeutig festgestellt werden.
Selten ist es noch nötig, einen Gips anzulegen. Eine Schiene bzw. Orthese ermöglicht mehr Beweglichkeit für den Fuß bei gleichzeitiger Stützung des Gelenks. Dies führt zu einer geringeren Muskelatrophie. Operiert werden muss nur bei sehr schweren Traumata oder einer chronischen Instabilität des Gelenks. Die Ruhezeit beträgt bis zu sechs Wochen.

Trainingseinstieg

Dabei heißt Ruhezeit nicht (nur) Füße hochlegen! Sobald die Schwellung abgeklungen ist, kann mit leichter Bewegung begonnen werden. Es gilt, die Muskulatur nicht allzu sehr verkümmern zu lassen und die Stabilität des Gelenkes sicher zu stellen. Gehen, Rad fahren und leichte Kräftigungsübungen für die umliegende Muskulatur sind erlaubt. Eine Physiotherapie – notfalls selbst finanziert – ist dabei sehr sinnvoll. Die Heilung und vor allem die Wiederherstellung und Verbesserung der Gelenkstabilität sind wichtig für die weitere Sportkarriere. Wird nicht vorsichtig und vor allem kontinuierlich an ihr gearbeitet, kann es zu einer chronischen Instabilität kommen.

Nach den sechs Wochen der Heilung braucht es weitere sechs Wochen Aufbautraining. Die Gelenkstrukturen müssen sich langsam wieder an die immense Trainingsbelastung eines Triathleten gewöhnen. Dazu gehören auch Schmerzen zu Beginn des Trainings. Der Kraulbeinschlag beim Schwimmen kann beispielsweise Schmerzen bereiten, ebenso das ziehen an der Kurbel mit dem Radschuh. Daher sollten Umfang und Intensität nur sehr langsam und in Absprache mit dem Physiotherapeuten und/oder Arzt gesteigert werden.

Prophylaxe

Zunächst gilt es, die unnötigen Risiken im Training zu eliminieren. Dazu gehört, passendes Schuhwerk zu tragen. Jedem Training sollte außerdem ein ausführliches Aufwärmprogramm vorangehen. Und bei Ermüdung ist es nicht sinnvoll, das Training mit einem Wechseltraining zu beenden.
Aber auch die Gelenkstrukturen und die umliegende Muskulatur können gefestigt werden. Im Vordergrund stehen dabei die Kräftigung der Schienbeinmuskulatur sowie die Dehnung der Wadenmuskulatur. Besondere Aufmerksamkeit gilt außerdem dem propriozeptiven Training. Durch koordinativ anspruchsvolle Übungen auf dem Wackelbrett, der Slackline oder dem Therapiekreisel wird die intra- und intermuskuläre Koordination geschult – sprich, die Muskulatur weiß besser, wie sie zusammenarbeiten soll und kann schneller reagieren. Regelmäßiges Barfußlaufen hat ebenfalls diesen Effekt. Zusammengefasst sind hier noch einige kräftigende Übungen aufgezählt, die nur wenig Zeit beanspruchen und leicht ins Training integriert werden können:

Kräftigungsübungen für das Sprunggelenk

Zehenstand: Dauerhaft oder abwechselnd auf und ab auf die Zehen stellen. Auch auf unebenem, wackeligen Untergrund wie einem Kissen möglich. Nächster Schritt: Im Wechsel auf die Zehen und die Hacke stellen.
Storchenschritt: Lange, langsame Schritte machen, dabei stark mit den Zehenspitzen abstoßen und gezielt mit diesen aufkommen.
Kräftigung der Schienbeinmuskulatur: Fußspitzen gegen einen vom Partner oder Theraband ausgeübten Widerstand nach oben ziehen.
Hüpfen: Auf beiden oder nur einem Bein. Erst bei fortgeschrittener Genesung durchführen.
Lauf-ABC: Alle Übungen des Lauf-ABCs sind sinnvoll. Sprungübungen erst nach der Verheilung der Verletzung durchführen!
Fuß-ABC: Abwechselnd auf den Zehen, der Außenkante des Fußes, der Innenkante und auf der Hacke gehen/laufen.

Foto: Fotolia/Peter Atkins

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden