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triathlon.de Blogger 2015: Stefan Flachowsky – Kunstflug nach nach Kona

5. Januar 2015 von Christine Waitz

Stefan Flachowsky,   einmaligTriathlonsport auf hohem Niveau, Training zwischen Familie, Beruf und Alltagsstress. Ein Blog aus dem Leben eines Altersklassensportlers, gewürzt mit der nötigen Lockerheit, Ironie und ordentlich Biss. Das erwartet uns in Stefan Flachowskys Blog 2015. Flachy, wie er genannt wird, gibt uns Einblicke in seine Reise nach Kona. Was wir erwarten dürfen: Einen Kunstflug mit Loopings, Aufschwüngen und Rollen. Start frei!


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Es war im Jahr 1989, in dem es beim Ironman Hawaii zu einem unvergessenen Duell zwischen den beiden Triathlonstars Mark Allen und Dave Scott kam. Beide schwammen, radelten und liefen bis kurz vor der Ziellinie quasi nebeneinander, duellierten sich über acht Stunden, bevor am Ende Mark Allen den sechsmaligen Sieger Scott die Hacken zeigte, und damit die Wachablösung einleitete.

Es war auch das Jahr, in dem Stefan Flachowsky dem Triathlonsport verfiel. Genau diese faszinierenden Bilder waren es, die ihn von der Leichtathletik zum Dreisport brachten. 25 Jahre später ist die Faszination dem Familienvater immer noch nicht abhanden gekommen. In dieser Saison wird der 44-jährige gar dahin reisen, wo eigentlich alles begann – zu den Ironman Weltmeisterschaften auf Hawaii. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Hallo Flachy! Über 25 Jahre Triathlonsport und kein bisschen müde! Ist es dein Geheimnis, oder das des Sports, das einen auch nach so langer Zeit nach Bestleistungen streben lässt, das die Faszination nach all den Jahren nicht erlöschen lässt?

Aloha Christine und ganz liebe Neujahrsgrüße aus der Lausitz an Dich nach Roth, in das offizielle Epi-Zentrum des deutschen Triathlons! Ich habe mir jetzt über eine Woche Zeit gelassen, um auf Deine fundamentale Frage des „WARUM?“ eine Antwort geben zu können.

Stefan Flachowsky, einmaligEs ist wohl wie bei den meisten trivialen Dingen im Leben – wie Schlafen, Essen und eben Ausdauersport – Du ziehst es einfach durch und hinterfragst dich nicht jede Woche neu. Bei mir ist Sport Lebensqualität. Denn seit ich denken kann, war ich im Sport auf Achse, früher in Jena recht leistungsorientiert im Turnen, danach Fußball und bin schlussendlich in der Leichtathletik gelandet. Die Sache mit dem „Ausdauerdreikampf“ war mir Ende der Achtziger in Thüringen noch nicht bekannt. Dieser Virus erfasste mich erst im Winter 1989/1990, denn pünktlich zu meiner Armeezeit fand auf diesem Vulkanklumpen im fernen Pazifik der legendäre Iron War zwischen Dave Scott und Marc Allen statt.
Dann brauchte es nur noch der politischen Wende in Ostdeutschland zur selben Zeit und zack, kaufte ich mir mein erstes Rennrad mit Schaltung und fuhr damit im Juli ´90 am Vorabend schnurstracks die 100 Kilometer nach Leipzig zum heute immer noch beliebten Kurztriathlon. Die Übernachtung organisierte ich mir im Wechselzelt mit meinem Schlafsack, das Schwimmen war die Hölle, ich nahm das ganze Programm mit Brustschwimmen, totem Mann, Übergeben an der Wende und im Ausstieg, wo ich die letzte Startwelle auch gleich noch nach hinten mit absicherte. Über den Rest breite ich besser den Mantel des Schweigens.

Nach diesem Fiasko beendete ich meine Triathlonkarriere und ging zum Studium in die Tschechei, startete dort im Unisportklub der Läufer. Nur leider waren die Rennen sehr übersichtlich besetzt, meist starteten über zehn Kilometer 30 Athleten und der Letzte kam nach 34, spätestens 35 Minuten in’s Ziel, dann wurde die Strecke auch schon wieder abgebaut. Ich war meist einen Wimpernschlag vorher drin – dennoch unbefriedigend.
Und dann boomte der Triathlon dort. Die Uni suchte Sportler für die Rennserie im Land – und war ich unter Läufern eher der lahme Exot aus Deutschland, waren die Triathleten supernett – wohl auch, weil ich zwar deutlich schneller als die meisten lief, allerdings beim Schwimmen bereits so weit zurück war, dass ich im ersten Jahr niemanden ernsthaft Paroli bieten konnte.

Das änderte sich dann in der folgenden Saison. Als „Sportler by Nature“ trainierte ich ab Herbst das Schwimmen wie ein Bekloppter, morgens um sechs Uhr im öffentlichen Frühschwimmen, nachmittags beim Vereinstraining, die Wochenenden in den öffentlichen Bädern Tschechiens. Und dann lief es besser und seither bin ich beim geilsten Sport der Welt geblieben.

Stefan Flachowsky, einmaligDie Variationen sind einfach einmalig. Hast Du als Läufer eine „Null-Bock-Phase“ auf das tägliche Rennen, bist Du weg vom Fenster. Bei den Triathleten ist es meiner Meinung nach sogar förderlich, es einmal im Laufen richtig schleifen zu lassen – denn spätestens nach dem dritten Tag aktiver Abstinenz erwischt Du Dich, wie Du Dir die Schwimmbrille schnappst und Richtung Hallenbad verschwindest. Wenn mir nach einem Schwimmblock ist, dann gehe ich sooft ich es hinbekomme in’s Wasser. Und wenn am Wochenende der Schnee von der Straße geräumt wurde, egal was das Thermometer sagt – dann geht es zur Mittagsschlafzeitmeiner Mädels auf’s Rennrad, um mit den tollen Klamotten in die idyllische Gegend der Lausitz zu pedalieren. Das war auch in den Jahren zuvor so, egal ob ich in Tschechien, Göttingen, Schwaben, Flandern oder eben jetzt in Ostsachsen zu Hause bin – unserem Sport zu frönen, dass war überall super!

Da spielen Gedanken an Trainingspläne und ferne Wettkämpfe keine Rolle, es ist einfach der Genuss am Triathlonlifestyle!

Dein Saisonhöhepunkt für die kommende Saison steht bereits fest. Es geht zu den Ironman Weltmeisterschaften nach Kona. Du hast dich im vergangenen September beim Ironman Wales dafür qualifiziert. Wo machst du noch Station und was erhoffst du dir für die anstehende Saison?

Stefan Flachowsky, einmalig

2005 waren wir das dritte und letzte Mal auf der Trauminsel des Triathlons – damals war meine Frau mit dickem Schwangerschaftsbauch dabei. Danach haben sich die Prioritäten verschoben, es kamen zwei coole Kinder in’s „Team“ und veränderten unser Leben komplett.
Schluss war’s mit den gemütlichen, ganztägigen Radausfahrten mit meinen Ulmer Sportfreunden, auch das abendliche Schwimmtraining fiel komplett flach, denn der Abend gehörte ab sofort der Familie.

Doch recht bald wurde ich zur Nervensäge ob des fehlenden sportlichen Ausgleichs und meine Frau stellte mir einen Babyjogger vor die Türe – und ab da mutierte ich zum Frühsportler und bin es neun Jahre später immer noch. Und das Ziel war über Jahre identisch: Roth, Roth und – natürlich – Roth, hier war der Aufwand minimal, die Kosten im Rahmen und das Rennen einmalig. Aber 2013 begann er wieder zu locken – dieser mystische Lavaklumpen im Pazifik.

Stefan Flachowsky, einmalig

Wir waren in dem Jahr mit der Familie bei den Ironman-Rennen auf Lanzarote und Wales, beide Male habe ich den Hawaii-Slot ignoriert – um die Wochen danach meinem „Team“ seufzend in den Ohren zu liegen. In der Wohnung lagen die alten Hawaii-Fotoalben überall verteilt herum, im Autoradio lief nur noch I.Z. und Hula-Musik, so dass meiner Frau nach der erneuten Teilnahme beim Ironman Wales 2014 und dem unmittelbar darauf einsetzenden „Katzenjammer“ noch in derselben Nacht die Hutschnur platzte und sie festlegte – wir fahren alle 2015 nach Big Island.

Es ist mein Zehnjahreshöhepunkt und obwohl ich noch ein paar Monate mit Roth im Juli geliebäugelt habe – mein kompletter Fokus ist auf den 10. Oktober 2015, 07:00 Uhr ausgerichtet.
Und natürlich werde ich bei einigen liebevollen und regionalen Veranstaltungen starten, Moritzburg und Knappenman, sind in meiner Region die Benchmarks, dazu wird sicher noch das eine oder andere Rennen in Verbindung mit Familienbesuchen bei meinen Eltern kommen – die wohnen zwischen Peine und Bad Bodenteich – und was für ein Zufall, auch dort gibt es tolle Triathlonrennen, welche von den lokalen Vereinen mit Herzblut durchgeführt werden.

Seit 1989, dem Jahr als dich das Triathlonvirus erwischte, hat sich vieles verändert. Wir sind Weltmeister, neonfarbene Sportklamotten sind wieder im Kommen, Räder sind leichter, gute Platzierungen schwerer zu erreichen. Wann denkst du an die „gute alte Zeit“ zurück und wann bist du froh, im Hier und Jetzt zu sporteln?

1995 bin ich auf Lanzarote das erste Mal über die volle Ironmandistanz gestartet. Damals sind wir – meine Freundin (und logischerweise heutige Ehefrau) und ich – nach einem Praxissemester in diesen „neuen“ Sportklub La Santa gedüst, um vor dem beginnenden Uniprüfungskram es noch einmal sportlich richtig krachen zu lassen. Und da fand eben dieser Ironman vor Ort statt – und die haben bis einen Tag vor dem Rennen noch Anmeldungen angenommen!
Als ich 2013 wieder auf Lanzarote gestartet bin, hatte ich mich bereits sechs Monate vorher angemeldet und da war dann auch fast schon „Schicht“ und das Teilnehmerfeld voll.

Ich bin ja seit 25 Jahren den Weg der „Triathlon-Evolution“ mitgegangen und bin unverändert ein großer und aktiver Fan des schönsten Sports der Welt, finde es toll, dass wir jetzt auch nach neun Stunden Renndauer noch Schulter an Schulter mit anderen Athleten fighten und uns nach dem Finish mit einer Hopfenkaltschale in der Hand an’s gemeinsame Analysieren machen. Das war „früher“ eher übersichtlich, da trabte dann alle paar Minuten mal einer über die Strecke…
Sicher gibt es heutzutage hin und wieder Veranstaltungen, die aufgrund der Topographie und Teilnehmerstärke meinem Verständnis von einer fairen Triathlonschlacht nicht gerecht werden können – aber bei der Vielzahl an Rennen im europäischen Sommer ist es absolut kein Problem, sich dann auf die Events zu konzentrieren, die einem persönlich am meisten zusagen.
Bei mir waren es die letzten beiden Jahre eher die anspruchsvollen, langsamen Rennen wie Lanzarote, England oder Wales und auch wenn mein aktueller Fokus genau bis zum 10. Oktober 2015 geht – 2016 muss ich auf jeden Fall wieder einmal in Roth schauen, ob ich diese 226 Kilometer Schwimmen, Radeln und Laufen auch noch „schnell“ kann.

Volles Training voraus. Das wünscht man sich zwar oft, meist jedoch, steht einem das Leben im Weg. Da nehmen Arbeit, Familie und Freunde einen großen Anteil an Energie in Anspruch, die dann für das Training fehlt. Wie schaffst du den Sport in dein Leben zu integrieren und dir die nötige Lockerheit zu behalten?

Ich glaube, wenn ich einfach nicht drüber nachdenke und „DEN SPORT“ nicht als ein großes, besonderes Ding aufbausche, sondern als normalen Bestandteil des täglichen Lebens in den Alltag integriere, läuft es am besten.
Stefan Flachowsky, einmaligKlar ist es Essig, mit Trainingsplänen oder Sport im Verein, denn die Anzahl von Trainingsbuddies, die sich mit mir im Winter um fünf Uhr zum gemeinsamen Lauf und anschließendem Schwimmen um 6 Uhr „opfern“, war in Ulm bereits sehr überschaubar und so ist es in der Lausitz auch geblieben.
Aber wenn ich’s nicht vor der Arbeit mache, dann fällt es für den Tag komplett weg – und dann fehlt mir Lebensqualität.
Und natürlich bietet unser Sport die ideale Möglichkeit, situativ und den lokalen Möglichkeiten entsprechend, eigentlich immer das Richtige zu trainieren.
So bin ich im Januar beruflich wieder in Asien – der Tag gehört von 8 bis 22 Uhr dem Job – doch auf Nachfrage bei dem Hotelportier komme ich bereits kurz vor 6 und auch nach 22 Uhr noch in den Hotelpool – also wird dort jeden Tag zweimal im kleinen aber feinen Pool gekrault, dazwischen stehen Termine an und wegen des Jetlags sind die Nächte dort sowieso eher unruhiger als zu Hause.
Und ich kann meine Reisen terminlich selber planen, die lege ich dann zumeist in das Winterhalbjahr oder das letzte Mal war ich direkt im Anschluss an den Ironman Wales dort, da war das tägliche Schwimmen in diesem „Minibecken“ genau die richtige „Medizin“, um wieder auf die Beine zu kommen.
Ganz ehrlich – ich freue mich drauf!

Wir wünschen dir einen guten Start in ein zufriedenes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2015!

Ab Januar bloggt Stefan Flachowsky regelmäßig auf triathlon.de.

Fotos: Stefan Flachowsky

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