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Tri-Wissen: Taurin – Nichts genaues weiß man nicht

17. August 2010 von Benjamin Reszel

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Einfluss auf die Leistungsfähigkeit

Der gesunde Mensch verfügt über eine sehr ausgeglichene Taurinbilanz. Ein- und Ausfuhr halten sich unter normalen Bedingungen nahezu die Waage. Darüber ist sich die Wissenschaft einig. Interessant ist die Frage danach, ob eine gesteigerte körperliche Aktivität eine vermehrte Taurinaufnahme fordert, oder eine Supplementierung in Anbetracht der beschriebenen Funktionen leistungssteigernde Effekte mit sich bringt.

So lässt beispielsweise die membranstabilisierende, antioxotative Wirkkomponente vermuten, dass sportbedingte Erkrankungen abgeschwächt oder sogar verhindert werden könnten. In erster Linie werden die Schutzmechanismen gegenüber den erhöhten Belastungen bei regelmäßiger körperlicher Ertüchtigung mit trainiert und vor allem dadurch gestärkt. Die Schutzwirkung von Taurin ist daher eher nebensächlich einzuordnen. Eine membranstabilisierende Wirkung und damit weniger Überreizungen der Zellen bei mechanischen Belastungen, wie sie im Triathlon besonders beim Laufen vorherrschen, ist derzeit rein spekulativer Herkunft.

Durch seinen mittelbaren Einfluss auf die Spaltung von Fetten und deren Einschleusung in die Blutbahn kann die Erwartung aufkommen, dass eine vermehrte Taurinaufnahme diesen Prozess fördert und Fette schneller als Energielieferanten zur Verfügung stehen. Aber nur etwa ein Prozent des Taurinvorkommens im Körper wird für diesen Vorgang gebraucht. Ein leistungssteigernder Effekt durch vermehrte Aufnahme kann damit nahezu ausgeschlossen werden.

Die protektive Wirkung den Herzmuskel betreffend, wäre besonders wünschenswert. Zumal die Mehrzahl der tragischen Todesfälle im Triathlon häufig auf die erhöhte Kreislaufbelastung und Vorerkrankungen am Herzen zurückzuführen sind. Forschungsergebnisse stützen sich hierbei besonders auf isolierte Rattenherzen, die eindeutige Übertragbarkeit auf den Menschen ist zweifelhaft. Zusätzlich weisen die Studienergebnisse gegenteilige Resultate aus. In Abhängigkeit vom Untersuchungsdesign übernimmt Taurin eine Schutzfunktion oder es wird sogar von einer Taurinzufuhr abgeraten.


Realität oder Mythos?

Nach derzeitigem Forschungsstand bleibt das Entfesseln stierischer Kräfte ein Mythos. Es liegen keine wissenschaftlichen Befunde eines erhöhten Taurinbedarfs bei Sportlern vor. Die tägliche Zufuhr durch die Nahrung und die Eigensynthese scheinen auch bei intensiven körperlichen Aktivitäten sowie im Leistungssport ausreichend zu sein. Eine Supplementierung von Taurin hat keinen gesicherten positiven Einfluss auf die geistige oder körperliche Leistungsfähigkeit.

Fazit
Abschließend soll noch einmal betont werden, dass von einer Taurinsupplementierung eher abzuraten ist. Risiken und Nebenwirkungen gelten als zu wenig erforscht und ethische als auch rationale Gründe werden in naher Zukunft eine gezielte Erprobung hemmen. Bereits nachgewiesen ist bei einer Überdosierung mit Taurin, die Herabsetzung der Atemfrequenz in Ruhe sowie die negative Beeinflussung des Trinkverhaltens. Beides Indikatoren, welche die Leistungsfähigkeit sogar minimieren. Mangelversorgungen können durch Studien zum Teil gänzlich ausgeschlossen, beziehungsweise die Effekte einer Unterversorgung als sehr gering eingeschätzt werden.

Taurin Supplementierung…

  • keine gesicherten Ergebnisse, die eine Steigerung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit sichern und eine Supplementierung rechtfertigen
  • Risiken können derzeit nicht ausreichend abgeschätzt werden, von einer Supplementierung ist eher abzuraten
  • vermeintlich positive Reaktionen lassen sich auf Placeboeffekte zurückführen

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Paul Benjamin Reszel ist Autor des Artikels. Ben ist studierter Diplom Sportwissenschaftler und arbeitet derzeit an seiner Promotion. Seit mehr als 5 Jahren betreut er erfolgreich Sportler aus den Disziplinen Triathlon, Mountainbike, Rennrad, Laufen und Moto-Cross. Dabei steht er den Athleten mit Resource in den Bereichen komplexe Leistungsdiagnostik, individuelle Trainingsplanung, Ernährungs- und Technikoptimierung zur Seite. Er betreibt die Firma Resource.
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