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Kreatin – legales „Doping“?

Tri-Wissen:
Kreatin – legales „Doping“?

2. November 2010 von Benjamin Reszel

Kreatin - legales Doping?Prof. Dr. Ulrich Haas, Leiter der nationalen Anti-Doping-Kommission von 1999-2002, forderte bereits vor mehr als zehn Jahren Kreatin in die Dopingliste aufzunehmen. Was ist dran an der Substanz und welchen Nutzen hat das Nahrungsergänzungsmittel Kreatin im Triathlon? Viele Fragen – hier die Antworten.


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Vorkommen: Ganz natürlich und körpereigen

Ursprünglich ist Kreatin keine künstliche Substanz. Vielmehr ist es körpereigen und wird in der Leber, den Nieren und der Bauchspeicheldrüse aus den drei Aminosäuren Arginin, Glycin und Methionin gebildet. Einzig Methionin muss zum Aufbau mit der Nahrung aufgenommen werden, da der Organismus nicht in der Lage ist diese Aminosäure selbst zu bilden. Neben der Eigensynthese sind tierische Lebensmittel, im Besonderen Fleisch- (4 bis 5 Gramm Kreatin pro kg Rindfleisch) und Fischprodukte (2 bis 4 Gramm Kreatin pro kg) wichtige Lieferanten. Pflanzliche Lebensmittel enthalten nur sehr wenig Kreatin und tragen daher nicht in bedeutsamen Mengen zur Bilanz bei.

Im menschlichen Organismus sind in etwa 120 Gramm Kreatin gespeichert. Wobei der größte Anteil von 95 Prozent in der Skelettmuskulatur eingelagert ist.

Der Körper verbraucht unter normalen Belastungen in etwa zwei Gramm Kreatin am Tag. Eigensynthese und Zufuhr über die Nahrungsaufnahme halten sich beim Auffüllen der Speicher mit je einem Gramm pro Tag die Waage. Wichtig zu wissen ist, dass der Körper weniger Kreatin selbst herstellt und sich diese Arbeit spart, umso mehr es über die Nahrung -also auch über Nahrungsergänzungsmittel- aufgenommen wird.

Funktion: Für die kurzen intensiven Belastungen

Wichtig zu wissen ist, dass die menschliche Zelle über zwei Energieträger verfügt. Zum Einen ist das ATP, welches für alle energieverbrauchenden Prozesse direkte Energie liefert. Und zum Anderen Kreatinphosphat, das die ATP-Speicher wieder auffüllt. Kreatin stellt damit in der Muskelzelle an Phosphat gekoppelt einen wichtigen, aber sehr kleinen Energiespeicher dar. Zusammen mit ATP sorgt Kreatinphosphat für eine sehr hohe Energieflussrate. Es ist also eine schnell verfügbare Energiequelle, die aber bereits nach cirka zehn Sekunden intensiver Belastung verbraucht ist.

Kreatinphosphat wird durch Spaltung zwar schnell verbraucht, aber in Erholungsphasen innerhalb kürzester Zeit wiederhergestellt. Sehr interessant ist auch, dass in diesen kurzen, sehr intensiven Belastungsphasen kein Laktat gebildet wird, wie es bei längeren gesteigerten Belastungen passiert. Dies hängt damit zusammen, dass es zu keiner vermehrten Sauerstoffaufnahme kommt. Ein Phänomen, welches ihr auch leicht selbst beobachten könnt. Beispielsweise bei Schnelligkeitsintervallen auf der Bahn mit 60m Sprintstrecke. Während der Belastung spürt ihr keine Beschleunigung der Atmung. Die vom Körper eingegangene Sauerstoffschuld atmet ihr im Anschluss an die Belastung einfach nach. Diese nachgeatmete Menge an Sauerstoff dient ausschließlich dem Wiederaufbau eurer Kreatinphosphatspeicher.


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Paul Benjamin Reszel ist Autor des Artikels. Ben ist studierter Diplom Sportwissenschaftler und arbeitet derzeit an seiner Promotion. Seit mehr als 5 Jahren betreut er erfolgreich Sportler aus den Disziplinen Triathlon, Mountainbike, Rennrad, Laufen und Moto-Cross. Dabei steht er den Athleten mit Resource in den Bereichen komplexe Leistungsdiagnostik, individuelle Trainingsplanung, Ernährungs- und Technikoptimierung zur Seite. Er betreibt die Firma Resource.
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