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Trail-Lauf: Runter von der Straße, rein ins Gelände

4. November 2014 von Christine Waitz

Foto: Johanna Schicker,   frei„Trail Maniak“ Michael Raab ist leidenschaftlicher Läufer. Am liebsten abseits von Asphaltpisten oder Tartanbahnen. Noch lieber auf engen Pfaden, über Stock und Stein. In der triathlon.de Expertenserie wird der Münchener in den kommenden Monaten Themen rund um das Trail-Laufen vorstellen. Zuerst jedoch haben wir ihn gefragt: Tail-Laufen in München?


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„Neben der Spur und voll im Trend“- bei den Trail Maniaks aus München haben sich zahlreiche Läufer gefunden, die Asphalt und Tartan satt haben, die das Naturerlebnis, das ein Trail-Lauf bietet, zu schätzen wissen. Einer von ihnen ist Michael Raab. Der 44-jährige hat sich nicht nur in seiner Freizeit dem Laufen im Gelände verschrieben, sondern auch beruflich. Vom Lauftreff über Wettkämpfe bis hin zu Trail-Lauf-Reisen organisieren er und sein Team alles, was das Sportler-Herz begehrt.

Hallo Michael! Wie lange bist du bereits im Laufsport zu Hause und wann hat es dich zum Trail-Lauf verschlagen?

Michael Raab, einmaligAls ehemaliger Buckelpisten-Freestyler war für mich jede Distanz jenseits eines 100 Meter Sprints ein Marathon. Den ersten „musste“ ich zwangsläufig im Zuge des Ironman Frankfurt 2002 absolvieren. Aber auch danach war das Laufen mehr ein notwendiges Übel, zum Beispiel im Winter um den Weihnachtsspeck wieder los zu werden.
Im Zuge dessen kam mir nach dem Motto „Einmal im Leben musst Du nach Biel“ der Gedanke zu schauen, was jenseits der 42 Kilometer passiert. Das war 2005. Und weil es gut lief, meldete ich mich im gleichen Jahr zum K78 in Davos, einem der bekanntesten Ultra-Bergtrails an. Aber auch da wollte der Funke nicht überspringen.
Erst als ich 2009 beruflich in die Schweiz ging, begann meine zweite sportliche „Karriere“ als Trail Läufer. Dafür aber gleich richtig mit dem Marathon des Sables, Chiemgau 100, erneut Swiss Alpine und Trans Alpin Run in einem Jahr. Seitdem sind wunderschöne Läufe wie der Royal Raid auf Mauritius, Ultra Trail du Mont Blanc, Ultra Trail de Serra Tramuntana auf Mallorca, der 185 Kilometer lange Cami de Cavalls auf Menorca und viele weitere dazu gekommen.

Was macht für dich das Trail laufen besonders? Und wo findet man eigentlich in München Trails?

Michael Raab, einmaligWenn ich auf der Straße laufe, dann habe ich viel zu viel Zeit zum Nachdenken und kann nur schwer abschalten. Im Gelände muss ich mich auf den Trail fokussieren und kann dabei alles andere herrlich ausblenden. Ferner sind bei den Rennen die Zeiten Nebensache, denn die Strecken und Distanzen können einfach nicht miteinander verglichen werden. Ein weiterer Faktor ist das autonome, eigenverantwortliche Voran- und sicher wieder Ankommen. Da ist es vollkommen egal, ob es Tag oder Nacht ist, ob es Wasser gibt oder nicht, ich muss mich selbst entsprechend gut vorbereiten. Denn sonst kann aus einem Micro-Abenteuer schnell eine gefährliche Aktion werden.

In München bietet die Isar selbst durch die Stadt an ihrem Ufer lässige Trails und nach Süden raus in Richtung Kloster Schäftlarn und die 30 Kilometer bis zur Endhaltestelle der S-Bahn in Wolfratshausen ohnehin. Außerdem ist man mit der BOB (Bayerische Oberland Bahn) schnell in Lenggires, am Tegern- oder Schliersee, wo es super schöne alpine Möglichkeiten gibt.

Einen Wald, Felder und Wiesen hat fast jeder in der Nähe seines Wohnorts. Selbst in der Stadt. Bin ich dann schon Trail-Läufer? Andererseits finden Triathlon Wettkämpfe meist auf Asphalt statt. Warum sollte also ein Triathlet im Gelände trainieren?

Michael Raab, einmaligGanz einfach, weil es Spaß macht und gut tut. Außerdem bringt das Laufen abseits fester Wege Abwechslung in den Trainingsalltag, bildet die Muskulatur umfassender aus und vermeidet Erschöpfungsverletzungen, weil eben jeder Schritt anders ist und damit keine einseitigen Belastungen entstehen können.

Wer darüber hinaus seinen Füßen etwas Gutes tun möchte, der läuft mal ein paar Meter barfuß. Absolut sensationell, wie dadurch die gesamte Körperspannung steigt und der Abdruck an Kraft gewinnt.

Ab wann bin ich ein Trail-Läufer: Das ist eine Frage des Spirits. Es geht um den eigenen Weg und die persönliche Freiheit, nicht um starre Definitionen. Das Beste ist, es einfach auszuprobieren. Der Rest kommt über kurz oder wie bei mir lang von alleine.

Apropos: Ein genialer Wettkampf ist der Inferno Triathlon in der Schweiz, bei dem ich als Staffelläufer bereits teilgenommen habe. Als Einzelstarter (es gibt nur 333 Plätze!) stehen zum Schluss 25 km mit 2.175 Hm auf das knapp 3.000 m hohe Schilthorn auf dem Programm. Da werden in einem Rennen aus echten Triathleten Trail Runner, Speed Hiker und zum Ende hin sogar Wanderer ;-)

Laufsport gehört seit Jahren zu den populärsten Sportarten. Wie entwickelt sich parallel dazu der Trail-Lauf-Sport?

In den USA und Frankreich boomt der Sport, was sowohl die Zahlen der Aktiven als auch Events belegen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir definitiv Nachholbedarf, sind aber auf einem guten Weg. Wer den ersten Schritt einmal ins Gelände gemacht hat, wird immer wieder gerne abbiegen und hier neue Herausforderungen finden.

Zusammen mit deinem Team organisierst du auch Reisen zu den tollsten Orten in Sachen Gelände-Lauf. Wo läufst du am liebsten? Welche Rennen sind deine Favoriten?Michael

Michael Raab, einmaligPersönlich mag ich die kleinen Events, wo alles mit viel Herzblut passiert. Ein wunderbarer Trail mit Geschichte ist zum Beispiel der Antico del Contrabbandiere im Juni in Bassano del Grappa. Der Ort war dieses Jahr mit dem Monte Grappa Teil des Giro d´Italia. Optimal mit Urlaub und Schwimmen lässt sich im Mai der Cami de Cavalls auf Menorca verbinden. Wer den Kick im Winter sucht, der fährt Ende Februar zum Vertical Up nach Kitzbühel und läuft im Dunkeln die Streif rauf.

Von TRAIL-MANIAK aus haben wir 2015 zwei neue, absolute Highlights im Programm: im Juni mit fünf Etappen den inov-8 guerilla run GR20 Trans-Korsika – 181 sagenhafte Kilometer mit 12.000 Höhenmeter quer über die Insel (Achtung Teilnehmerlimit und nur mit persönlicher Bewerbung) und Ende Oktober den Ultra Trail Morocco Eco Sahara über 100 Kilometer, veranstaltet von Mohamad Ahansal, dem fünffachen Gewinner des Marathon des Sables.

In den kommenden Wochen und Monaten wird Michael Raab im Rahmen der triathlon.de Expertenrunde zahlreiche Aspekte rund um das Thema Trail-Lauf vorstellen.

Zur Website der Trail-Maniaks.

Fotos: Johanna Schicker, Michael Raab

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