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Mythos Hawaii und der innere Schweinehund

Tipps von Eva Dollinger:
Mythos Hawaii und der innere Schweinehund

4. Oktober 2011 von Christine Grammer

Eva Dollinger aus Österreich ist Profitriathletin und Mitglied des Erdinger Alkoholfrei Teams und hat aus sportlicher Sicht mit zwei Olympiateilnahmen und einem Ironmansieg beim Ironman Austria 2010 einiges vorzuweisen. Im Frühjahr dieses Jahres musste sie gegen eine hartnäckige Fussverletzung und Magenprobleme ankämpfen. Um solche Situationen und den inneren Schweinehund im Griff zu haben, absolvierte sie eine Ausbildung zum Brain Gym Trainer und arbeitet gezielt mit einem Kinesiologen zusammen.


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Vergangenes Jahr konntest du zum ersten Mal auf Hawaii den Ironman bestreiten. Gerade bei extremen Situationen und klimatischen Bedingungen haben viele die Begegnung mit dem inneren Schweinehund bzw. mentale Schwierigkeiten. Wie gehst du mit solchen Situationen um? Warum ist es gerade auf Hawaii so schwierig Tiefpunkte zu vermeiden?

Ich bin letztes Jahr das erste Mal auf Hawaii gestartet und habe vor meinem Start ganz viele Geschichten über das Mysterium Hawaii gehört. Von der hohen Luftfeuchtigkeit, über die eintönige und harte Radstrecke, den super schwierigen Schwimmbedingungen bis hin „das Rennen findet immer zu Vollmond statt“. Ich war ganz gespannt, wie ich Hawaii und den Wettkampf wahrnehme würde. Ich habe ja durch meine vielen Weltcupstarts schon sehr viel gesehen und erlebt. Bin in den verschiedensten Meeren geschwommen, habe Wettkämpfe in den unterschiedlichsten Zeitzonen und Witterungsverhältnissen gemacht. Somit war das, was ich auf Hawaii erwartet hat, nicht wirklich etwas Neues von den klimatischen Bedingungen! Ich habe mich vorher aber super auf die „Hawaii“ Bedingungen vorbereitet – mich sehr gut an die Hitze gewöhnt bzw. alle notwendigen Schutzmaßnahmen für den Wettkampf getroffen (Kleidung, Salztabletten, Sonnenschutz). Außerdem habe ich mich rechtzeitig akklimatisiert (Trainingslager in San Diego) und auf das Rennen mental vorbereitet. Schwierig ist bei einem Hobbysportler, dass er all diese Möglichkeiten nicht hat. Man kommt vom kühlen Herbst nach Hawaii und die Hitze haut einen fast um, außerdem ist es schwierig die Form bis in den Herbst aufrecht zu erhalten und zusätzlich gibt es eben dieses große Mysterium Hawaii mit den vielen Geschichten und Horrorerlebnissen von verschiedensten Teilnehmern. Ich glaube, wenn man es schaffen würde Hawaii als ganz normalen Wettkampf zu sehen und nicht so HOCH über alles andere Stelle würde, wäre es vielleicht einfacher. Ich selbst sehe den inneren Schweinehund, als einen Teil von mir, der mir etwas sagen will. Wenn er also beim Radfahren sagt – ich mag nicht mehr, oder ich kann nicht mehr – frage ich mich, warum das so ist. Manchmal hilft es einfach etwas zu essen – sprich der innere Schweinehund hat Hunger ;-) oder den bisherigen Erfahrungen zu vertrauen, dass das Tief schon wieder vorüber geht und in ein paar Kilomteren die Freude und Energie zurück kommt. Ein positiver Blickwinkel hilft garantiert!

Nach einem Verletzungsbedingten Start in die Saison konntest du mit neuer persönlicher Bestzeit (9:05) in Klagenfurt glänzen. Wie hast du dich nach den Tiefschlägen am Anfang der Saison wieder aufgerappelt?

Das war prinzipiell nicht einfach. Ich bin aber durch dieses Tief durchgegangen. Habe mir angeschaut was ich zu lernen habe und hab es dankbar angenommen. Prinzipiell ist es glaube ich wichtig, eine Verletzung ganz ausheilen zu lassen. Ich war wirklich sehr konsequent damit – hab nicht zu früh probiert, ob das Laufen jetzt schon wieder geht und habe danach das Training wieder behutsam aufgenommen und aufgebaut. Wobei das nicht heißen soll, dass ich in dieser Zeit wenig trainiert habe. Durch das viele Radtraining kam ich sogar mal auf über 40 Wochentrainingsstunden. Ich bin in dieser Saison viel reifer geworden, weiß jetzt, was ich will, was mir der Sport bedeutet und dass es wichtig ist, auf seinen Körper zu hören. Mental stark zu sein birgt die Gefahr, dass man nicht mehr auf den Körper hört. Ohne einen gesunden Körper, kann aber auch der stärkste Kopf keine Leistung bringen. Zusätzlich konnte ich durch das vermehrte Radtraining meine Leistung auf dem Rad deutlich steigern und trotz Verletzung meine Laufbestzeit auf dem Marathon deutlich verbessern. Somit hatte ich trotz Tiefschläge alle meine Ziele erreicht – auch wenn ich das große Saisonziel Hawaii abschreiben musste. Ich weine dem jetzt aber nicht nach, sondern schaue nach vorn und entwickle mich weiter. Mehr über Kinesiologie im Wettkampf  


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