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Themenwoche Aerodynamik: Das ultimative Aero-Bike

8. Juni 2016 von Bernhard Scholz

Lukas Bartl, freiIm Rahmen unserer Aerodynamik Wochen haben wir uns gefragt: wie würde das (aus aerodynamischer Sicht ) ultimative Triathlon Bike aussehen? Klar ist: Wir könnten dazu wohl 100 Leute fragen und würden auch 100 verschiedene Antworten bekommen. Wir haben einmal gebastelt und stellen vor: eine Super-Aero-Vision aus unserer Sicht der Dinge.


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Rahmen

Wie immer ist der Rahmen die Basis des Fahrrades und somit das wichtigste Grundelement. Die Frage nach dem Schnellsten kann aber schnell in einen Glaubenskrieg ausarten.

Eines ist dennoch immer wieder auffällig: Wenn Hersteller ihre neuen Modelle präsentieren, mit Vergleichsdaten aus dem Windkanal, werden zwei Bikes häufig als Referenz verwendet. Das Cervelo P5 und das Trek Speed Concept.
Während das P5 bei niedrigen Anstömwinkeln immer noch die Messlatte darstellt, hat das Trek bei größeren Winkeln leicht die Nase vorne. Beide versuchen aber nach den Regularien der UCI das Maximale auszuloten. Wir sind aber Triathleten! Dass sich die ITU für die Kurzstrecken-Wettbewerbe als Schoßhund der UCI darstellt, anstatt eine Eigenständigkeit zu entwickeln, ist schon schlimm genug. Alle anderen brauchen sich zum Glück nicht um die Machenschaften der FIFA – pardon, UCI – kümmern.

Foto: Christine Waitz, freiSo bieten sich Triathleten viel mehr Möglichkeiten im Rahmendesign, was in Sachen Aerodynamik die „Beam Bikes“ wie Dimond oder Falco wieder in den Fokus rückt. Die typische V-Form des Rahmens ist durch das Weglassen des Sitzrohres prinzipiell von Vorteil gegenüber einem klassischen Rahmen, was diese Rahmentypen eigentlich zur ersten Wahl machen würde. Allerdings ist für die perfekte Windschnittigkeit nicht alleine der Rahmen, sondern das Gesamtwerk verantwortlich, und gerade an der Frontpartie wird daher das Zusammenspiel aus Rahmen, Gabel, Vorbau und auch der Verkabelung ausschlaggebend. Als Basis für unser Wunderrad haben wir uns daher für den Felt IA FRD Rahmen entschieden, weil er nicht nur in Sachen Rahmenform sehr aero ist, sondern auch eine sehr gut integrierte und aufgeräumte Frontpartie aufweist.

Lenker

Im Gegensatz zum Felt Serienlenker würden wir aber mit dem Tririg Alpha X upgraden. Auch dieser kümmert sich nicht um UCI Normen und hat mit dem 6:1 Flügelprofil das doppelte dessen was den Radfahrern erlaubt ist. Zudem sind Vorbau und Lenker sowie Details wie Verschraubungen sehr gut aufeinander abgestimmt. Mit einer Vielzahl von Einstellmöglichkeiten bietet er fast allen Piloten eine gute Position, und dafür dass er nicht dem Original Felt Design entspricht ist er doch sehr gut kompatibel mit dem Rahmenkit ohne dessen Optik negativ zu beeinflussen.

Schaltgruppe

Lukas Bartl, freiEin Carbon-Aero Schaltwerkskäfig und Oversized Schaltwerksröllchen wie sie bei Berner üblich sind, muss man bei Shimano, Sram und Campagnolo teuer aufrüsten. Warum also nicht mal neue Wege gehen und ein Vision Metron Schaltwerk montieren, welches genau diese Features schon serienmäßig hat. Es ist damit aktuell das einzige Schaltwerk das konsequent für Triathlon und TT entwickelt ist. Wer Zweifel hat kann gerne mal versuchen die 4:02h von Andrew „Starky“ Starykowicz auf der Langdistanz zu unterbieten. Da bei Umwerfer und Schalthebel kaum nennenswerte Unterschiede in der Aerodynamik zu erwarten sind, bleiben wir auch hier bei der Vision Metron Gruppe, obwohl das Schaltwerk auch mit Shimano 10-fach Schalthebeln kompatibel wäre.

Auch die Bremshebel von Vision sind eine gute Wahl und komplettieren zusammen mit den im Rahmen integrierten Bremsen die Bedienelemente.

Kurbel

Auch bei der Kurbel vertrauen wir auf die Vision Metron, die stark an die „ältere“ Zipp Vuma Crono erinnert. Die komplett glatte Oberfläche der Außenseite ist extrem schnell, und auch das leichtlaufende Ceramic Innenlager dazu ist eine positive Erscheinung in der von Qualität mangelnden Welt der Großserien Innenlager. Auch im Bereich der Kurbeln haben es Shimano und Sram noch nicht für nötig gehalten eine Aero Kurbel zu präsentieren. Einzig Campagnolo hatte mit den Crono Kurbeln eine adäquate Alternative im Sortiment, welche aber leider schon wieder verschwunden ist.

Laufräder

Zu einem Scheibenrad hinten gibt es aus aerodynamischer Hinsicht keine andere Wahl. Es gibt zwar Hersteller die behaupten ihre Laufräder hätten aerodynamisch bessere Werte, aber das trifft allerhöchstens auf einen ganz kleinen Bereich von Anströmwinkeln zu. Sogar beim Vergleich von Scheibenrädern untereinander treten noch Abweichungen auf, die sogar von der Rahmenform beeinflusst werden können. Die HED Stinger Disc sehen wir hier als das Maß der Dinge. Die HED Jet Clincher Disc soll zwar mindestens genauso schnell sein, aber der Übergang Felge – Reifen sowie die Form, und auch die größere Auswahl an passenden Vorderrädern lässt uns zur Tubular Variante greifen.

Beim Vorderrad wäre zwar eine Disc auch die schnellste Wahl, aber beim kleinsten Windstoß nur schwer zu kontrollieren. Abgesehen davon feiert das Trispoke gerade ein großes Comeback. Das relativ alte Design des HED H3 zählt auch heute noch zu den schnellsten Vorderrädern und war bzw. wird von vielen Profis genutzt. Neue breitere Versionen (GT3 bzw. H3+) sind mittlerweile ebenso erhältlich. Auch Corima und FFWD sind seit geraumer Zeit unterwegs. Neu hinzu gekommen sind das Pro Trispoke (welches aktuell z.B. vom Team SKY gefahren wird), und das Vision Metron, welches zwar ziemlich schwer ist, dank relativ hoher Felge und breiter Speichen aber sehr aerodynamisch sein dürfte, und somit unsere Wahl ist. Als Reifen montieren wir den Zipp Tangente SL Speed 24.

Speedplay Zero AeroPedale

Ob die Auswirkungen der Pedale in Hinblick auf die Aerodynamik so gravierend sind ist die Frage. Aber messbar ist ein Unterschied definitiv. Daher gibt es auch einige Hersteller, die hier entsprechende Lösungen anbieten. Das Speedplay Zero Aero Pedal macht sich die von den Zipp Felgen bekannte Golfball Oberfläche ebenfalls zu Nutze, und bildet zusammen mit dem Cleat eine harmonische Einheit.

Trinkflasche

Profile, einmaligDie schnellste Möglichkeit der Flüssigkeitsaufnahme während des Rennens sind die sogenannten BTA (between the arms) Lösungen. Dabei ist es kaum relevant, ob es der Halter für eine Standard Trinkflasche ist, der zwischen die Extensions montiert wird, oder aerodynamisch geformte Spezialteile wie z.B. das FC Hydration System von Profile Design. Solange die Arme um das Teil herum greifen und vorne wieder schließen, ist die Form nicht entscheidend, da es in erster Linie darum geht, den Zwischenraum zwischen den Unterarmen zu nutzen. Allerdings bietet Profile zusätzlichen Stauraum für feste Nahrung und einen Montageplatz für den Computer. Zudem können Trinksysteme dieser Art in Aeroposition genutzt werden, da durch einen Strohhalm getrunken wird. Die Einhaltung der Aeroposition ist in diesem Fall die eigentliche Verbesserung.

Andererseits gibt es durchaus Flaschenhalter für Rahmenbefestigung, die durch ihre Form eine Zusätzliche Verkleidung darstellen, und so das Rad schneller machen können. Bestes Beispiel hierfür ist die VR Serie von Torhans, aber auch die neue Aeroflasche von Tacx dürfte einen ähnlichen Effekt haben.

Für längere Distanzen kann es also Sinn machen beide Varianten zu kombinieren. Die Aeroflasche im Rahmen mit den persönlichen „Special Needs“, und das BTA System, das während des Rennens auch problemlos mit den Standard Flaschen der Verpflegungsstationen nachgefüllt werden kann.

Sattel, Kette und Kassette aufgrund aerodynamischer Aspekte auszuwählen ist offensichtlich nicht sinnvoll. Ein Nachteil eines solchen Geräts ist aber nicht zu verhindern : Ausreden ausgeschlossen!

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Fotos: Profile, triathlon.de, Speedplay


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