Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Test & Produktinfo > Test: Bioelektrische Impedanzanalyse
am Beispiel der Tanita BC-1000 Körperwaage

Test: Bioelektrische Impedanzanalyse
am Beispiel der Tanita BC-1000 Körperwaage

26. Februar 2012 von Andrej Heilig

Triathlon Anzeigen

Der Test – Drastische Umstände erfordern drastische Maßnahmen

Tester: Andrej Heilig

Man sollte schon barfüßig auf die Waage steigen, sonst funktioniert sie nicht.

Der vergangene Jahreswechsel war diesmal von der Gleichzeitigkeit zweier katastrophaler Ereignisse begleitet. Zu erwarten, aber trotzdem nicht zu beherrschen, war wieder einmal die üppige Versorgung mit Weihnachts- und Neujahrskalorien. Für mich neu, und vom Effekt weitaus dramatischer, war aber der Übertritt in die AK 35 mit gleichzeitiger Totalabschaltung des Fettstoffwechsels in Ruhe. So fängt es also an … Eigentlich habe ich alles genauso gemacht wie immer, und trotzdem bekomme ich das Röllchen knapp über der Hüfte jetzt nicht mehr richtig in den Griff. Daher kam der Test der Köperfettwaage BC-1000 von Tanita Anfang Januar gerade recht. Wenn der Körper nicht mehr so will wie er soll, dann muss man halt mit  Intellekt etwas nachhelfen.

Da das Hosen- und Spiegelbildprinzip irgendwie keine nutzbringenden Erkenntnisse mehr zutage brachte, war die Idee folgende: durch direkte Darstellung der wesentlichen Kraft-Last-Parameter wollte ich wieder die Kontrolle über eine Entwicklung gewinnen, die sich leider nicht mehr wie von selbst vollzieht. Von dem „Schwarz-auf-Weiß“-Prinzip erhoffte ich mir einen psychologischen Vorteil im Kampf gegen den inneren Schweinehund und die leidige Extraportion Nüsse, Eis, Kuchen usw.

Wie alle Datenerfassungsmethoden (z. B. auch die Wattmessung) hängt die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) von der Kalibrierung ab. Bei der BIA muss aber der eigene Körper vor jeder Messung „kalibriert“ werden. Auf ein und demselben Gerät erhält man dann bei vergleichbaren Ausgangsbedingungen entsprechend vergleichbare Werte.

Meine Routine“Kalibrierung“ lautete immer frühmorgens „Kaffee, Klo, Kontrolle“. Vor der Messung habe ich also nichts getrunken oder gegessen. Die morgendliche Messung sorgt für größtmögliche Vergleichbarkeit, da zu diesem Zeitpunkt noch keine tagesabhängigen Effekte wie Training, Ernährung, Stress etc. den Wassergehalt des Körpers beeinflussen können.

Begonnen habe ich den Testzeitraum am 19.01.12, wenige Tage nach einem Laufwettkampf über 10,13 km mit 170 Höhenmetern. Die Ausgangsdaten an diesem Tag: Gesamtgewicht 75,9 kg, Muskelmasse 60,3 kg, Körperfettanteil 16,4 % bei einer Größe von 182 cm. Die Laufzeit: 36:13 und dem 3.Platz.

Da dieser Lauf Bestandteil einer Winterlaufserie bestehend aus vier Läufen war, deren ersten Lauf ich bereits gewonnen hatte, wollte ich mir beim dritten Rennen am 12.02.12 (10,4 km, 196 HM) mit einer vorderen Platzierung den Sieg in der Serie holen. Aufgrund der starken Konkurrenz aus dem Läuferlager hieß es dafür aber: Trainieren und Abnehmen.

Um die von der BC-1000 gelieferten Daten auf ihre Verlässlichkeit zu prüfen, habe ich die ersten 14 Tage keine gezielten Veränderungen an meiner Ernährung vorgenommen aber das Training intensiviert. Das Gesamtgewicht lag in diesem Zeitraum im Mittel bei 76,3 kg (maximal 77,6 kg, minimal 75,9 kg). Die aufgrund der unterschiedlichen Trainingsbelastung, Schlafzeiten etc. bedingten Abweichungen hielten sich somit, auch im Hinblick auf die weiteren Bestimmungsgrößen, in engen Grenzen und machten auf mich einen verlässlichen Eindruck.

Nach diesen zwei Wochen war es dann an der Zeit auch an der Ernährungsschraube zu drehen. Um mich nicht durch eine Crash-Diät unnötig zu schwächen, wählte ich eine Art „ketogene Diät am Abend“. Das heißt nach 16:00 bzw. nach abendlichen Trainingseinheiten verzichtete ich auf Kohlenhydrate. Das Gesamtgewicht sank dadurch langsam auf 74,7 kg am Wettkampftag. Die Muskelmasse betrug 59,6 kg und der Körperfettanteil 16,0 %. Für die Qualität der gemessenen Werte spricht, neben dem kontinuierlichen Verlauf (siehe Abbildung; Gesamtgewicht, Muskelmasse und Wassergehalt linke Achse, Körperfettanteil rechte Achse), welcher das subjektive Empfinden sehr gut wiedergab, die Tatsache, dass trotz aller Veränderungen im Körperfettanteil etc. der Wert der Knochenmasse, wie man auch erwarten würde, bei 3,2 kg immer konstant blieb. Es werden hier also keine willkürlichen Zusammenhänge hergestellt. Ob der „wahre“ Wert des Körperfettanteils tatsächlich bei um die 16 % liegt, wird man wohl erst nach einem Säureaufschluss meines Körpers feststellen können, aber hier zählt ohnehin nur die interne Vergleichbarkeit. Das Wettkampfergebnis war letztlich eine 35:05 auf der durch den Schnee schwer zu belaufenden Strecke, damit der 2. Platz in der Tageswertung und der Sieg in der Serie.

Insgesamt hat mir der Test sehr dabei geholfen, über einen längeren Zeitraum hinweg fokussiert und zielgerichtet mit meiner Ernährung umzugehen. Die detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Körperbestandteile erhöht dabei das Bewusstsein für die Nahrungszusammenstellung. Wer den Körperfettanteil reduzieren, gleichzeitig aber die Muskelmasse erhalten will (siehe Abbildung) um das KLV zu verbessern, der wird automatisch den Proteinanteil in der Nahrung erhöhen und den Fettanteil senken. Und das Ergebnis bekommt man eben sehr klar aufgezeigt. Neben der Freude auf das nächstmorgendliche „Vergleichen“ half mir die Routine, auf die verflixte Extra-Handvoll Erdnüsse oder den zweiten Teller Nachtisch mit mehr Gelassenheit zu verzichten. Auch während Unterbrechungen durch Dienstreisen o. ä. konnte ich dem Hotelbuffet besser widerstehen, da ich ja nach erfolgter Rückkehr nicht gleich die Quittung bekommen wollte.

Neben dem reinen „Gewichtmachen“ für einen Saisonhöhepunkt sehe ich einen besonders interessanten Anwendungsbereich im Überprüfen der Ernährungs- und Hydrierungsstrategie auf Mittel- und Langdistanzen. Ein Vergleich des Wassergehalts vor und nach einem mehrstündigen Training, in dem die Rennverpflegung simuliert wird, kann sicher wertvolle Informationen liefern.

Und damit auch andere etwas davon haben: es gibt, neben der Möglichkeit mehrere Personen mit Alter, Größe und Geschlecht fest im Speicher abzulegen, auch eine Gast-Funktion. Nur für den Fall dass ihr eurem besten Freund mal zeigen wollt, dass es langsam an der Zeit wäre wieder etwas für seine Fitness zu tun. Wenn das Tischdisplay dann auch noch eine Weckfunktion wäre die Tanita BC-1000 wahrlich eine eierlegende Wollmilchsau.

 


Seite: 1 2
Seit 1999 ist Andrej Nichtraucher und gleichzeitig einer neuen Sucht verfallen: Triathlon. Seit den Anfängen hat sich viel getan im Leben des erfolgreichen AK30 Triathleten. Aber das erzählt er Euch lieber selber. Hier die Webseite von Andrej Heilig.
Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden