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Oval läuft`s bei mir rund …

… und das bereits im zweiten Jahr. Seit 2010 fahre ich auf Anraten von Fritz Buchstallers, einer der renommiertesten Radspezialisten der deutschen Triathlon- und Radsportszene, die ovalen Kettenblätter von Rotor.  Drei Wochen vor dem Norseman 2010 hat er mir die Kettenblätter ans Rad geschraubt und meine Zweifel, ob ich mich rechtzeitig anpassen könnte, waren nach bereits 2-3km wieder passé.

Optimierung des runden Tritts

Nachdem ich letzte Woche über Kraftausdauertraining, das nicht unbedingt wenig Belastung für Strukturen wie Knie und Rücken bedeutet, geschrieben habe, folgt heut ein Beitrag, wie man diese Kraft und Leistung optimieren und gleichzeitig die Strukturen schonen kann.

Ziel der ovalen Kettenblätter ist eine Optimierung des Tritts, in dem kurzgesagt der „Totpunkt“ des Tretzyklus verkürzt und der „Punkt des optimalen Tritts“ verlängert wird. Im sogenannten Totpunkt arbeitet das Bein in ungünstigen Kraft- und Winkelverhältnissen und kann somit nicht die volle Leistung erbringen. Umgekehrt, sind Anteile des Tretzyklus auf Grund optimaler Kraft- und Hebelverhältnissen mit sehr viel mehr Kraft zu bewältigen. Die Veränderung der Anzahl der Kettenblattzähne in den entsprechenden Bereichen, schafft somit eine höhere Effizienz und Ökonomie.  Der Weg in der schwachen Phase des Beines wird verkürzt und der Weg in der starken Phase verlängert. Das Kettenblatt passt sich also der Physiologie des Athleten an.

Weniger Kraftaufwand

Genauer gesagt, ist der Kraftaufwand in der vertikalen Stellung des Pedals minimiert und damit der Radius des Kettenblattes verringert. Damit reduziert sich die Kraft die aufgewandt werden muss, um diesen Totpunkt zu überwinden. In der horizontalen Stellung dagegen, ist das Hebelverhältnis für den Athleten optimal, somit der Radius des Kettenblattes größer. Es kann mehr Vortrieb generiert werden.

Die Auswirkungen

Die Folge sind eine Zunahme der dauerhaften Leistung, Absenkung der Herzfrequenz und des Laktats bei gleicher Leistung und eine gleichmäßiger Belastung, da Belastungsspitzen pro Tretzyklus reduziert werden.  Die Absenkung der Belastungsspitzen führt auch zu einer höheren maximalen Wattleistung, was vor allem im Sprint und bei kurzen harten Antritten von entscheidendem Vorteil sein kann.

Mehr Leistung

Es ist aber nicht nur die höhere Leistung, die ich nun über längere Zeit bringen kann, die mich von den „unrunden“ Kettenblättern überzeugt haben. Vor allem die Schonung meiner Strukturen wir Rücken und Knie, die gerade in langen Anstiegen wie beim Norseman heftig beansprucht werden, ist für mich eines der Hauptargumente, im Wettkampf mit diesen Kettenblättern an den Start zu  gehen. Der Druck auf die Knie durch Entlastung des Quadrizeps wird deutlich verringert und die Spannung auf die untere Rückenmuskulatur – auf Grund niedriger Beanspruchung der Oberschenkel Rückseite – wird reduziert. Genau da lagen 2009 bei meinem ersten Start beim Norseman noch meine Hauptprobleme: im ersten 40km langen Anstieg hat die enorme Kraftausdauerbelastung meinen unteren Rücken fest werden lassen und ohne Wärmepflaster wäre die Probleme eventuell so stark geworden, dass das Finishen des Wettkampfes in Frage gestellt worden wäre. Nicht umsonst sind Rückenschmerzen eines der häufigsten Probleme bei  Rennen mit sehr welligen Radstrecken.

Bei eher flachen Rennen zeigt sich ein Vorteil in der höheren durchschnittlichen Wattleistung, die ich erbringen kann und das ohne, dass ich die Aeroposition verlassen muss. Mit gleichem Aufwand fahre ich durch gleichmäßigere Belastung schneller.

Vorteile fürs Laufen

Aber nicht nur die Radleistung profitiert durch das Tuning der Wettkampfmaschine: auf Grund der reduzierten Belastung meiner Muskeln und Strukturen fällt der Übergang zum Laufen deutlich

leichter und die Energiereserven sind bei gleicher Belastung größer.  Wieder ein Argument, das für die „unrunde“ Variante spricht.

Ich weiß, dass es viele Zweifler gibt, da vor einigen Jahren bereits ein ähnliches Produkt auf dem Markt erschienen ist, das aber bezüglich des Funktionsprinzips genau gegenteilig konzipiert war:  damals wurde der Totpunkt verlängert und der Punkt des optimalen Hebels verkürzt. Die Folge war vor allem Knieschmerzen und andere strukturelle Probleme.

Der damals ruinierte Ruf der ovalen Kettenblätter hängt neuen Produkten leider immer noch nach und daher empfehle ich: testen und selbst entscheiden.

Ich war ebenso skeptisch wie es jetzt vielleicht viele Leser sind, der Praxistest hat mich aber überzeugt, ebenso wie das Preisleistungsverhältnis, sind wir doch bei den Kettenblättern weit weg von den Summen, die beispielsweise ein Laufradsatz verschlingt. Der Vorteil allerdings: Bereits bei der ersten Umdrehung und egal in welcher Leistungsklasse, kann man die Effizienzerhöhung spüren. Scheibe, hohe Felgen ect. brauchen meist die richtigen Windverhältnisse und eine entsprechende Geschwindigkeit bis die Wirkung für den Athleten bemerkbar wird.  Man sollte also gut überlegen, womit man sein Material aufwerten möchte.

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