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Eine Auszeit hat sich jeder verdient

Für mich dauert meine persönliche sportliche Auszeit ja schon eine Weile an, denn ich hab ja – wie geplant – meine Saison frühzeitig nach dem Sieg beim Celtman 2012 beendet. Im Normalfall – wenn nicht noch Hawaii oder eine späte Langdistanz ansteht – ist jetzt die Zeit, in der viele Athleten ihre Wettkampf-Saison beenden und in die verdiente Trainingspause gehen.

Ruhiger angehen lassen

Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen: Lasst es eine wirkliche Pause sein, denn ohne Entlastung und „Runterfahren“ des Körpers kann kein deutlicher Aufbau erfolgen. Zumindest nicht in der Form, dass eine jährliche Leistungssteigerung erreicht werden kann. Die Pause ist nicht nur aus physiologischem, sondern vor allem auch aus mentalen Aspektwn wichtig für uns. Fast jeder lebt täglich in einem Konflikt aus Terminen, Plänen, Vorgaben und Erwartungen des Umfelds und muss ebenso jeden Tag aufs Neue die Balance zwischen all diesen Dingen finden. Das kostet eine Menge Kraft körperlich, aber eben auch für den Kopf ist das nicht immer leicht. Ziele und Erwartungen im Sport sind Motivation, aber auch ständiger Druck,
von dem wir uns auch einige Wochen im Jahr befreien sollten.

Kraft und Motivation sammeln

Für mich gelten in dieser ruhigen Zeit ein paar Grundregeln, die letztendlich der Grund sind, warum ich jedes Jahr wieder gerne zum Triathlon zurückkehre, auch wenn der tägliche Balance-Akt jedes Jahr schwer wird. Meine Regeln sind die folgenden:

  • An Tagen, an denen ich mich nicht nach Sport fühle und nicht trainieren möchte, trainiere ich NICHT. Nicht nur wenig, sondern gar nicht. Zumindest für die Zeit, die ich mir für die Pause gegeben habe. Meist sind das ca. 2 Monate bei mir.
  • Ich trainiere im Vordergrund die Dinge, auf die ich am meisten Lust habe. Die Disziplinen, die für den Aufbau wichtig sind und vielleicht gern vernachlässigt werden, finden dann in der ersten Aufbauphase wieder ihren Platz
  • Ich kümmere mich in erster Linie um Struktur in meinem restlichen Leben: Leere meine Ablage im Geschäft, erledige liegengebliebene Dinge und erarbeitet mir Freiraum für die erste Aufbauphase danach, damit diese stressfrei erfolgen kann.
  • Nicht nur im Beruf, auch im Privaten wird Ordnung und Struktur geschaffen: Jeder kennt es, dass in Zeiten von umfangreichen Trainingsblöcken und Wettkampfphasen auch zu Hause viele Dinge liegenbleiben. Unordnung macht müde und zieht Energie. Das heißt also erstmal Ordnung schaffen – auch das ist ein wichtiger Punkt, der in dieser Zeit Aufmerksamkeit verdient hat. Mir kann es schon mal passieren, dass ich zwei Wochen mit Ausräumen, Streichen, Sortieren und wieder Einräumen beschäftigt bin und für nichts anderes zu haben bin. Während der heißen Trainingsphasen würde mich das meine notwendige Regenrationszeit kosten.
  • Der Wiedereinstieg ins Aufbau- und dann wieder ins strukturierte Training folgt erst, wenn die vorher genannten Dinge erledigt sind, denn sonst ist einerseits das Training wieder nur halbherzig und mit nur halber Energie und das Erledigen der Dinge im Beruf und Privaten wird verzögert.

Ordnung schaffen

Meine oben genannten Tipps gelten vor allem für alle die, die den Sport neben Beruf und Familie ausüben und täglich viele Komponenten unter einen Hut bekommen müssen. Die in einem früheren Blog genannten To-Do-Listen helfen dabei ungemein. Auch als ambitionierter Triathlet darf man mehrere Tage am Stück keinen Sport machen und auch der tägliche Spaziergang mit dem Hund ist Bewegung für den Kreislauf. Der größte Feind der Erholung ist das schlechte Gewissen, weil es bereits wieder Stress erzeugt. Genießt die Pause vom Sport bis zu dem Tag an dem Euch nicht das Gewissen wieder raus treibt, sondern die echte Lust zum Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Und auch dann sollten es nicht immer die Standarddisziplinen sein, sondern möglichst viel Abwechslung im wöchentlichen Bewegungsplan.

Die Beine hochlegen…

Foto: Susanne Buckenlei frei

Susas Rat: Pause machen, wenn der Hund eine Pause braucht.

…lautet mein Tipp auch für alle Athleten, die professionell im Triathlon unterwegs sind und sich eine deutliche Pause von jeglicher Bewegung nicht leisten wollen. Geht weg von der Routine und Gewohnheit im Training. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich sportlich zu bewegen. Und man kann dabei auch gleich die Hauptmuskeln, die beim Triathlon ständig gefördert und strapaziert werden, entlasten oder einfach auch mal auf eine andere Art und Weise fordern. Profisport hin oder her: Um frisch im Muskel und vor allem im Kopf zu sein, braucht jeder eine Pause. Die Entwicklung des Leistungssports im Triathlon hin zum ganzjährigen Training ohne Pause ist fraglich. Das kann zu immer kürzeren Profikarrieren und dafür immer mehr ausgebrannten Sportlern führen, da sich kaum jemand mehr traut, nach erbrachten Leistungen entsprechend zu regenerieren und im richtigen Zeitrahmen aufzubauen. Ich sehe diese Entwicklung sehr kritisch, muss mich aber als Trainer – nicht als Athlet – dem natürlich teilweise auch beugen.

Was sagt das Bauchgefühl?

Ich kann nur nochmals empfehlen: Setzt euch hin und hört kurz auf die eigene, innere Stimme und auf das hoffentlich noch vorhandene Bauchgefühl. Wenn das nach Pause schreit, dann nehmt euch die auch. Ich mach das so – und nehme mir deshalb eine Auszeit vom Bloggen. Ich bedanke mich bei allen Lesern und auch für alle Emails und Fragen, die in der Zeit meines Blogs bei triathlon.de eingegangen sind. Für diese Fragen bleibe ich euch gern erhalten.

So long … Eure Susa

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