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Challenge Kopenhagen: Susa als Betreuerin vor Ort

Zum dritten Mal bin ich nun beim Challenge Langdistanz-Rennen in Kopenhagen dabei. 2010 als Starterin, eine Woche nach meinem Rennen beim Norseman. 2011, um Hans (Nilsson) und Linda (Schücker) zu betreuen, die mit dem 9. und 3. Gesamtrang und zwei persönlichen Bestleistungen damals das Soll mehr als erfüllt hatten. Dieses Jahr wollten Hans und ich eigentlich nur als Zuschauer und Reiseleitung für Hannes Hawaii Tours in die Heimatstadt von Hans reisen, denn ich hatte ja bereits mit dem Celtman meinen Saisonhöhepunkt und Hans hätte letzte Woche beim Norseman starten sollen und hätte somit dieses Wochenende auch Saisonpause gehabt.

Aber meistens kommt es ja anders  …

Nachdem Hans in der Rennnacht vor dem Norseman am Norovirus erkrankte, war sein Saisonabschluss in Norwegen erst einmal unmöglich, zu heftig die Reaktion von Magen und Darm –  an ein Rennen nicht einmal zu denken. Das einzig Gute an diesem Virus – sollte es überhuapt etwas geben – ist, dass er lediglich 24 Stunden dauert und relativ schnell sämtliche Symptome verschwinden. Somit hatte sich Hans spontan entschieden, wie 2011 auch dieses Jahr in Kopenhagen an den  Start zu gehen. Es war davon auszugehen, dass ihm aufgrund des Viruses noch etwas der Druck fehlen würde, aber er fühlte sich gesund und fit und freut sich auf das Rennen. Er wollte das Rennen nicht allzu ernsthaft angehen, aber jeder, der Hans kennt, weiß, dass er am Renntag alles versuchen würde, zu geben. Ob er die 2:45 Marathonleistung von Roth wiederholen würden könne? Sie wäre vermutlich die Basis für eine Platzierung in den Top 10 des stark besetzten Männerrennes gewesen. Der Gesamtsieger von 2011, Tim Van Berkel, war ebenso wieder gemeldet, wie der Zweitplatzierte dänische Favorit für dieses Jahr: Jimmy Johnsen. Außerdem auf der Starterliste: Der laufstareke Aaron Farlow, der Zweitplatzierten des Challenge Aarhus Rennens, Mads Vittrup-Pedersen, und Vittrup-Pedersen, der 2011 auch einen unglaublichen 2.38h Marathon hingelegt hatte. Aus deutscher Sicht sollten Ulrich Konschak und Joseph Spindler die Fahnen hoch halten.

Starke Besetzung

Im Frauenrennen waren es neben einer Dänin die deutschen Frauen, die als Favoriten ins Rennen gehen sollten:  Diana Riesler kehrte nach Verletzungspause auf die Langstrecke zurück. Katja Konschak und Wenke Kujala wollten nach der Babypause wieder ein Wörtchen bei der Verteilung der Medaillen mitreden.

Wenke – die seit 2011 bei mir trainiert – hat mit einem starken 8. Platz und nahezu persönlicher Bestzeit bereits in Roth gezeigt, dass sie den Wiedereinstieg schnell geschafft hat und der Kurs in Kopenhagen sollte der radstarken Athletin noch mehr liegen, als ihr Heimrennen.

Mit Edith Niederfringer und Lisbeth Kristensen standen zwei weiterer sehr erfahrene Profifrauen an der Startlinie, aber das dänische Publikum würde vor allem auf eine Athletin ihr Augenmerk richten: Camilla Pedersen. Die sympathische Dänin konnte bereits den Challenge über die Mitteldistanz in Barcelona und in Aarhus gewinnen und wurde erst vor wenigen Wochen ITU Langdistanz Vize-Weltmeisterin.

Die Strecken

Das Schwimmen findet in Kopenhagen in einer künstlichen Lagune im Amager Strandbad statt, ca. vier Kilometer vom Zentrum der Stadt entfernt. Wie gewohnt starten die Teilnehmer bei den Rennen der Challenge Family in Gruppen von 250 – 300 Athleten.

Foto: Aimee Minahan

Die geschützte Lagune schafft die Möglichkeit für eine leichte Orientierung und somit schnelle Schwimmzeiten. Die Wassertemperaturen waren in den letzten Jahren immer unter 20°, also relativ frisch, aber damit auch eine gute Voraussetzung für schnelles Schwimmen.

Die Radstrecke führt die Athleten von Amanger durch die Innenstadt von Kopenhagen, dann aber hinaus in ländliche Gebiete und entlang der Küste von Dänemark. Eine abwechslungsreiche, kurzweilige Strecke, die zweimal zu durchfahren ist.

Der abschließende Lauf findet entlang der Hafenfront in Kopenhagen statt. Der flache 10,5 Kilometer lange Wendepunktkurs, führt die Athleten über vier Runden an historischen und berühmten Sehenswürdigkeiten wie der kleine Meerjungfrau, dem Amalienborg Schloss und dem alten Hafen, Nyhavn, vorbei und garantiert eine Zuschaueranzahl wie kaum ein anderes Langdistanzrennen der Welt.

Die Zielgerade ist vor dem Schloss Christiansborg – Sitz des dänischen Parlamentes, eine weitere Besonderheit, dieses Rennens. Für mich, die ja normalerweise der unberührten Natur den Vorzug gibt, eines der schönsten Rennen überhaupt. Die Kombination aus Küste, Umland, aber auch einer schönen, modernen Stadt hat mich bisher jedes Jahr begeistert.

Race Report

Perfekter hätte der Renntag gestern nicht seinen können: leicht bewölkter Himmel mit Vorhersage knapp über 20°, kaum Wind und glattes Wasser am Schwimmstart. Man muss ehrlich sagen: nach den Regenfällen und Überflutungen der letzten Jahre hatte sich das Organisationsteam genau solch einen Tag redlich verdient.

Nach dem Schwimmen war wie erwartet der schnelle dänische Schwimmer Andreas Borch an der Spitze, aber Aaron Farlow ihm mit nur wenigen Sekunden Rückstand bereits eng auf den Fersen. Lange sollte es auch nicht dauern, dass dieser ihm die Führung abnahm und – so viel vorneweg – auch nicht mehr abgeben sollte. Hinter den beiden kamen in kurzen Abständen die vermeintlichen Favoriten Jimmy Johnsen und Tim van Berkel aus dem Wasser und es lag die Vermutung nahe, dass die beiden ihren Weg nach vorne in die Spitze antreten würden, da mit Farlow bereits vorne und mit Mads Vittrup-Pedersen kurz zurück sehr starke Läufer unterwegs waren.

Aaron Farlow mit Siegeswillen

Aber auch in diesem Rennen kam es anders, denn niemand hatte damit gerechnet, dass Aaron Farlow bereits auf dem Rad die Vorentscheidung

Foto: Aimee Minahan

suchen würde und am Ende mit mehr als 10 Minuten Vorsprung auf Van Berkel und 14 Minuten auf Johnsen in die Wechselzone einbiegen würde. Keiner der beiden konnte ihm mehr ernsthaft gefährlich, werden,  lediglich Mads Vittrup-Pedersen startete eine starke Aufholjagd und konnte letztlich Jimmy Johnsen noch auf den 3. Gesamtrang verdrängen. Farlow gewann die 3. Auflage des Challenge Kopenhagen in einer Zeit von 8:20h vor Vittrup-Pedersen in 8:24h.

Van Berkel brach beim Laufen völlig ein und finishte das Rennen deutlich außerhalb der Top 10. Bester deutscher Athlet wurde Joseph Spindler in 8:38h auf dem 5. Rang.

Hans musste leider bereits auf dem Rad einsehen, dass der Virus zu viele Körner gekostet hatte und ein Finish unmöglich war. Schade, aber das gehört eben auch zum Sport dazu.

Camilla Pedersen dominiert

Das Frauenrennen wurde fast vollständig von den amtierenden ITU-Ranglisten-Führenden Camilla Pedersen bestimmt, die ihr erstes Langdistanzrennen bestritt. Bereits mit den ersten Männern kam sie aus dem Wasser und lieferte ein stabiles Radrennen an der Spitze ab. Immer auf ihren Fersen: Altmeisterin Lisbeth Kristensen, die ein unglaubliches Rennen nach ihrer Babypause ablieferte. Auch Wenke Kujala schob sich schnell auf den dritten Platz nach vorne und fuhr lange Zeit mit dem schnellsten Radsplit durch das Feld, bis sie durch technische Probleme ausgebremst wurde. Dennoch konnte sie als 3. ihr Rad in die Wechselzone schieben.

Es folgte die Deutschen Julia Bohn und Katja Konschak 9 Minuten hinter ihr auf Platz vier und sechs zusammen mit Edith Niederfringer.  Kujala, die ebenso wie Bohn bereits 5 Wochen vorher beim Challenge Roth ein starkes Rennen abgeliefert hat, lief bis zum Ende nahe zu den gleichen Splitt wie die spätere Siegerin Camilla Pedersen, musste aber noch einen Platz an Konschak, die mit 3:07 den schnellsten Marathon lief, abgeben. Konschak auf Rang 3, Kujala auf 4 und Julia Bohn auf Rang 6 hinter Niederfringer, kann sich aus deutscher Sicht auf jeden Fall sehen lassen.

Um den Sieg hatten vorne Camilla Pedersen und Lisbeth Kristensen doch härter gekämpft als erwartet. Auf der 3. von 4 Laufrunden übernahm Kristensen plötzlich die Führung und das Rennen schien entschieden. Der Grund hierfür: Camilla Pedersen war auf einer Bordsteinkante ausgerutscht und konnte 9 Minuten nicht mehr aufstehen. Man dachte zunächst die Hüfte wäre gebrochen, dann ging es aber wieder und sie hat sich die Führung  zurück erkämpft. Umso mehr Respekt muss man der letztendlichen Siegerin Pedersen zollen, die an dieser Stelle nicht aufgab, sondern beherzt ihren Laufrhythmus behielt im kurz vor dem Ziel die Führung zurückzuholen und ihre erste Langdistanz mit einem Sieg in 9:12h beendete. Hut ab vor dieser Leistung.

Foto: Aimee Minahan

Jetzt geht es nach unserer skandinavischen Wettkampfreise nach Hause. Meine Saisonpause wird noch etwas verlängert und Hans Pause beginnt!

In den nächsten Monaten stehen einige Seminare und Events an, bevor die Ausrichtung wieder mehr in Richtung „sportlicher Praxis“ geht. Bis dahin genieße ich wie immer meinen Job als Trainerin. Mit Anjas (Beranek) Sieg beim 70.3 in Wiesbaden und Wenkes erneutem Top Resultat beim Challenge Rennen ging gestern wieder ein unglaublich schöner Tag für mich zu Ende.

Beste Grüße aus dem Norden

Eure Susa

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