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Norseman Extreme – 10 jähriges Jubiläum beim härtesten Langdistanz Triathlon der Welt!

Ich liebe dieses Rennen. Das wird mir in jenem Moment wieder bewußt, als wir genau vor einer Woche die letzten Kehren Richtung Eidfjord fahren, um dort wieder unser Appartement mit Blick auf den Fjord und damit auf die Schwimmstrecke zu beziehen.  Aber dennoch ein komisches Gefühl für mich dieses Jahr als Zuschauer und Supporter anzureisen, nachdem ich drei Jahre in Folge den Sprung von der Fähre wagen durfte. Natürlich hat man an ein Rennen, das man nur gewonnen hat immer gute Erinnerungen. Aber hier ist es deutlich mehr als das. Die Bilder der zahlreichen Topfotografen und die Videos bringen sehr nahe, welche unglaubliche Stimmung hier herrscht und welch überwältigende Szenerie das Rennen bietet.

Foto: NXTRI/José Luis Hourcade

Foto: NXTRI/José Luis Hourcade

Hinzu kommt: man weiß nie, was einen erwartet, bis zu dem Moment in dem der Startschuß fällt. Kaum ein anderes Rennen verändert sich so extrem in seiner Härte, allein durch die Wetterbedigungen.  Ich hatte bis auf Schnee alles –  nur keinen Rückenwind in den letzten Jahren: 2009 und 2010 heftigen Gegenwind, 2011 einen sehr kalter Fjord und Regen, dafür relativ wenig Wind. Die sehr kalten Temperatur im Fjord war der Grund,  warum der Schwimmstart kurzerhand verlegt und die Radstrecke um 20 km verlängert werden musste.  Das Ganze weniger als 24h vor dem Rennen.

„You never know, what you get“

Aber genau das macht dieses Rennen so einzigartig und spannend, dass es es geschafft hat, mich drei Jahre lang in Folge bei jeder Trainingseinheit zu motivieren und zu gedanklich zu beschäftigen.  Und kaum setze ich einen Fuß in den Eidfjord, merke ich, dass dies noch immer so ist und die Gedanken über einen Start 2013 beginnen sich im Kopf zu drehen.

Das Jubiläumsrennen 2012

Foto: NXTRI/José Luis Hourcade

Foto: NXTRI/José Luis Hourcade

2012 war das Jahr des Jubiläums und eine Vielzahl an starken Athleten war angereist, um sich die Krone und das schwarze Shirt mit dem Finish auf dem in 1880 Höhenmetern gelegenen Gaustatoppen zu holen.  Da sich jedes Jahr so viele Athleten um einen Startplatz bewerben, wurden dieses Jahr im Rahmen des Jubiläums zwei Rennen ausgetragen, um die doppelte Starterzahl zulassen zu können. Das Eliterennen fand  am Sonntag statt und es waren alle ehemaligen Sieger eingeladen. Viele davon haben den Weg in den Eidfjord gefunden.

Vorneweg Björn Andersson, der „Überbiker“ aus Schweden, der noch immer den Rekord auf diesem Kurs hält. 2005 war er der einzige Athlet, der den Weg auf den Gipfel einschlagen konnte, alle anderen wurden auf Grund einsetzenden Schneefalls auf die tiefer gelegene Route abgeleitet. Trotz dieser extremen Bedingungen konnte er den Rekord von unglaublichen 10:30 Stunden aufstellen.

Bis heute haben sich alle Athleten daran buchstäblich „die Zähne ausgebissen“. Selbst der 2-fache Hawaiisieger Tim deBoom blieb weit über dieser Fabelzeit.

Mein Tipp zum Rennverlauf: Björn Andersson wird es sein, den alle anderen Starter von Beginn an jagen werden, kann doch kaum jemand diesem exzellenten Schwimmer folgen.  Meine Vermutung ist, dass gerade die norwegischen Favoriten wie Tom Remman (Sieger 2009) und Henrik Oftedal (Sieger 2010) die Verfolgung auf dem Rad aufnehmen werden, dabei aber eventuell  einige wertvolle Körner für den abschließenden Marathon, der nicht weniger als 1500 Höhenmeter zu bewältigen hat, lassen werden. Das könnte zu Gunsten von Hans (Nilsson) passieren, der sicherlich auf dem Rad seine Schwierigkeiten haben wird zu folgen, dann aber die Verfolgung „per Pedes“ aufnehmen wird. 2:45 h war seine Marathonzeit vor vier Wochen beim Challenge in Roth. Ich bin gespannt wie kaum zuvor, wie das Finale in diesem Rennen ablaufen wird.

Im Frauenfeld sind es meiner Meinung nach drei Frauen, die sich um die Krone duellieren werden.  Da ist auf der einen Seite Marlin Lundvik, die starke Schwimmerin aus Schweden, die 2010 als 3. Und 2011 aus 2.  24 Minuten hinter mir auf dem Gaustatoppen gefinisht hat. Wenn sie es geschafft hat, an ihrer Radform zu arbeiten, dann wird es ein Kraftakt sie überhaupt auf dem Rad nach dem Schwimmen einzufangen. Auf der anderen Seite ist da Lisbeth Kenyon, die ursprünglich aus Norwegen stammt, nun aber in den USA lebt. Als 3-fache Altersklassensiegerin in Hawaii und sehr starke Radfahrerin, muss man sie unbedingt auf der Rechnung für den Sieg haben. Last but sicherlich nicht least aus deutscher Sicht: Ist Annett Finger – mein Tipp für den Sieg und bei den vorhergesagten Wetterbedingungen auch für einen neuen Rekord. Ihre Top10-Leistung beim Challenge Roth 2011 zeigt, dass sie hier alle Karten in der Hand hat, die Krone wieder nach Deutschland zu holen.

Der Rekord

Momentan schwanke ich zwischen: ich hoffe auf Gegenwind, dass zumindest mein Rekord erhalten bleibt, wenn ich schon mein Versprechen halte und nach dem Hattrick nicht an den Start gehen, oder: wenig Wind, damit Hans nicht zu viel auf die starken Radfahrer verliert und somit eine gute Chance hat, die Krone wieder in unser Haus zu holen. Nein, ich schwanke nicht mehr. Natürlich hoffe ich auf letzteres. Ich hab meinen Rekord bei Schwimmen gegen die Flut und auf einer um 20 Kilometer verlängerter Radstrecke aufgestellt. Mir ist mir bewußt, dass dieser bei „normalen“ Schwimmbedingungen und der momentanen Windstille, leicht zu brechen ist. Also eine weitere Motivation (irgendwann) zurückzukommen, um den Streckenrekord zurückzuholen, die ich eigentlich gar nicht brauche, weil ich sowieso wieder hierher zurück muss. „Someone made a race for me.“ Das sagt ich 2009 schon nach der ersten Inspektion und es fühlt sich immer noch genauso an. Derjenige ist Paal Harek Stranheim, der auch dieses Jahr wieder selbst an der Startlinie stehen wird. Beim Jubiläum natürlich mit der Startnummer 1. Ich hab die Ehre, ihn im abschließenden Trail supporten zu dürfen, nachdem ich Hans hoffentlich sicher und gesund an der Ziellinie begrüßt habe.

Foto: Dominik Hartmann

Foto: Dominik Hartmann

Ich freue mich auf Sonntag, auch wenn es mir noch nie so schwer gefallen ist, bei einem Rennen nur zu supporten und nicht zu starten. Normal kenne ich das Gefühl nicht, denn ich liebe es als Coach oder Betreuer am Streckenrand zu stehen.  Schon die letzten Tage waren voller Spannung und auch

 Foto: Dominik Hartmann

Foto: Dominik Hartmann

Programm von Seiten der Norseman Organisation, die ihre 550 Athleten, die auf zwei Renntage verteilt an den Start gehen werden, gut unterhält!

Heute Morgen wurde in einem gemeinsamen Freiwasserschwimmen der Fjord getestet und anschließend konnten Athleten und Begleiter noch Kaffee und Cookies vom Sponsor „United Bakkeries“ genießen.

Für Hans und mich ging es danach zu einem kleinen aber feinen Fotoshoot gemeinsam mit unserem Sponsor Skinfit. Auch eine willkommende Aktion Hans davon abzulenken, zu viel Nervosität vor dem großen Tag aufzubauen.

Die Planung ist die halbe Miete

Beim Norseman wird die komplette Versorgung durch den eigenen Support gestellt und das bedarf einer sehr genauen Planung. Mein „Roadbook“ war immer minutiös geplant und die Basis für meinen Erfolg.  Jeder im Team hat seine Aufgabe und wird am Abend fast ähnlich müde wie der Athlet sein, um den sich hier alles dreht. Aber das ist genau das, was das Rennen so besonders macht für Athlet und Team. Bei keinem anderen Rennen rückt alles so eng zusammen wie hier.

Race Report Norseman

Ziemlich übermüdet schreib ich jetzt ein bisschen verspätet den Blog zum Norseman-Rennen 2012. Hans hat es leider in der Nacht vordem Rennen erwischt und er musste diese fast komplett auf der Toilette verbringen: Noro Virus.  Ein 24h-Virus, der zu keinem schlechteren Zeitpunkt hätte kommen können, als ca. 10 Stunden vor dem Start. In der Nacht um 2 Uhr –  als der Wecker klingelt – war klar, dass Hans nicht starten würde können.  Es war für mich bereits die zweite Nacht ohne Schlaf, da ich schon den Vorlauf und Start des ersten Norseman Rennens am Samstag verfolgt hatte.

Rekordwetter

Da es das 10. Jubiläum war, konnten dieses Jahr die doppelte Anzahl an Athleten an zwei Renntagen starten. An beiden Tagen waren optimale Bedingungen: Ruhiges Wasser, leichter  Rückenwind und Samstag sogar ausschließlich Sonnenschein. Ich gebe zu, dass ich etwas wehmütig feststellen musste, dass ich meine Norseman Pause genau in dem Jahr genommen habe, in dem es Rekordwetter hatte. Im letzten Jahr hatte ich auf Grund der schlechten Wettervorhersage sogar meine Uhr zu Hause gelassen: Schwimmen gegen die Flut, 20km extra auf dem Rad plus Regen und Wind, hatten mir den Glauben an einen Rekord frühzeitig  genommen. Aber es war ein Irrtum, ich konnte trotz der widrigen Bedingungen eine neue Bestzeit aufstellen, allerdings war mir damals schon klar, dass dieser Rekord nicht lange Bestand haben würde. Nach der Wettervorhersage und dem Wissen, dass mit Julia Nikolopoulus am Samstag und vor allem Annett Finger am Sonntag zwei Athletinnen am Start stehen sollten, die bei diesen Bedingungen bei einem gutem Rennen unter meiner Zeit bleiben könnten. Etwas mehr als 38min hatten mich die 20km extra damals gekostet und ca. 10-15min hat die Flut das Schwimmen langsamer gestaltet. Somit war mir klar, dass die neuen Bestzeiten enorm schnell sein könnte.  Nachdem Julia am Samstag meinen Rekord mit 10min knapp  unterboten hatte,  hatte ich mit einer Zeit von 12:15-12:30 von Annett spekuliert.

Ihre 12:17 h sind ein unglaubliches Ergebnis, das wahrscheinlich auch für längere Zeit Bestand haben wird, denn es ist schwer vorstellbar, dass ein Renntag wieder ähnlich perfekt ablaufen wird. Großen Respekt aber auch an Charlotte Knutsen und Lisbeth Olsen Kenyon, die bis zum Anstieg nah an Annetts Fersen hingen, sie dann aber ziehen lassen mussten. Meiner Meinung nach, das bisher spannendste Frauen-Rennen beim Norseman Extreme der letzten 10 Jahren mit einer sehr verdienten und sympathischen Siegerin am Ende!

Das Männer-Rennen

Bei den Männern stand zu Beginn alles im Zeichen vom bisherigen Rekordhalter Björn Andersson. Er kam mit einem soliden Vorsprung als erster aus dem Wasser und wie gewohnt startete er ein starkes Rennen auf der mit mehr als 3000 Höhenmetern bestückten Radstrecke. Allerdings waren wir von Anfang an verwundert, konnte er sich doch nicht vom Feld absetzen, sondern vor allem der spätere Sieger Henrik Oftedal kam mit jedem Kilometer und vor allem Höhenmeter näher und näher. Plötzlich dann die Meldung: Björn ist raus aus dem Rennen. Der Grund war eine Erkrankung, die sich schon über das ganze Jahr zieht und einen Start von Anfang an in Frage gestellt hatte.

Tom Remman, der Sieger von 2009 war es, der als erster in die Wechselzone einbiegen konnte, mußte aber den 30 Sekunden später folgenden Oftedal sehr schnell per Pedes ziehen lassen. Dieser flog regelrecht über den Laufkurs und schien die  Höhenmeter nicht zu spüren. Für mich eine Inspiration, denn der Wille, dieses Rennen zu gewinnen und auch den Rekord zu holen war ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

Besondere Aufgabe

Während die Männer noch auf der Strecke kämpften, durfte ich mich für eine weiter besondere Aufgabe an diesem Tag fertigmachen: Ich sollte niemand anderen als Paal Harek Stranheim, den Gründer des Rennens, bei seinem Weg über den Berg als Support begleiten.  Ich bin sehr stolz darüber und habe diese Aufgabe unglaublich genossen. Auch der Abstieg vom Gaustatoppen bei Sonnenuntergang war sehr speziell: erst die perfekte Aussicht auf Südnorwegen und später einsetzender Hagel und fast sturmartigen Wind. Ein Tag –  vollgepackt mit Erlebnissen, der mich am Ende dann doch sehr müde gemacht hat. Kein Grund aber nicht zum abschließenden Finisher Buffet zu gehen, wo sich traditionell nach und nach alle Athleten und Begleiter des Rennens treffen.  Eine Besonderheit des Norseman, die den Spirit nochmals unterstreicht.

Top-Ten Männerrennen 5.8.2012

1. Henrik Oftedal (NOR) 10:23:43

2. Lars Petter Stormo (NOR) 10:42:45

3. Tom Remman (NOR) 10.53:52

4. Øyvind Lillehagen (NOR) 10:59:57

5. Lennart Moberg (SWE) 11:09:40

6. Knut Ole Thoreplass (NOR) 11:13:54

7. Rune Høydahl (NOR) 11:15:27

8. Marcus Hultgren (SWE) 11:23:26

9. Kristian Horne (NOR) 11:24:23

10. Gjermund Nordskar (NOR) 11:26:32

Top-3-Frauen

1. Annett Finger (GER) 12:17:04 **

2. Charlotte Knudsen (NOR) 12:29:20

3. Lisbet Olsen Kenyon (USA) 12:46:42

Norseman Extreme Triathlon – Rennen am 4.8. 2012

Männer

1. Arnaud Epp (FRA) 11:37:05

2. Per Øyvind Alvim (NOR) 11:51:10

3. Øyvind Slørdahl (NOR) 12:00:59

Frauen

1. Julia Nikolopoulos (GER) 13:00:40

2. Ingrid Lorvik (NOR) 13:02:35

3. Sue Smith (GBR) 13:43:
Alle Ergebnisse

Für mich steht fest: ich werde nächstes Jahr hier wieder am Start stehen und Hans auch. Kein anderes Rennen motiviert mich, so hart und speziell zu trainieren, wie dieses. Die letzten Jahre war ich sehr müde und hatte immer das Gefühl, ich bräuchte eine längere Pause. Die nehme ich mir momentan. Seit dem Celtman war ich nur einige wenige Male laufen und ich werde auch sehr sanft ins Training wieder einsteigen.  Priorität haben momentan die Firma und einige Events im Herbst, bevor es im Frühjahr wieder in die Trainingslager geht. Ein spätes Rennen in der Saison 2012 wird es für mich nicht geben, da ich gemerkt habe, wie tief die Müdigkeit sitzt und ich dieses Gefühl erst einmal loswerden möchte!

Nächste Woche melde ich mich zum Challenge in Kopenhagen!

Bis dahin! Eure Susa

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