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Challenge Roth … kaum in Worte zu fassen, …

… was dieses Rennen für mich bedeutet.  Im heutigen Blog, kurz nach dem Rennen, liegt es nahe, dass ich meine Zeilen dem Traditionsrennen in meiner Heimat widme, denn bereits seit meiner Rückkehr aus Schottland, dreht sich alles um dieses Rennen. Und das bereitet mir eine Menge Spaß.Foto: Jimmy Johnsen - nicht frei

Schon vor mehr als 20 Jahren stand ich als „Helferlein“ an eine Verpfelgungsstation und pries fleißig „Iso, Wasser, Gels“ an. Kein Zufall also, dass ich vom Triathlonvirus infiziert wurde und das auch noch mit Haut und Haar, schließlich dreht sich heute alles sowohl beruflich als auch in weiten Teilen meiner Freizeit um diesen Sport.

Vor knapp zwei Wochen war ich selbst noch in der Situation des aufgeregten Athleten am Tag vor dem Rennen, doch irgendwie fühlte ich die Tage vor dem Rennen in Roth mehr Nervosität als vor meinem eigenen Start. Beim Challenge Roth bin ich Trainerin – auch wieder mit Haut und Haar. 2007 hab ich zum letzten Mal den Spagat gewagt, in Roth sowohl auf der Messe und rund um das Rennen für meine Firma und Athleten da zu sein und dann selbst am Sonntag an der Startlinie zu stehen. Mein Kopf war aber nicht da, wo er als Athlet hingehört, der richtige Fokus gelang mir nicht. Ein 9. Platz und immerhin noch eine gute Zeit deutlich unter 10 Stunden war zwar ein ordentliches Finish, aber nicht das, was ich selbst von mir erwartet habe. Damals wurde mir schon im Rennen klar: hier zu Hause, an meinem „Arbeitsplatz“ gehöre ich neben die Strecke und nicht auf diese.

Emotionen kochen über

Der Renntag am vergangenen Sonntag verging wie immer wie im Flug und am Abend stand ich ähnlich erschöpft wie nach einem Wettkampf im Zielgelände und schau mir das Feuerwerk an und dachte wieder, was dieses Rennen doch für ein unglaubliches Event in meinem Landkreis ist. Sehr emotional –  selbst für mich, die schon so viele Rennen auf der ganzen Welt erlebt hat. Einfach nicht zu toppen!

Dieses Mal war es für mich noch ein bisschen heftiger, stand doch mein Lebensgefährte Hans (Daugaard Nilsson) und meine langjährige Freundinnen Wenke (Kujala) am Start des Profirennes, die ich auch beide auf dieses Rennen vorbereitet habe. Im Profifeld dazu noch Linda Schücker und noch viele, viele Altersklassen-Athleten.

Tipps & Tricks

Den Rennvortag hatte ich auf der Messe verbracht, um noch einmal Anlaufstation für unsere Professional Endurance Team Athleten zu sein, aber auch, um noch vielen anderen Sportlern letzte Fragen zu beantworten. „Wie verpackt man Salztabletten auf der Laufstrecke“, „Wo stellt man sich beim Start am besten auf“, „Wie viele Gels brauche ich pro Stunde“, „Ab wann darf ich Cola trinken“. So lauten nur einige wenige Fragen, die kurz vor dem Wettkampf noch auftauchen und die ich gerne beantworte, da ichdas Gefühl der Unsicherheit vor dem Start nur allzu gut kenne.

Meine Antworten lauten also beispielsweise: Die Salztabletten können u.a. in einer ausgepolsterten TicTac-Schachtel untergebracht werden. Pro Stunde sollten ca. 2-6 (á 0,5 bis 1,5 Gramm Natrium) aufgenommen werden. Ergänzend muss natürlich Energie zugeführt werden: 70-90 Gramm Kohlenhydrate je nach Gewicht des Athleten, Wetter und Intensität. Und dann natürlich keine Experimente während des Rennens mit nicht getesteten Nahrungsergänzungsmitteln machen. Cola würde ich von Anfang an beim Marathon und regelmäßig im Wechsel mit Gel und Wasser nehmen.

Der wichtigste Rat, den ich jetzt aber kurz vor dem Rennen geben kann, lautet: Einmal kräftig durchschnaufen und alle Fragen aus dem Kopf verbannen, denn irgendwann muss einfach Ruhe einkehren und etwas Energie gesammelt werden.

Es hilft, wenn man sich bewusst macht, dass man jetzt endlich so kurz vor dem Ziel ist. Die Freude auf das Rennen ist entscheidend und sollte alle Fragen im Kopf einfach verdrängen.

Also: einmal tief durchatmen und daran denken,  einfach nur einen Tag Sport zu machen!

Das Rennen selbst – Update eines unglaublichen Tages!

Kurz nach dem Rennen sitz ich wieder am Rechner: müde, aber glücklich: Mussten einige Athleten den Traum einer neuen Bestzeit auf Grund der extremen Windverhältnissen auf der Radstrecke in Roth zwar verwerfen, standen an diesem Tag auch viele unglaubliche Leistungen zu Buche. Emotional war das Comeback von Wenke (Kujala) auf dem 8. Gesamtrang in 9:25h, also fast in persönlicher Bestzeit, ein ganz großes Erlebnis. Sie kann wahrlich stolz sein, meistert sie doch die Aufgabe „Mama zu sein“ hervorragend, ebenso wie ihren Job als Teamleiterin beim Team Erdinger. Ich als Trainerin weiß, wie oft sie Kompromisse eingeht, beziehungsweise ihr gesamtes Training in einem sehr kleinen Zeitfenster managen muss.

Auch Linda (Schücker) hat nach sehr guter Schwimmleistung und starker Radleistung das Rennen in ihrer gewohnten Manier nach Hause gebissen, musste den extremen Bedingungen aber etwas Tribut zollen. Ich bin stolz auf sie, denn sie funktioniert auch an solch einem Tag wie ein Uhrwerk und beweist damit wieder, wie stark sie mental ist. 9:48 kann sich bei diesen Bedingungen wirklich sehen lassen.

Ich selbst fieberte am Sonntag natürlich besonders mit meinem Freundes Hans (Nilsson) mit. Er hatte sich kurz vor dem Rennen noch zwei Rippen gebrochen und somit schwang eine gewisse Unsicherheit, ob sich das auf seine Leistung auswirken würde, mit.

Nach überraschend starker Schwimmzeit von 51min, fehlte ihm etwas der Druck auf dem Rad gegen den für Roth ungewöhnlichen starken Wind und er stieg etwas enttäuscht zwischen Platz 30 und 40 vom Rad. Die Enttäuschung hat aber scheinbar dann einen Turbo beim Laufen bei ihm ausgelöst. Er startete eine massive Aufholjagd und lief die ersten 25km mit Kurs auf einen 2:36h Marathon. Dass das momentan noch nicht in seinen Möglichkeiten steht, wissen wir beide, aber zumindest hat er sich bei diesem  Tempo schon sehr wohl gefühlt. Die auf dem Rad gelassenen Körner, zwangen ihn aber das Tempo etwas zurückzufahren, dennoch konnte er das Rennen als gesamt 16. mit der dritt schnellster Laufzeit in 2:45 h beenden.

Wow … was für ein Tag! Meine Profiathleten und auch die meisten meiner Alterklassen-Athleten konnten den harten Bedingungen trotzen und den Tag sehr erfolgreich beenden.

Ironman Frankfurt: Anja auf Platz zwei

Und das war am vergangenen Sonntag noch nicht alles. Auf Grund eines leeren Handyakkus, bekam ich nichts davon mit, dass während ich in Roth die Athleten anfeuerte, eine weiter Athletin von mir gerade ein „dickes“ Ausrufezeichen setzen konnte. Anja Beranek (frühere Ippach) sammelt in dieser Saison Punkte für Hawaii und war aus diesem Grund beim IM in Frankfurt am Start, um dort das Feld der Frauen richtig aufzumischen. Sogar die momentan in dieser Sportart dominierende Carolin Steffen musste ihr immer wieder die Führung überlassen und konnte sich erst beim Laufen von Anja absetzen. Auf dem Marathon verlor Anja auf Grund von Krämpfen zwar noch einige Minuten, konnte aber dennoch den 2. Platz sichern. Ich hatte Ihr vorher „ganz knapp über 9h“ prognostiziert und sie kam mit 9:05 ins Ziel. Punktlandung, aber das bei wesentlich härteren Bedingungen als vorher gedacht. Viele der vermeintlichen Favoriten auf das Podium mussten das Rennen vorzeitig beenden oder blieben deutlich unter Ihren Erwartungen. Anja hat meine mehr als erfüllt und kann jetzt erst einmal ihren größten Erfolg ihrer Karriere feiern.

Ich muss sagen, dass ich meinen Job und aber auch die Tatsache, meine Heimat im Triathlon-Mekka schlechthin zu haben, bis zur letzten Sekunde an diesem Tag genossen habe. Egal ob Profi oder Amateur – ihr habt  mich alle den ganzen Tag unter Spannung gehalten.

Nach einmal Ausschlafen geht es mit gewohnter Frische wieder an die Arbeit, denn es stehen noch viele Rennen in diesem Jahr an.

Eure Susa

Fotos: Jimmy Johnsen

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