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„Marketing will kill us all“ –

ein weises Zitat, wenn es um Laufschuhe geht

Ja, ich traue mich! Ich traue mich in der Hochphase von natürlichem Laufen, Leichtgewicht-, Zehenschuhen und Ähnlichem in  meinem Blog über  Dinge wie den Sinn der Schuhsprenung, Dämpfung und Unterstützung bei Laufschuhen zu schreiben. Warum? Ganz einfach, weil ich die Achilles-, Waden- und anderen Strukturproblemen meiner Athleten und vieler sportlichen Freunde leid bin.

Wann Minimallaufschuhe und wann nicht?

Vorneweg: ich habe überhaupt nichts gegen Barfußlaufen und dynamische, reduzierte Schuhe. Ich bewege mich den halben Tag ohne Schuhe durch die Gegend, trage auch beim Lauf ABC ein direktes Schuhmodel mit wenig Dämpfung- und Sprengungsunterstützung, aber weiß einfach genau wo die Grenzen meiner „Strukturen“ liegen. Und da sind wir genau beim Knackpunkt an der ganzen Sache: momentan ist der Trend bei bei möglichst flachen Schuh angekommen und täglich lese ich die „posts“ in einem sozialen Netzwerk, dass Athleten mit Stolz berichten, dass sie 1 h mit ihren neuen Zehenschuhen gelaufen sind. Die gleichen Athleten, die ein paar Tage später über eine Reizung der Achillessehne klagen oder über eine gezerrte Wade.

Ungewohnte Belastung

Warum? Weil sie über die letzten Jahre mit Hilfe der Sprengung (Fersenerhöhung) der Schuhe die Strukturen und Muskelfasern auf eine bestimmte Belastung und Dehnung geprägt haben und diese nicht einfach so von heute auf morgen zu verändern sind. Weil es momentan von allen Seiten so vorgegeben wird, wird die Sprengung bei vielen Schuhen von 8—12 mm runter bis auf 4 mm reduziert.

Die Ferse wird nun bei jedem einzelnen Schritt deutlich weiter abgesenkt und damit eine enorm hohe Spannung aufgebaut. Sehnenreizungen und Zerrungen sind die logische Folge und nicht ohne Grund momentan Verletzungsursache Nummer eins. Ich hab bereits viele meiner Athleten durch einen simplen Schuhkauf in diese Richtung kuriert und werde auch sicher nicht damit aufhören, gegen diese Modeerscheinung zu propagieren.

Und jetzt nicht falsch verstehen: niemand sollte im Schuhschrank nur die 12 mm Version stehen haben.

Die Frage ist nur: Welchen Schuh für welches Training geeignet sind?

Und: wie bereite ich meine Strukturen (Muskeln, Sehnen, Bänder) langsam auf die Umstellung hin zu dynamischeren Schuhen vor? Ich wage zu behaupten, dass  eine Saison nicht ausreicht, um eine Sprengungsverkürzung von 4 mm auf längere Läufe (2h) umstellen zu können. Hinzu kommt, dass wir im Triathlon Wettkampf immer unter Ermüdung laufen, das heißt die Strukturen noch anfälliger für Verletzungen sind.

Daher kurze, technische Trainingseinheiten mit den Leichtgewichten: ja, Wettkämpfe vor allem über die längeren Distanzen erst, wenn die Umstellung erfolgt ist.

Kurze Barfußlaufeinheiten

Was kann man nun tun, um seine Strukturen wieder optimieren zu können. Das Barfußlaufen gehört ohne Zweifel dazu. Anfangs nur kurzes Auslaufen zum Beispiel im Gras oder Sand, später kleinere Technikeinheiten auf weichem Untergrund. Das A und O ist ausgiebiges Stretching der oberflächlichen und des tiefliegenden Wadenmuskeln nach kurzer Aufwärmphase und noch mal nach der Einheit.  Ein zusätzliches Kräftigen der Fußmuskeln unterstützt die Anpassung.

Der Hauptfaktor ist aber wie schon genannt der Zeitfaktor. Laufeinheiten im Minimal- oder Zehenschuh sind nichts für Athleten, die sich zum ersten Mal mit diesem Thema befassen. Dennoch trägt sie irgendwie jeder momentan. Um sich im Alltag damit fortzubewegen ok! Für Trainingseinheiten – ein no go.

Deutliche Kennzeichnung der Schuhmodelle

Ich lobe an dieser Stelle die Schuhhersteller, die die Fersen Sprengung deutlich am oder im Schuh markieren und eine klare Einteilung ihrer Schuhe nach Nutzung aufweisen. Jeder Schuhtyp,  ob gedämpft oder ungedämpft, hohe Sprengung oder niedrige, Stabilisierung oder neutral, hat seine Berechtigung. Nur nicht jeder Athlet kann jeden Schuh laufen. Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass nicht jeder Trend für einen selbst gedacht ist.

Ich weiß, dass ich mit diesem Blog die eine oder andere Kritik von den Verfechtern des natürlichen Laufens ernten werde, aber wenn ich nur 3-4 Athleten von ihren Achillessehnen- oder Wadenproblemen befreien kann, dann war er es schon wert!

Eure Susa

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