Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Susa`s Blog: Triathlon-Training mit Susanne Buckenlei

Die Wettkämpfe kommen näher  – was ist zu tun!

Letzte Woche hab ich selbst festgestellt, dass der erste Saisonhöhepunkt schon ziemlich näher gerückt ist, daher heute ein paar Worte zum „Was, wie, wann, warum“  – d.h. was trainiert man noch die letzten Wochen bis zum Rennen.

Strukturen, für sinnvolle Einheiten schaffen

Wenn ich so kurz vor dem Rennen steh, dann gehe ich vom Wettkampftag rückwärts bis zum aktuellen Tag meinen Terminkalender durch, um zu sehen, welche Möglichkeiten mir eigentlich noch bleiben, spezifische und umfangsreiche Trainingstage einzubauen. Und bis wann macht es denn überhaupt noch Sinn, zu trainieren. Da ich immer zwei Wochen auf ein langes Rennen „hin taper“, fallen also die letzten zwei Wochen ganz weg.  Generell gibt es nicht die eine und einzige Regel, wie man den Körper vor dem Rennen erst erholt und dann rechtzeitig wieder aktiviert. Der eine Athlet  benötigt drei Wochen Ruhe, der nächste zwei und einige wenige Sportler tapern so gut wie überhaupt nicht vor einem Wettkampf.  Ich möchte hier auch keine Variante als die einzig und alleinig schnell machende nennen, denn Tapern ist schlichtweg sehr individuell.

Die Ruhe vor dem Sturm

Ich persönlich muss meinen Körper erst deutlich runterfahren, dann aber bewußt wieder aktivieren und auf die anstehende Belastung durch kurze intensive Einheiten vorbereiten. Als Trainer bedarf es viel Feingefühl rauszufinden, ab wann die Ruhe für den Athleten zu viel ist und ihm zu viel Spannung genommen wird oder wie viele ruhige Tage nötig sind, dass die Erholung vom vorausgegangen Training abgeschlossen ist.

In den letzten zwei Wochen vor der Taperzeit ist es mir dann wichtig, dass ich sehr qualitativ, aber nicht unbedingt mehr so umfangreich trainiere. Also wieder zwei Wochen, die extrem lange Einheiten nicht zwingend enthalten sollten, dafür aber die eine oder andere Einheit, die in oder auch über der Wettkampfbelastung durchgeführt werden sollte. Die Basis/Grundlange sollte zu diesem Zeitpunkt stabil stehen, somit darf jetzt der notwendige Feinschliff im Tempodauerbereich gesetzt werden.

Also kurz vor dem Tapern kein Stunden- und Kilometersammeln um jeden Preis mehr, sondern ausgewählte Einheiten, die den Körper genau auf den möglichen Wettkampfbereich einstellen.

Die Vorteile sind qualitative Reize und weniger Gefahr noch in die tiefe Ermüdung zu steuern, da – wenn der allgemeine Stress dabei auch reduziert wird  – auch entsprechende Regenerationszeit nach dem Training bleibt.

Auf den Bauch hören und qualitativ gut trainieren

Da am Ende dann doch die Lust auf die Standarthausrunden häufig immer weniger wird, empfiehlt es sich, nach Möglichkeit das Trainingsterrain auch mal für 3-4 Tage zu verlassen und nochmal etwas Abwechslung ins Training zu bringen. Ich suche mir gern Gefilde mit sowohl langen Anstiegen für ein letzte Kraftausdauertraining auf dem Rad, als auch flache Strecken für progressive dynamische Ausfahrten im Wettkampfbereich oder etwas darüber. Es fällt meist leichter, als zu Hause den gewohnten Wochenend-Trainingsrhythmus durchzuziehen, falls die Lust auf Training langsam nachlässt.

Ich gebe es auch gern zu: ich hatte schon Jahre, in denen ich mich nicht mehr aufraffen konnte, noch auf mein Rad zu steigen. Alternative: zügige Bergtouren mit Laufanteilen. Das schnelle Steigen gibt enorme Kraft und die Laufanteile sorgen für die nötige Dynamik. Dazu kommt, dass man den Berg ja auch wieder runter muss und durch die hohe exzentrische Belastung das Bindegewebe einen hohen Reiz erfährt und sich weiter entwickelt in der Regeneration.  Tatsächlich bin ich vier Wochen vor meinem 3. Platz beim Ironman UK aus Unlust auf Radfahren, die letzten beiden Trainingswochenenden nur noch zu Fuß unterwegs gewesen.

Eine Menge Vertrauen in den allgemeinen Effekt sportlicher Bewegung ist natürlich notwendig, aber für mich war vor allem wichtig, dass ich meine Motivation und meinen Antrieb im Training nicht verliere – so kurz vor dem Rennen. Das Ergebnis hat auch bewiesen, dass der alternative Weg in diesem Fall der Richtige war.

Eine allgemeine Empfehlung ist das sicherlich nicht, aber der Tipp, öfters mal auf das Bauchgefühl zu hören.

Also: setzt Euch hin und verschafft euch einen Überblick, wie lange es noch bis zum Wettkampf ist und schafft Struktur, für sinnvolle Einheiten zur richtigen Zeit!

So long … eure Susa

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden