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Training nach Watt

Ich muss hier zuerst eine kleine Beichte ablegen: auch wenn die Wissenschaft rund um das Training mein Beruf und meine Leidenschaft ist,  gehöre ich zu den Menschen, die sehr viel in ihrem Training intuitiv steuert. Sowohl was die Festlegung der Trainingseinheiten betrifft, als auch die Intensität. Das ist für einen Teil meines Trainings  ok, aber natürlich nicht für die wirklich entscheidenden und wichtigen Einheiten. Und gerade als Trainer bevorzuge ich die Arbeit mit Messgeräten, die es möglich machen Training klar zu definieren, zu steuern und auch zu analysieren. Dafür dient einerseits der Herzfrequenzmesser und auf der anderen Seite der Wattmesser.

Egal ob als Trainer oder Athlet, ich bevorzuge ein kombiniertes herzfrequen- und wattgesteuertes Training, denn die Herzfrequenz ist ein von außen beeinflussbarer reaktiver Parameter, die Wattleistung dagegen ist ein direkt messbarer unveränderbarer Parameter.

Der Wattmesser zeigt mir zum Beispiel in der anschließenden Analyse des Trainings oder Wettkampfes, ob ich meinen Körper zu häufig extremen Spitzenbelastungen ausgesetzt habe, oder zu viele wert- bzw. „wattlose“ Kilometer gefahren bin. Triathlon hat einen Zeitfahrcharakter, das heißt die Belastung muss möglichst gleichmäßig sein und die metabolisch erbrachte Leistung nahe meiner Durchschnittsleistung sein. Beim Norseman, dessen Radstrecke mit 3500 Höhenmetern gespickt ist, hängt mein Marathon entscheidend davon ab, ob ich meine individuellen Belastungsbereiche auch am Anfang, wo mein Körper noch zu viel Energie und Adrenalin besitzt, einhalte. Meine Radzeit dagegen kann ich nur dann perfektionieren, wenn ich in den Flachstücken und Abfahrten die Leistung hochhalte.

Die Herzfrequenz würde mir diese Belastungsextreme immer erst zeitversetzt und nie im Maximum oder Minimum anzeigen.  Diese Problem hat man bei rein Herzfrequenz gesteuertem Training sowohl im Training, als im Wettkampf vor allem bei kurzen Anstiegen. Die Belastung und damit auch der Laktat(säure)anstieg in der Muskulatur steigt kurzfristig sehr stark an. Ist die Belastungsspitze allerdings nur sehr kurz, kann die Herzfrequenz diese Belastung für den Körper nicht widerspiegeln, weil  die Reaktionszeit zu kurz ist. Auf der Pulsuhr sehe ich also zu spät, dass die Belastung zu hoch war. Und da die Leistung schon wieder abfällt, wird das Ausmaß der Belastungsspitze auch nie in vollem Maße gezeigt, da der Puls bereits wieder sinkt.

Auch  Bewegungsmediziner Dr. med Florian Wenk, nützt die Vorteile des leistungsgesteuerten Trainings: „Eine sinnvolle Bestimmung der Belastung in Training und Wettkampf ist Voraussetzung für sportlichen Erfolg. Angesichts enger Zusammenhänge von Stoffwechselparametern und erbrachter Leistung besteht in der Kontrolle des Radtrainings durch einen Leistungsmesser der Vorteil, Belastungsintensitäten eines Leistungs- oder Feldtests wissenschaftlich aussagekräftig  zu reproduzieren. Insbesondere bei Zeitfahr- und Intervalltrainings findet der Athlet darin ein zusätzliches, objektives Feedback über seine Performance. Im Wettkampf schließlich besteht nicht nur die Möglichkeit einer exakten Kontrolle der Pace, sondern auch der hochgenauen Analyse von Zeitfahr-Rennen mit dem Ziel einer Optimierung der sportlichen Leistung.“

Zielgerichtet und genau trainieren

Möchte ich meinem Athleten einen definierten Belastungsbereich für sein Training vorgeben, kann ich durch die Wattmessung garantieren, dass er sich vom ersten Meter an in diesem Bereich befindet. Versucht er dagegen von Anfang an im richtigen Pulsbereich zu fahren, wird er anfangs zu hart fahren und später die Belastung reduzieren müssen, da die Herzfrequenz auch mit Dauer der Belastung steigt. Natürlich kann ich als Trainer darauf reagieren, in dem Pulsbereich progressiv gestaltet werden, aber die persönliche Dynamik des Herzfrequenz des Athleten ist nicht von Tag zu Tag gleich und verändert sich auch im Trainingsprozess.   Vor allem bei langem Kraftausdauertrainingseinheiten tritt diese Problematik deutlich auf.

Die Herzfrequenz kann sich von Training zu Training ändern

Die Herzfrequenz unterliegt auch Schwankungen auf Grund von Klimawechsel, Ermüdung, Dehydrierung und Kohlenhydratverarmung. Die Wattmessung bleibt in den genannten Fällen aber immer konstant. Natürlich benötige ich den Pulsmesser, um durch Vergleich der Wattleistung mit der Herzfrequenz eine klare Aussage zu bekommen, ob ich zum Beispiel ermüdet, dehydriert oder den klimatischen Bedingungen zu wenig angepasst bin. Versuche ich zum Beispiel übermüdet ein Intervallprogramm zu fahren, wird mir der Wattmesser meine gewohnt Leistung im Antritt. Der Blick auf die Pulsuhr wird mir aber zeigen, dass ich nicht mehr fähig bin, meine Herzfrequenz zu pushen, egal bei welcher Belastung. Ein klares Zeichen, ein Training zu beenden.

HF und Watt kombinieren

Somit ist die Kombination Herzfrequenz- und Wattmessung die ideale Form für die Training- und Wettkampfsteuerung. 

Und noch ein Geständnis: natürlich gefällt es mir auch, wenn ich nach einigen Wochen Training schwarz auf weiß sehe, dass ich deutlich mehr Watt ohne Probleme über einen langen Zeitraum fahren kann und bei Spitzenbelastungen über einen definierten Zeitraum, mehr Druck aufs Pedal bringe. Umgekehrt gibt es aber an müden Tagen auch zu denken, wenn  sich die Leistung im Kompensationsbereich bereits nach Trainingsbelastung anfühlt. Ändert sich dies auch nach einer Stunde nicht, ist es auch mal Zeit früher umzudrehen.

Ich vertraue übrigens auf das Wattmessgerät von power2max, das ich nur weiterempfeheln kann.

Gefühl ist gut … echte Kontrolle ist besser!

Bis zum nächsten Blog zum Thema „Auswahl der Vorbereitungswettkämpfe“

Eure Susa

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