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Survive the desert: Ein Extremlauf durch die Wüste

18. Juni 2015 von Christine Waitz

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Das erzählte er uns in seiner Vorbereitung:

Uta Rau, einmaligIn der Vorbereitung auf einen Lauf merke ich immer erst auf was für eine Aufgabe ich mich da eingelassen habe. Sechs Tage, 350 Kilometer durch zwei Wüsten und dabei die gesamte Versorgung mit Wasser und Nahrung am Mann tragen.

Auf der Strecke von Uyuni nach Iquique bewege ich mich auf Höhen zwischen 2500 und 3800 Meter. Im Höhentraining merke ich dann deutlich, dass der Berliner Flachlandbewohner in diesen Höhen nichts zu suchen hat. So werden die ersten Höhentrainings wirklich hart. Aber auch hier merke ich deutlich, dass der Körper sich immer mehr darauf einstellt und den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft optimal verarbeitet.

Zudem bin ich dabei die Körperfunktion des Schwitzens unter Kontrolle zu bekommen. Wenn ich bei 6 Tagen nur 18 Liter Wasser dabei habe und 12 Liter täglich empfehlenswert wären, ist es ein ganz elementarer Faktor dies unter Kontrolle zu haben. Und um die Frage vorwegzunehmen, ja man hat auch darauf die Möglichkeit einzuwirken.

Diese 21 Kilo Gesamtgepäck wollen natürlich auch getragen werden. Jeder der schon mal mit einem schweren Wanderrucksack unterwegs war, kennt die enorme Last, welche ein Rucksack bereits nach dem ersten Tag mit sich bringt. Ich gewöhne mich daher mit stetiger Steigerung langsam an das zu tragende Gewicht. Auch daran müssen sich Rücken und Schultern gewöhnen. 

Aber ich bin aktuell gut in meiner zeitlichen Planung und habe auch die große Erkältungswelle halbwegs unbeschadet hinter mir lassen können. Doch ein erster Schrecken durchzog meinen Körper als ich gestern gesehen habe – nur noch 3 Monate!!!!

Hallo Steven! Ein beeindruckendes, neues Projekt hast du dir zusammengestellt. Wie findet man solch entlegene Orte, wie kommt man auf diese Herausforderungen?

Ich versuche mir persönlich immer Projekte zu suchen, welche noch niemand vor mir gemacht hat. Das stellt den Kopf vor ganz andere Herausforderungen, da er nicht weiß ob es zu schaffen ist oder nicht. Bei anderen Herausforderungen weiß ich hingegen, dass es schon Menschen gab die es geschafft haben und das es somit machbar ist.

Zudem lebt mein Bruder in Chile, was die Planung etwas vereinfacht hat. Es muss an so viel gedacht werden und geplant werden, dass dies ein großer Vorteil bei der Wahl von Südamerika war.

Du sagtest, Schwitzen könne man unter Kontrolle bekommen. Wie klappt das? Und stellt man dabei nicht eine wichtige Schutzfunktion des Körpers ab?

Die Körperfunktion des Schwitzens bleibt weiter erhalten. Jedoch kann ich mich mental auf bestimmte Dinge fokussieren. Meist fokussiert sich der Kopf auf bestimmte Reize wie zum Beispiel Schmerz. Unsere ganze Aufmerksamkeit gilt dann diesem Schmerz. Manchmal schenken wir aber Problemen viel zu viel Aufmerksamkeit und steigern uns regelrecht in die Probleme hinein.

Dazu gibt es interessante Tests, mit einer Herdplatte. Den Probanden wurde gesagt, die Platte werde immer wärmer. Dies gaben die Probanden auch im Nachhinein als Empfindung wieder, jedoch wurde an der eigentlichen Temperatur rein gar nichts verändert. Die Empfindung wurde rein mental gesteuert.
Ähnlich kann ich mich in der Wüste die ganze Zeit darauf fokussieren wie warm es doch ist und wie sehr ich doch schwitze und wie anstrengend es doch ist. Oder ich versuche zu entspannen und mich mental auf andere Dinge zu konzentrieren. Je nach Fokussierung wird dann auch der Körper mit erhöhter Schweißproduktion reagieren oder diese senken.

Steven Rau, einmaligWas siehst du dieses Mal als größte Herausforderung?

Aus meiner Erfahrung in den Alpen ist es für mich ganz klar die Höhe. Das bin ich als Berliner nicht gewohnt und ich weiß noch von meinem letzten Besuch in Südamerika, dass ich den Höhenlagen keinen Schritt machen wollte.

Macht es mental einen Unterschied, ob man über Berge, quer durch Deutschland oder die Wüste wandert? Wie bereitest du dich darauf vor?

Die mentale Belastung ist meist sehr unterschiedlich. Beim Deutschlandlauf hat mich die Dauer der Belastung über 15 Tage zu schaffen gemacht. Bei den Alpen war es dieses ständige auf und ab über 13.000 Höhenmeter. Jetzt in der Wüste wird es wohl die Suche nach einem Ziel. Da es dort wenig Orientierungsmöglichkeiten gibt, fehlt es an potentiellen Zielen, wie Häuser, Bäume, Straßenkreuzungen. Hier ist es nur ein sehr eintöniges Bild und ich laufe gefühlte 12 Stunden auf der Stelle. Das ist gerade in der Salzwüste extrem, da alles einfach nur weiß ist.

Dabei profitiere ich natürlich viel von meinen Erfahrungen aber auch dem mentalen Training, welches einen Großteil meines Trainings ausmacht.

Fotos: Uta Rau


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