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Spiroergometrie: Goldstandard der Leistungsdiagnostik

28. September 2014 von Ferdinand Bader

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Ablauf einer Spiroergometrie

Nach einer Ruhemessung, in der u.a. der Grundumsatz (Tageskalorienumsatz) berechnet wird, beginnt der Stufentest. Auf dem Rad bzw. dem Laufband wird das gleiche Protokoll wie beim Laktatstufentest gefahren. Die Einstiegsbelastung liegt auf dem Rad etwa bei 70-100 Watt, auf dem Laufband zwischen sechs und zehn km/h. Dadurch, dass kein Blut abgenommen werden muss, wird ohne Zwischenpause alle drei Minuten die Leistung bzw. Geschwindigkeit um 25-50 Watt bzw. 1-2 km/h erhöht, bis ein RQ von 1,0 überschritten wurde. Der große Vorteil gegenüber dem Laktatstufentest ist, dass für eine exakte Trainingsbereichsbestimmung keine Ausbelastung nötig ist und nach dem Erreichen der anaeroben Schwelle abgebrochen werden kann. Ist die VO2max von Interesse, wird in einer Belastungsrampe mittels Belastungserhöhung alle 30s bis zur totalen Ausbelastung weitergelaufen/-gefahren.

Alte Technik vs. Aktueller Technologiestand

Früher war es nötig, während des gesamten Tests eine Maske auf dem Gesicht zu tragen, welche zum einen die Atmung etwas einschränkt und zum anderen die Atemgase über Schläuche in die Maschine leitete. Die klinischen Messgeräte brauchten einen Gasabgleich, der nicht nur sehr aufwendig war (zwei Gasflaschen zum Kalibrieren der Sensoren, riesen Messgerät) sondern auch anwender- und sportlerunfreundlich. Vorteile der Methodik sind hauptsächlich in der Medizin zu finden, wenn es darum geht, pathologische Atemprobleme zu erforschen, wobei es nötig ist, jeden einzelnen Atemzug zu analysieren und sämtliche Atemparameter zu erfassen. Für den Leistungssportgebrauch ist dies nicht erforderlich.

Mittlerweile gibt es Spirometriegeräte, die selbstkalibirierende Sensoren aus der Raumfahrtechnik besitzen und für die Messung nicht die gesamte Atemluft, sondern nur einen Teil davon benötigen. Für den Sportler/die Sportlerin bedeutet dies, dass keine lästige Maske mehr nötig ist und auch nur die letzten 30s jeder Belastungsstufe gemessen werden müssen. Der Körper braucht etwas Zeit um sein System an die jeweilige Belastung anzupassen. Am Ende jeder Belastungsstufe ist dies der Fall, Stoffwechsel und Herzfrequenz haben sich angepasst und nun hat es einen Sinn, die Atemgasanalyse zu machen. Mittels Mundstück und Nasenklemme werden nun die letzten 30s der Belastungsstufe abgegriffen und ausgewertet. Dadurch, das keine Maske verwendet wird und die Luft nicht „in die Maschine“ geatmet werden muss, hat der Athlet/die Athletin keinen erhöhten Atemwiderstand und somit keine Einschränkungen.

Spiroergometrie vs. Laktatstufentest

Spiroergometrie

Laktatstufentest

Unblutiges Verfahren

Analyse von Blutstropfen

Direkte und individuelle Trainingsbereichsbestimmung über Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel

viele verschiedene Schwellenmodelle, problematisch bei „Spezialfällen“

Fehlerquellen: unnatürliche Atmung, falsche Ernährung im Vorfeld

Fehlerquellen: Ernährung, Blutmenge, Schweiß im Blut, Laktat-Steadystate differiert

Maximale Ausbelastung als Zusatzoption

Maximale Ausbelastung notwendig

Exakte Trainingsbereiche anhand des individuellen Stoffwechsels, beste Aussagekraft im aeroben Bereich und Maximalleistung

Laktatkurve hat hohe Aussagekraft über Entwicklungspotenzial und anaerobe Fähigkeiten

Beim Laufen: Aussage über Bewegungsökonomie im Trainingsprozess

 

Größter praktischer Nachteil (derzeit) ist, dass mit einer guten Spirometrie (Stromgebunden) noch kein Feldtest gemacht werden kann, die Laktatmessung jedoch so gut wie überall durchgeführt wird.

Kombinationsmöglichkeiten

Eine Kombination von Spiroergometrie und Laktatdiagnostik hat viele Vorteile: Die Spirometrie liefert exakt die individuellen aeroben Trainingsbereiche anhand des Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsels, sowie eine Aussage über die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität und damit Höchstleistungsfähigkeit.

Die Laktatdiagnostik gibt zusätzlich die Aussagen über die anaerobe Leistungs- und Leidensfähigkeit, das Geschwindigkeitspotenzial und ein definiertes, individuelles Schwellenmodell für die Zukunft, da zwischen Schwellenmodellen und tatsächlichem Stoffwechsel abgeglichen werden kann.

So kann mit einem Test und zwei Verfahren eine bestmögliche Aussage über die aktuelle Ausdauerfähigkeit gemacht werden.

Wann lasse ich mich testen?

Sinnvoll ist für Hobbysportler eine zweimalige Untersuchung der Schwellen pro Jahr. Im Herbst, etwa 4-5 Wochen nach Trainingsbeginn zur Bestimmung der Trainingsbereiche im Winter und im Frühjahr vor dem spezifischen Training und der Wettkampfsaison.

Ambitionierten Agegroupern wird empfohlen, zusätzlich in der Mitte des Winters bzw. vor den Trainingslagern neue Werte herauszutesten, bei Leistungs- und Hochleistungssportlern müssen die Tests individuell und in unregelmäßigen Abständen je nach Trainingsphase erfolgen.

Fotos: Aerolution


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