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Spinning: Beats und Gruppe machen Beine

4. November 2015 von Christine Waitz

Heidi Sessner,   einmaligDie Musik dröhnt in den Ohren, den Rhythmus kann man am wummernden Bass erkennen, Schweiß fließt in Strömen. Es ist wieder so weit. Die Spinningkurse erleben den alljährlich-herbstlichen Zulauf. Doch was macht das wilde Treten auf der Stelle so besonders? Das gemeinsame Quälen auf engstem Raum? Wir haben uns mit Heidi Sessner unterhalten, die auch als Spinningtrainerin Athleten Beine macht.


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Eine Spinningstunde ohne Instructor? Fast unvorstellbar. Denn bei dieser Art von Training kommt es ganz entscheidend auf denjenigen an, der die Gruppe anleitet. Er achtet nicht nur darauf, dass alle Teilnehmer korrekt und sicher Übungen ausführen, sondern wählt passende Musik aus, motiviert oder bremst, spornt an und fordert zu Höchstleistungen. Dabei bestimmt er durch Variationen von Trittfrequenz, Widerstand und Körperhaltung, wie hart es an diesem Tag werden soll. Dass diese Art von Trainingsalternative perfekt als Intervalltraining geeignet ist, das sieht man nicht zuletzt am fließenden Schweiß der Teilnehmer.

Spätestens jetzt dürfte auch klar sein: Eine effektive Spinningstunde steht und fällt mit dem Instructor. Doch was macht eine gute Stunde aus? Auf was sollte man beim Spinning achten? Wir haben uns mit Heidi Sessner unterhalten, die seit vielen Jahren Spinninginstructor ist und regelmäßig Gruppen anleitet.

Hallo Heidi! Jetzt, wo es außen kalt wird, bist du mehr auf dem Spinningbike unterwegs, oder bevorzugst du dennoch das Fahren außen?

Wenn es irgendwie möglich ist, dann fahre ich lieber draußen. Für mich geht eigentlich nichts über die Bewegung in der freien Natur, da bekomme ich den Kopf am besten frei.

Doch oftmals komme ich jetzt, wie viele andere Berufstätige auch, erst Abends dazu Sport zu treiben und wenn es schon dunkel ist, oder das Wetter eher schlecht ist, dann ist Spinning natürlich eine tolle Alternative.

Heidi Sessner, einmalig

Worin siehst du für Triathleten die Vorteile des Spinning-Trainings?

Viele Triathleten tun sich schwer, sich fürs Rollefahren zu motivieren. Ihnen ist das zu monoton und zu langweilig. Spinning hingegen ist ein Gruppenerlebnis. Die Dynamik in der Gruppe motiviert und man ist abgelenkt. Wenn man nicht so gut drauf ist, dann beißt man sich trotzdem durch und steigt nicht mitten in der Stunde vom Rad, was zu Hause auf der Rolle, beim ein oder anderen vielleicht vorkommen kann ;-)

Natürlich spielt die Musik auch ein große Rolle. Ich persönlich kann mich unheimlich mit Musik motivieren. Zudem können Triathleten beim Spinning gezielt an ihrer Technik arbeiten. Durch die starre Nabe fällt ein unrunder Tritt noch viel schneller ins Gewicht, als auf dem Triathlonrad, was bewirkt, dass man viel bewusster fährt.

Kann oder muss man das Spinningtraining im Jahresverlauf verändern, um im Sommer davon profitieren zu können?

Wenn man nicht aus jeder Spinning Stunde einen Wettkampf macht und auch die Grundlagenausdauer ausreichend mittrainiert, dann ist Spinning ein super Training für Triathleten.

Die Technikschulung durch hohe Trittfrequenzen, oder auch bewusstes Kraftausdauerfahren, sind wertvolle Bestandteile, die auch auf dem Triathlon-, oder Rennrad, der Rolle und dem MTB mittrainiert werden sollten. Daher passt das sehr gut.

In all den Jahren als Spinning Instructor habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass ich die Leute eher bremsen muss, einen Gang zurück zu schalten, als intensiver zu fahren. Die Gefahr ist, dass Athleten viel zu hohe Intensitäten fahren, zu einem Zeitpunkt, wo sie kaum einen Effekt davon haben. Die Grundlagenausdauer spielt einfach eine entscheidende Rolle. Wird diese beim Spinning außen vor gelassen und nicht gefahren, dann kann bereits ein Infekt dazu führen, dass die ganze Form wieder zunichte gemacht wird.

Heidi Sessner, einmalig

Welche Fehler kann man beim Spinning machen?

Ich persönlich verstehe unter Spinning Rad zu fahren. Es gibt verschiedene Philosophien von den unterschiedlichsten Anbietern mit teilweise sehr verrückten Akkrobatikübungen in Spinningstunden.

Ich persönlich halte davon nichts. Ich finde es besser, wenn am sich beim Radfahren tatsächlich aufs Radfahren konzentriert, d.h. auf einen runden Tritt, auf eine entspannte Rückenhaltung, auf den Takt der Musik, die eigene Herzfrequenz,… Gleichzeitig noch Liegestütze und andere Übungen zu machen, ist nicht mein Ding. Ich finde es effektiver, diese Kraftübungen vor oder nach der Spinningstunde zu machen. Daher wäre mein Tipp für Triathlet nicht alle Übungen mitzumachen sondern spezifischer zu trainieren.

Zudem wird oft sehr viel im Stehen gefahren. Ich bin auch von den unterschiedlichen Techniken im Spinning begeistert, halte es aber für gefährlich, wenn zu viele Runnings, Jumps oder Berge im Stehen gefahren werden.

Natürlich haben diese Elemente ihre Berechtigung, dennoch halte ich es für wichtig, dass der Großteil der Stunde im Grundlagenbereich und im Sitzen gefahren werden soll.

Zwischen Rock und Techno, Schlagern und Popmusik. Ein entscheidender Faktor des Trainings ist die Auswahl der Musik. Worauf legst du Wert? Was funktioniert immer, auf was sprechen die Leute vielleicht nicht so an?

Also Helene Fischer geht immer ;-) Nein, Spaß bei Seite!

Ich kann nur die Musik mit Begeisterung rüber bringen, die mir auch gefällt. Dabei versuche ich eine bunte Mischung zu nehmen, damit sich jeder wohl fühlt in meiner Stunde. Mein klarer Trend geht aber in Richtung Rock.

Ich lege Wert darauf, auch Lieder in die Stunden einzubauen, bei denen man ganz bewusst mal die Trittfrequenz vom Ironman fahren soll, außerdem arbeite ich sehr gerne mit Visualisierung. Die Teilnehmer sollen sich immer wieder unterschiedliche Szenen vorstellen. Dabei hilft die Musik natürlich ungemein.

Für mich ist es immer wichtig, dass der Takt der Musik die Trittfrequenz vorgibt. Außerhalb des Takts zu fahren, mag ich gar nicht.

Dann kommt es natürlich auch darauf an, für wen die Stunde ist. Radsportler und Triathleten lasse ich sehr gerne auch mal hohe Trittfrequenzen fahren, da dies ein super Techniktraining ist. Lange Zeit habe ich zwei mal pro Woche eine Seniorengruppe betreut. Hier habe ich eher Lieder gewählt, die nicht zu hektisch waren, eher so um die 80 – 95 Trittfrequenz. Das kam dort sehr gut an (lacht).

Heidi Sessner, einmalig

Ganz allgemein: Was macht eine gute Spinningstunde aus? Lohnt es sich bei der Auswahl des Kurses darauf zu achten?

Ein Warm Up und ein Cool down muss meiner Meinung nach immer sein, denn die wenigsten Sportler fahren sich nach Ende der Stunde noch alleine weiter aus. Die Intensität darf nicht in jeder Stunde hoch sein.

Und wie gesagt, soll nicht zu viel im Stehen gefahren werden.

Ein guter Trainer hat Verständnis dafür, wenn einzelne Sportler zwar an seiner Stunde teilnehmen, aber teilweise etwas von seinem Programm abweichen, da dies z.B. für die Knie des Sportlers zu belastend wäre oder das Programm an diesem Tag einfach zu intensiv.

In der Regel kann man mit allen sprechen und oftmals sind auch die Trainer dankbar für Feedback.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Website von Heidi Sessner

Fotos: Heidi Sessner

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