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Sicherheit im Strassenverkehr: Radfahrer im Recht?

29. Oktober 2011 von Meike Maurer

Andreas Fuchs hat unlängst für mediale und polizeiliche Aufmerksamkeit gesorgt. Auf einer Trainingsfahrt rauschte der österreichische Triathlet mit satten 63 statt der vorgeschriebenen 50 km/h durch die Ortschaft Illmitz/Burgenland. Ergebnis der Spritztour: 193 Euro Geldstraße. Was aber viele nicht wissen, in deutschen Ortschaften wären 63 km/h grundsätzlich nicht gesetzwidrig. Wer hätte das gewusst?


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Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

5 Radfahrer, 10 Meinungen – so lässt sich die Situation beschreiben, wenn unter Radfahrern das vermeintlich richtige Verhalten im Straßenverkehr diskutiert wird. Viele Legenden halten sich bis heute hartnäckig. So wird immer noch geglaubt, ein Rennrad sei ein Rad unter 12 Kilogramm oder man dürfe bei sportlicher Fahrweise auf die Straße wechseln. Der aktuelle SPIEGEL vom 12.09.2011 hat in seinem reißerischen Titel „Der Straßenkampf“ die Verrohung der Sitten angeprangert und glaubt Fahrradfahrer seien kämpfende, pöbelnde und drängelnde Verkehrsteilnehmer. Um etwas Licht ins juristische Dunkel zu bringen, haben wir uns durch das Dickicht der StVO, StVO-VwV, StVZO, und StVG gekämpft – mit teils überraschenden Erkenntnissen.

Was ist ein Rennrad?
Jeder ist vermutlich in der Lage ein Rennrad von einem normalen Rad zu unterscheiden. Häufig werden Kriterien wie der Lenker, die Klickpedale oder das Gewicht herangezogen. Das Verblüffende: Das Gesetz unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen verschiedenen Fahrradtypen. Sowohl ein Mountainbike als auch ein Rennrad sind dem Gesetz nach Fahrräder und diese definieren sich nach der Wiener Straßenkonvention vom 8. November 1968. Demnach ist ein Fahrrad „jedes Fahrzeug mit wenigstens zwei Rädern, das ausschließlich durch Muskelkraft auf ihm befindlicher Personen, insbesondere mit Hilfe von Pedalen oder Handkurbeln, angetrieben wird.“ Hierunter fällt auch das Rennrad. Das Gesetz erwähnt den Begriff des Rennrads lediglich im Zusammenhang mit lichttechnischen Einrichtungen in der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO). Juristen schließen ganz überwiegend im Umkehrschluss daraus: Dort wo das Gesetz den Begriff des Rennrads nicht explizit erwähnt, lässt es sich unter den Begriff des Fahrrads subsumieren. Das Gesetz bleibt uns somit die Definition eines Rennrads schuldig.

Wie muss ein Rennrad beschaffen sein?
Die Vorschriften für Fahrräder gelten prinzipiell auch für Rennräder. Die Verkehrstauglichkeit von Fahrrädern richtet sich nach der Straßenverkehrs- Zulassungsordnung (StVZO). Hiernach wäre ein Rennrad straßenverkehrstauglich, wenn unter anderem genügend Reflektoren, eine helltönende Glocke, zwei voneinander unabhängige Bremsen und eine geeignete Lichtanlage angebaut sind. Jedoch lässt die StVZO eine Ausnahme bei der Lichtanlage zu: Bei Fahrrädern, hier namentlich Rennrädern, mit einem Gewicht von nicht mehr als 11 Kilogramm greift eine Sonderregelung. Anstelle der sonst vorgeschriebenen Dynamos dürfen auch batterie- und akkubetriebene Leuchten verwendet werden. Diese umgangssprachlich als „Stecklichter“ bekannten Leuchten müssen zwar nicht am Rad montiert sein, sind aber ständig mitzuführen. Dass sich Theorie und Praxis gelegentlich voneinander entfernen, zeigt die allgemeine Lebenserfahrung. Welches Rennrad ist schon mit Reflektoren oder einer Klingel ausgerüstet? Was gängige Praxis ist, muss aber nicht rechtens sein – wie in diesem Fall.

Muss man auf dem Radweg fahren, falls vorhanden?


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