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Roth 2007: Wo sind die 8 Minuten? Unfinished Business

27. Juni 2007 von Dr. Langdistanz

peter-und-celine-5.jpgVorspiel: Langdistanztriathlon ist ja schon so nicht ganz ohne. Als Familiensport wird es aber i.d.R. als ungeeignet betrachtet. Wir hatten uns letzten Herbst, nach einer schönen Saison 2006, entschlossen, gemeinsam in Roth an den Start zu gegen. Céline zu ihrer Premiere auf der Langstrecke, ich bereits zum vierten Mal in Roth – zum dritten Mal über die volle Distanz.


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Die Vorbereitung lief 2007 besser als erwartet, u.a. dem Wettergott sei Dank. Wir haben die Kilometer runtergespult, gemeinsam, aber meist einsam. Schwimmtraining war im Winter bei mir reduziert, Celine hatte Vorrang und einmal die Woche mit Babysitter ging es gemeinsam ins Bad der BePo bei unserem Polizeisportverein in München. Winter-Triathlonserie bei der Bundeswehr-Uni, Ismanninger Winterlaufserie, Bad Tölz, Erding – Die Stationen auf dem Weg nach Roth.

Am Freitag vor dem Wettkampf die Anreise, Abholen der Unterlagen und Aufschlagen des Lagers bei unseren Freunden an der Knabenmühle in Hip. Besser kann man nicht wohnen. Umsorgt, Versorgt, ruhig und doch mittendrin. Die Räder waren schnell aufgebaut und noch mal ein Stündchen zur Lände in Hip und über den Solarer Berg bewegt. Bei der Pastaparty dann die ersten bekannten Gesichter getroffen, Foris von Xathlon und Emu5, Christian und Gitte und noch andere.

Dank neuer Ernährungs- und Carboloading-Strategie (Sponser sei Dank) diesmal kein bergeweises Nudeln essen – sogar für eine Scheibe Leberkäs war Platz. Am Samstagpeter-und-celine.jpg erstmal gemütlicher Brunch mit unseren Freunden und Gastgebern. Danach eine viertel Stunde die Socken einlaufen und dann einmal die Radrunde mit dem Wagen abfahren. Celine war beruhigt, alles noch mal gesehen zu haben. Am Nachmittag haben wir in einer Regenpause die Räder eingecheckt und abends sind wir noch mal gemütlich Essen gewesen. Ein letztes Mal haben wir die Wetterdienste gecheckt und sind beruhigt zu Bett gegangen – Kein Regen in Sicht !!

Raceday
3.45 Uhr klinget das Handy – Natürlich mit den Hells Bells – Was sonst. Kaffee, Brötchen – Sunblocker! 4.45 bringt Fritz uns direkt zur Wechselzone – Lasset die Spiele beginnen. Auf dem Weg zur Wechselzone die erste Gänsehaut – Musik läuft, die Ballons auf der anderen Kanalseite und Treiben wie in einem Ameisenhaufen.

Ich kümmere mich erstmal um Celine´s Rad, aufpumpen, Gänge checken, Verpflegung anbringen. Schon um 6.20 geht es los für Celine. Neo anziehen, Bodyglide, eine letzte Umarmung und ein Kuss – Ich sehe Dich auf der Strecke (!!!). Zum Start stehe ich am Kanal, blicke in den Sonnenaufgang und drücke Celine die Daumen, dass alles gut läuft.

Mein Rad ist fertig, alles gut. Ich ziehe mich zurück, der einzige ruhige Ort morgens um halb sieben in Roth ist ein Dixie-Klo. Ich treffe Roland aus dem Mallorca-Camp, wir helfen uns in die Neos. Fast sind wir zu spät am Check-In. Ab ins Wasser, an die Startlinie ganz links geschwommen. Noch zwei Minuten.

Dann der Knall. Vor mir der Typ ist gleich weg, ich fange ruhig an, lange Züge, gleiten, ich warte, dass von hinten die Schläge kommen, aber es bleibt alles ruhig. Ich schwimme ruhig in der Mitte vor mich hin, von Boje zu Boje. Bis zur ersten Wende ist alles super, doch dann schwimme ich in die langsamen Schwimmer der vor mir gestarteten Gruppen, aber noch kein Problem, nur das Wasser wird unruhiger. Die Gegengerade wird lang. Ich fange an, den Rhythmus zu wechseln, 30 Züge beschleunigen, 30 Züge lockerer mit langen kräftigen Zügen. Immer die Orientierung behalten, auf die Langsamen achten, Brustbeinschlägen ausweichen. Die Brücke kommt näher. Die zweite Wende.

peter-und-celine-1.jpgOK, die Stunde ist futsch, aber es wird eine neue Bestzeit, knapp 1h4min. Der Wechsel läuft glatt, ich schwinge mich aufs Rad, fahre die Brücke hoch, links und rechts viele Menschen, aber ich höre nichts. „Wo ist die Stimmung“ brülle ich und grinse, als alle erschreckt aufwachen und anfangen ihre Rasseln zu schwingen -Irre der Sound. Ich komme auf die Brücke, Kette rechts, beschleunigen und links runter zur Schleuse. Wow, was für ein Gefühl, Der Tacho auf 48, der Puls bei 160. Die Beine fühlen sich gut an und ich trete gut. Die erste Runde läuft super. Richtung Heideck stehen Wolfang und Fritz und rufen mir zu, dass Celine 5 min besser ist als geplant. Ich bin beruhigt und stampfe hoch Richtung Selingstadt.

Eine einzige Überholorgie. Die Wellen reite ich wie es Arne bei X-athlon.de so toll beschrieben hat. An jedem Wellenberg schalte ich und trete kräftig rein, überhole dabei immer wieder und bekomme gute Speed. Bis Greeding läuft es super, ich esse meinen ersten Riegel und konzentriere mich darauf, regelmässig zu trinken. Die erste Flasche gibt es nur halbkonzentriertes Powerbar, danach habe ich zwei Flaschen Sponser Long Energy am Rad – Es wird sich zeigen dass das eine gute Wahl war, ich bekomme diesmal keinen Blähbauch.

Dann kommt auch schon der Kalvarienberg. Klein schalten und locker hochkurbeln. Haben wir heute Rückenwind oder warum geht das so gut? Die Abfahrt nach Obermässing macht Spass – Viel Spass. Und dann nähert sich auch schon das erste Mal der Solarer Berg. Die Klippe vor Hip ist auch zu einem Stimmungsnest ausgebaut, an dem aus den Lautsprechern ACDC dröhnt – Danke !!

Da ist er, der Solarer Berg. Ich schalte ganz klein, setze mich gerade hin und geniesse es. Ich habe Tränen in den Augen und ein breites Grinsen im Gesicht. Das ist einfach geil !!

Die 1.Runde geht zu Ende und auf dem Tacho habe ich einen Schnitt von über 34. Prima !! In der zweiten Runde läuft es weiter gut. Lediglich der Nacken tut weh, da ichpeter-und-celine-3.jpg dauernd nach vorne schauen muss, weil die Überholorgie nicht enden will. Der Kalvarienberg ist deutlich schwächer besetzt, aber die Stimmung ist immer noch gut. Und dann, nach 145 Km, sehe ich vor mir ein Mädel mit rotem Trikot. Langsam komme ich näher und sehe, sie sitzt auf einem roten Rad, perfekte Aero-Haltung und locker kurbelnd. Ich erkenne Celine. Bei KM 148 habe ich sie eingeholt.

Ihr geht es gut, sie lacht und ist zufrieden. Ich freue mich so für sie und sie freut sich auch. Ich fahre weiter – noch 30 Km – und noch einmal über den Solarer Berg. In der der Mitte des Anstiegs höre ich Celine´s Namen durch den Lautsprecher, sie ist also nur wenige 100m hinter mir, da habe ich sie wohl ein wenig mitgerissen. Die letzten Km laufen gut, noch ein letztes Gel vor der Wechselzone, Salztabletten und Wasser dazu, Frequenz erhöhen – und immer noch weiter überholen.

In der T2 habe ich dann wohl einen Aussetzer und greife den falschen Beutel: 1335 statt 1435. Das sind doch nicht meine Schuhe. Eine Helferin bringt mir den richtigen Beutel – und packt den Helm in den Falschen – egal!! (Am Abend bekomme ich dann aber doch meinen Helm wieder). Durch die Verpflegung, ein wenig Wasser, ab auf die Laufstrecke. Die Beine sind gut, ich laufe locker los, geniesse die Stimmung und das Gefühl, endlich mal dem Körper eine Lageänderung zu gönnen. Ein Blick auf die Uhr, 6h28min nach der T2. Die 10 Stunden sind also drin.

Der erste Km in 4:35. Hoppala, ein wenig schnell. Ich verpflege mich, alle 25min klingelt die Uhr, Zeit für ein Gel. Ansonsten Wasser und Cola. Nix anderes, ich will keinen Blähbauch wie in Kanada. Die nächsten Km laufen gut, immer Splits knapp unter 5min. Bei Km 5 habe ich Christian aufgelaufen. Ich sage zu ihm, er solle sich dranhängen, aber er will nicht. Ich habe einen guten Lauf, die Beine fühlen sich gut an und ich kann die knappen 5er Splits trotz Verpflegung halten. Die Schleuse in Leerstetten ist die erste Klippe, dann die Wende. Nach der Wende treffe ich Celine. Sie läuft mit Silke und sieht so gut aus – ganz locker – und sie freut sich. Alles ist bestens.

Ich laufe Richtung Halbmarathonmarke an der Rother Lände. Ich muss piseln, kann es mir aber noch verkneifen. Wann kommt der Einbruch, immer noch laufe ich meinen Schnitt und immer noch habe ich die Sub10h vor der Nase. Das kann doch nicht gut gehen, oder ? Nach Km 23 schlage ich mich in die Büsche. Doch anstatt dass ich danach erleichtert bin, komme ich nicht mehr auf meine Pace. Also doch: „Never Stop Running“, der Körper registriert das sofort.

Noch einmal laufe ich eine 5:05 und dann sacke ich kontinuierlich ab auf 5:20 bis 5:30. OK, Tschüss 10 Stunden, jetzt will ich das ganze mit Freude, Spass und Anstand zu Ende bringen. Eine neue Bestzeit wird es allemal, wenn ich mich jetzt etwas zurücknehme und nicht ganz einbreche. Ich fange an, an den Versorgungsstationen zu gehen. Ich freue mich auf den Biergarten in Heimpfarrich, wo, Fritz, Christa und Wolfang warten und ich freue mich, nach der nächsten Wende Celine irgendwann wiederzusehen. Bei Km 27 oder 28 habe ich auf einmal Christian an der Seite. Er hatte mich die ganze Zeit im Auge-dieses Schlitzohr.

Wir laufen die nächsten Km zusammen, treffen Gitte, Christians Freudin, und schliesslich wieder Celine, die immer noch mit Silke läuft und immer noch sehr locker aussieht. Ich bin ganz stolz auf sie. Mittlerweile meldet sich meine rechte Wade, sie zuckt, aber die krampft nicht. Bei Km 36 gehe ich durch die Verpflegung, Christian läuft weiter und ist weg, ich komme nicht mehr ran, habe Angst, dass die Wade zumacht und freue mich nur noch aufs Ziel. An der Lände vorbei geht es links runter Richtung Roth. Auf dem letzte Km kommt noch eine Bodenwelle und dann ab ins Ziel. 10:07:38. Das ist 20 min schneller als geplant.

Und wo sind jetzt die 8 min ?? Eine Minute liegt noch im Wechselzelt der T2. Mindestens eine Minute schwimmt noch im Kanal. Eine Minute liegt in flüssiger Form bei Km 23 der Laufstrecke und der Rest häppchenweise jenseits der 25 Kilometer. Was wäre wohl gewesen, wenn ich nicht angehalten hätte, so schlimm gedrückt hatte es nämlich nicht. Egal!

peter-und-celine-4.jpgIm Ziel treffe ich Rolf, Silke´s Frau. Wir warten gemeinsam auf Silke und Celine und nach sagenhaften 11h35 min laufen sie ins Ziel, in einer tollen 4h10min Marathonzeit. Für Céline übrigens eine neue Marathonbestzeit – Zum Start vom München Marathon diesen Herbst muss sie wohl mit dem Rad fahren – über
Ingolstadt.

Nachspiel
Rolf macht im Zielbereich Fotos von uns allen, dann geht es in die Endverpflegung. Im Zelt lassen wir uns massieren, treffen noch viele Leute, essen, trinken, erzählen, tauschen uns aus. Die Stimmung ist genial. Roth 2007 war einfach genial. Wir bleiben bis zum Schluss, sehen den letzten Finisher, das Feuerwerk. Unglaublich, was die Endorphine noch für Energien freisetzen. Wir tanzen auf der Tribühne und sind einfach nur Super-Happy, nicht zuletzt auch wegen des fantastischen Rother Publikums.
Danke !!!

Danke auch an Rolf (Silke’s Mann), der die Bilder geschossen hat.

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