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Rekordlauf über die Alpen: 260 Kilometer ohne Verpflegung und Ausrüstung

29. Juli 2014 von Christine Waitz

Steven Rau,   einmaligAm 14. August fällt der Startschuss. Dann geht es für Steven Rau über eine Strecke von 260 Kilometern quer durch die Alpen. Als wäre das nicht genug, gibt es keine Ausrüstung, keine Verpflegung, und keine Unterkünfte. Über 15.000 Höhenmeter müssen bewältigt werden. Bereits im vergangenen Jahr hat Steven einen Rekord  im spektakulären Lauf einmal quer durch Deutschland aufgestellt. Wir haben uns mit dem Extremsportler unterhalten.


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Der 14. August rückt näher. Gegen 9.00 Uhr wird der Lauf beginnen. Steven Rau hat sich in diesem Jahr die Strecke eines der härtesten Etappenrennen herausgesucht. Von Ruhpolding geht es auf über 260 Kilometer und 15.000 Höhenmeter bis nach Sexten. Zudem wird der Lauf ohne Ausrüstung (Ausnahme GPS und Kleidung ) durchgeführt und es wird nur von und in den Gegebenheiten der Natur gelebt. Ein bisher einzigartiges Projekt. Für den gesamten Lauf peilt Steven eine Zeit von fünf Tagen an. Das wäre ein neuer Rekord.

Hallo Steven! Als im vergangenen Jahr die Entscheidung stand, von Wilhelmshaven knapp 900 Kilometern bis auf die Zugspitze zu laufen, und nur von dem zu leben was die Natur bietet, schien bereits diese Aufgabe immens. Doch es gelang dir, und am Ende stand mit 15 Tagen und drei Stunden sogar ein neuer Rekord zu Buche. Was ist dein neues Projekt?

Im Jahr 2014 ist es die Aufgabe, so schnell wie möglich über die Alpen zu gelangen und auch dieses Mal ohne Proviant und ohne größere Ausrüstung. Bereits aus sportlicher Sicht ist diese Strecke mit knapp 260 Kilometern und ca. 15.000 Höhenmetern ein wahnsinniges Projekt. Die Strecke führt entlang des Weges eines der härtesten Etappenrennen der Welt. Dennoch möchte ich auch hier einen neuen Rekord aufstellen. Dem Körper stehen dabei täglich bis zu 60 Kilometer bevor. Hinzu kommen an manchen Tagen noch über 3.000 Höhenmeter.

Steven Rau, einmalig

Bald fällt der Startschuss. Dein Körper wird bei der geplanten Tour unter Dauerbelastung stehen und wird nur wenig Nahrung bekommen. Wie bereitest du dich darauf vor?

Seit vielen Monaten stehen immer wieder lange Geländeläufe mit Gepäck auf dem Programm. Das ist eine gute Variante um Gelenke und Muskulatur auf das unwegsame Gelände vorzubereiten. Jeder falsche Schritt wird in den Alpen gnadenlos bestraft. Lange Läufe auf dem Asphalt sind eine gute Grundlage, für diesen Lauf jedoch eher zweitrangig. Eine gute Grundlagenfitness ist notwendig. Diese baue ich auf indem ich verschiedene Sportarten betreibe. Von Basketball bis Kampfsport ist alles dabei. So bleibt der Körper flexibel und die wichtigsten Muskelgruppen aktiv. Bei einer solchen Herausforderung ist eben nicht nur das Laufen entscheidend.

Ein wichtiger Faktor der immer wieder unterschätzt wird, ist die mentale Fitness. Durch eigene Seminare, Vorträge und natürlich viel Sport bin ich immer aktiv am Thema. Der Kopf entscheidet im Sport über Sieg und Niederlage. Gerade auf langen Distanzen ist er der Unterschied. Die besten Sportler verlieren, weil sie diesen Bereich unterschätzen. Macht diesen Fehler nicht.

Doch es kommt ja noch eine Herausforderung hinzu – wie schon bei deiner Deutschlanddurchquerung wirst du ohne Verpflegung und Material unterwegs sein. Wie planst du das zu meistern?

Sicher kann sich jeder vorstellen, dass die körperliche Erschöpfung da nicht lange auf sich warten lässt. So oft es geht, versuche ich meinen Körper mit Brennnesseln (Magnesium und Kalzium), Hagebutten (Vitamin C), Wasser und Brombeeren zu versorgen um alle grundlegenden Funktionen am Laufen zu halten. Der Rest ist wie so vieles reine Kopfsache. Es hat mich einiges an Kraft und Zeit gekostet mental auf diese Belastung vorbereitet zu sein.

Die Vegetation in den Alpen reicht von der Hügelstufe bis zur Schneestufe. Genauso verschieden wie das äußere Bild dieser Vegetationsstufen ist auch die Nahrungsbeschaffenheit dieser Lagen. Meist versuche ich mich bereits in den niederen Stufen mit ausreichenden Nährstoffen zu versorgen, ehe ich später im Schnee nur recht schwierig Essbares finde. Die Versorgung mit Wasser ist in den Alpen glücklicherweise weniger schwierig, finden sich doch zahlreiche Quellen und Bäche. Dies ist zumindest ein Vorteil dieser Strecke.

Wie kann man dein Projekt verfolgen?

Um über dieses Laufereignis berichten zu können, haben wir in diesem Jahr erstmals ein eigenes Fototeam mit dabei, welches eine eigene Bildreportage dazu erstellt und die Momente des Laufes dokumentiert und festhält.Wie bereits im vergangenen Jahr freue ich mich außerdem über jede geschriebene Unterstützung. Auf der Facebook Seite „Endstation Kopf – über Grenzen gehen“ berichte ich über meine Erlebnisse.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei deinem Vorhaben!

Zur Facebook-Seite von Steven Rau.

Foto: Steven Rau

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