Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Wettkampf > Ironman1 > Neues im Fall Lance Armstrong

Neues im Fall Lance Armstrong

17. August 2012 von Christine Waitz

Paul Philipps freiWir wollen uns einmal wieder einen kleinen Überblick über den „Fall Armstrong“ verschaffen. So ganz einfach ist das aber zugegebenermaßen nicht. Denn mittlerweile sind neben Armstrong, der USADA und der amerikanischen Justiz, auch noch UCI und WADA in das heitere Schiffe-Versenken-Spiel mit eingestiegen. Wer dabei wem ein weiteres Loch in die Bordwand reißt, das versuchen wir nachzuverfolgen.


Triathlon Anzeigen

Zur Geschichte

Im Juni hatte die nationale Anti-Doping-Agentur (USADA) Lance Armstrong formal des Dopings angeklagt und ihn in Zuge dessen für alle Rennen gesperrt. Im Falle einer Verurteilung hätte dies neben der Aberkennung seiner sieben Toursiege, auch eine lebenslange Sperre bedeutet.

Paul Philipps frei

Lance Armstrong beim Ironman 70.3 Texas 2012

Armstrongs Anwälte antworteten auf die Anklage mit einer 80-seitigen Gegenklage. Diese wiederum wird vom zuständigen Richter als polemisch und überlang abgewiesen woraufhin Armstrongs Anwälte nachbessern und die Klage erneut, verkürzt einreichen.

Die Geschichte im Detail.

Außer Streitereien nichts Neues

Während sich die gerichtliche Aufarbeitung des Falles weiterhin verzögert, schlägt der Fall auch politisch durchaus hohe Wellen. Immer wieder schalten sich Politiker in die Diskussion ein, einmal wettert man gegen die USADA, wie im Falle Jim Sassenbrenners, der die Berechtigung der Anklage in Frage stellt, ein anderes mal stützt man die USADA, so zum Beispiel John McCain.

Die neueste Entwicklung ist nun, dass der Radsport Weltverband UCI die Ermittlungen unter seine Fittiche nehmen möchte. UCI-Präsident Pat McQuaid hatte dazu am 13. Juli ein Schreiben an die USADA übermittelt, mit der Aufforderung die Unterlagen des Falles Armstrong der UCI zu übergeben.
Die USADA wies dieses Schreiben zurück und beruft sich auf einen möglichen Interessenskonflikt. Denn innerhalb der Beweisführung stütze man sich auf Dopingproben, die durch die UCI durchgeführt wurden.

Weiter klagte die UCI nun, die USADA maße sich Autoritäten an, die sie nicht besitze und verlangte den Fall an eine dritte Institution abzugeben.

Zur offiziellen Pressemeldung der UCI vom 04. August.

WADA mit im Spiel

Im munteren Hin und Her schaltete sich daraufhin die World-Anti-Doping Agentur WADA ein und stärkte der USADA den Rücken, sie handle korrekt auf Basis des World-Anti-Doping-Codes. Des Weiteren wird versichert, dass die Aktionen der USADA auf Beachtung der Regeln hin überwacht werden.

WADA Direktor David Howman warnt außerdem die UCI vor einem zunehmenden Verlust an Glaubwürdigkeit, sowie aufgrund ihrer mangelnden Kooperation, vor einem möglichen Verstoß gegen den WADA-Code und fordert den Präsidenten zum Überdenken seiner Position auf.

Im eigentlichen Prozess werden derweil zahlreiche Beweisdokumente gesichtet, Parteien und Zeugen werden gehört. Eine Entscheidung scheint noch fern, während sich die Beteiligten weiterhin gegenseitig zu beschädigen versuchen. Lance Armstrong lässt sich von all dem Treiben scheinbar wenig beeindrucken und widmet sich weiteren Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Marathon in Steamboat Springs, den er vergangenes Wochenende für sich entscheiden konnte.

Zum Artikel über Lances Marathon Rennen

Update vom 24. August 2012

Genug ist genug. Lance Armstong veröffentlichte gestern auf seiner Homepage eine Meldung, in der er sich der „Hexenjagd“ geschlagen gibt. „There comes a point in every man’s life when he has to say, „Enough is enough.“ For me, that time is now.“, leitet er seinen Rückzug ein, nachdem sein Versuch den Prozess vor der USADA durch eine Klage zu verhindern gescheitert war.

An diesem Prozess teilzunehmen käme für ihn nicht in Frage, sei er doch einseitig und unfair. Trotz der Anklagen seiner Teamkollegen, bestreitet er weiterhin gedopt zu haben: „Regardless of what Travis Tygart says, there is zero physical evidence to support his outlandish and heinous claims. The only physical evidence here is the hundreds of controls I have passed with flying colors.“
Nun will er sich ganz seiner Familie, seiner Stiftung und dem Kampf gegen Krebs widmen und dabei der fiteste 40-jährige der Welt bleiben.

Zur Meldung auf Lance Armstrongs Homepage.

Foto: Paul Philipps

 

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden