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Natural Running – Was steckt dahinter?

1. März 2014 von Philipp Peter

Foto: Nora Reim freiIn der Sportschuhentwicklung hat in den vergangenen Jahren ein grundlegender Wandel stattgefunden. Noch bis vor einigen Jahren wurde ein Sportschuh durch die Begriffe „Dämpfen, Stützen und Führen“ charakterisiert. Heute betrachtet man diese Eigenschaften aber eher kritisch, da sich die Verletzungshäufigkeit unter Laufsportlern trotz zahlreicher neuer Schuhtechnologien und dem Einbau von Pronationsstützen kaum verbessert hat. Stattdessen wurde die Devise zum „Natural Running“ ausgerufen.


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Dämpfung

Der oft propagierte Zusammenhang von Fersenaufprallkräften beim Laufen und Verletzungen des Bewegungsapparates konnte bis heute nicht schlüssig belegt werden. Im Gegenteil zeigen Forschungen mit Hilfe der sogenannten inversen Dynamik, die eine Belastungsberechnung für innere biologische Strukturen ermöglicht, nur geringe bis gar keine Auswirkungen durch die Dämpfungseigenschaften der Schuhsohle auf die Belastung von Knorpel, Sehnen und Bändern. Allerdings wird vermutet, dass die Aufprallkräft und die dadurch ausgelösten Vibrationen durchaus eine Rolle bezüglich Ermüdbarkeit der Muskulatur und subjektivem Komfortempfinden spielen.

Bewegungskontrolle

Laufbedingte Überlastungserscheinungen stehen oft in Zusammenhang mit einer unregelhaften Ausrichtung des Beinachsensystems. Durch eine innenseitige Unterstützung des Fußlängsgewölbes durch den Einbau von härterem Material, sogenannte Pronationsstützen, wird deshalb heute immernoch durch viele Schuhhersteller versucht eine Überpronation des Fußes beim Laufen zu korrigieren.
Aber auch hier zeigen Forschungen nur sehr geringe Effekte auf die Fuß- und Beinbewegung. Messungen haben gezeigt, dass weniger die maximale Pronation das Problem ist, sondern vielmehr die Kraft bzw. Geschwindigkeit mit der der Fuß nach dem Fersenaufsatz in die Pronations gedrückt wird. Je nach Schuhkonstruktion kann diese Kraft trotz Pronationsstütze doppelt so hoch sein wie beim Barfußlaufen. Insbesondere weitausladende Fersenpartien können in diesem Zusammenhang durch die Vergrößerung der Hebelarme die Belastung deutlich erhöhen. Zur Reduktion der Pronationsgeschwindigkeit ist die komplette Entkopplung (siehe Bild unten) des Fersenbereichs der Sohle eine sinnvolle Schuheigenschaft für Läufer mit Überpronation.

erhohte-pronationswinkelgeschwindigkeit

Passform – Jeder Fuß ist anders

Die Passform von Laufschuhen ist eng mit dem individuellen Komfortempfinden des Läufern verbunden und wird von vielen als eine der wichtigsten Eigenschaften eines Laufschuhs genannt. Eine allgemeine Beurteilung der Passform ist so gut wie nicht möglich, da dazu immer das individuelle Gegenstück zum Schuh, der Fuß des Läufers, nötig ist.

Wie sollte ein Laufschuh nun aussehen? Aktuell wird meist durch die Dämpfung der Laufschuhe nur noch die Differenz zwischen einem Naturboden und dem Kunstboden (z.B. Asphalt) auszugleichen. Früher war der Mensch täglich bis zu 40 Kilometer barfuß auf Naturböden unterwegs und ist normalerweise für diese Belastung seit tausenden von Jahren anatomisch und biologisch sehr gut gerüstet. Heute findet man aber sehr oft harten Asphalt und hart gewalzte Schotterwege als Laufstrecken vor. Diese Mehrbelastung sollte sinnvollerweise durch den Laufschuh ausgeglichen werden. Mehr ist aber auch nicht nötig und kann sogar kontraproduktiv sein.

Barfußlauf simuliert

Foto: Nora Reim freiZahlreiche Schuhe zeichnen sich sogar durch das Fehlen jeglicher stabilisierender Elemente aus. Deren Dämpfungen orientiert sich an einem Naturboden, oder fehlen gar komplett (Barfußschuhe). Diese Schuhe stellen erheblich höhere Anforderungen an die muskuläre Stabilisierung des Fußes als herkömmliche Sportschuhe. Nicht wenige Sportler reagierten zunächst mit Muskelkater, nachdem sie erstmals Schuh getragen haben. Doch Vorsicht: Diese Schuhe sind mehr als Trainingsgerät und weniger Laufschuh.

Grundsätzlich gilt: Im Mittelpunkt von „Natural Running“ steht die natürliche Bewegung des Fußes und die möglichst geringe Beeinflussung der natürlich auftretende Kräfte beim Laufen. Wer seine Füße also fordern und trainieren will, der sollte nicht in seinen „Komfortschlappen“ verkümmern.

Langsame Gewöhnung

Wer nun seine alten Laufschuhe durch geringer gedämpfte Modelle ersetzen will, der sollte sich, um Überlastungsschäden zu vermeiden, langsam an die neuen Schuhe herantasten. Bestens geeignet, um das natürliche Laufen wieder zu lernen, sind ebenso Lauf ABC-Übungen ohne Schuhe, oder kurze Barfußrunden auf dem Sportplatz. Wer so etwas regelmäßig in sein Training einstreut, kräftigt seine Fußmuskulatur und bereitet sich auf das Laufen mit weniger Dämpfung bestens vor.

Foto: Nora Reim

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