Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Material > Laufen1 > Minimallaufschuhe mit flacher Sprengung im Fokus

Minimallaufschuhe mit flacher Sprengung im Fokus

29. Februar 2012 von Andreas Laible

Natural Running ist in aller Munde. Moderne Laufschuhe sind flacher, leichter und zunehmend flexibel. Im Gegenzug ist der Anteil pronationsgestützter Schuhe rückläufig. Während Ende der 90iger Jahre noch neun von 10 Laufschuhen mit Pronationsstütze verkauft wurden, werden heute ebenso viele neutrale Schuhe gewählt. Neben der Pronationsstütze steht jedoch auch die Bauhöhe von Laufschuhen im Fokus – die sogenannnte Sprengung.


Triathlon Anzeigen

Sprengung- weniger kann mehr sein

Früher konnte man beim Kaufen von Laufschuhen nicht viel verkehrt machen. Damals hatten Modelle einen einfachen Aufbau  und eine flache Zwischensohle. Doch Mitte der 90iger Begann auf der Suche nach Alleinstellungsmerkmalen das Wettrüsten um das beste Dämpfungssystem. Die Zwischensohle und somit die Bauhöhe des Laufschuhs wurden immer höher. Dies führte jedoch zu einem Verlust an Stabilität und höheren Hebelkräften. Immer mehr Schuhe wurden deshalb mit allerlei Stabilitätselementen ausgestattet. Die Technik wurde aufwendiger, die Verletzungsanfälligkeit nahm jedoch nicht ab.

Foto: inov-8

 

Für ein natürliches Abrollen ist neben der Bauhöhe vor allem auch die Sprengung der Laufschuhe entscheidend. Diese beschreibt die Differenz zwischen der Bauhöhe der Ferse und der Bauhöhe im Vorfuß. Konventionelle Laufschuhe haben häufig eine Sprengung von 12mm oder mehr. Dies entspricht einem Gefälle von mindestens 6%. Man läuft quasi permanent bergab. Die Belastung für Knie und Hüftgelenke ist dabei äußerst ungünstig. Auch bei Fußfehlstellungen ist Vorsicht geboten.  Bei Senk- und Plattfüßen und ausgeprägter Überpronation wird die Problematik durch eine hohe Bauhöhe, sowie große Sprengung noch verstärkt.  Durch den hohen Absatz in der Ferse verlängert sich der Hebel zwischen Aufsatzpunkt (Boden) und dem Drehpunkt (unteres Sprunggelenk). Die auf das Gelenk wirkende Kraft wird somit noch größer. Eine hohe Sprengung begünstigt unter Umständen die Entwicklung eines Spreizfußes. Durch den hohen Fersenabsatz  wird mehr Gewicht auf den Vorfuß verlagert. Das Quergewölbe flacht ab. Dies passiert vor allem bei schwach ausgeprägter Fußmuskulatur.

Fazit: Grundsätzlich gilt, alles was der Schuh macht, leistet der Fuß entsprechend weniger. Zu weiche und hohe Laufschuhe können die Entwicklung von Fußfehlstellungen und Verletzungen verursachen, oder ungünstig beeinflussen. Daher ist es immer ratsam die Fußmuskulatur zu kräftigen. Durch die immer größer werdende Auswahl an flexiblen, flachen und leichten Schuhen findet jeder Läufer heutzutage sein geeignetes Natural Running

Foto: inov-8

Modell. Dennoch sollte vor allem am Anfang  der Einsatz solcher Schuhe dosiert erfolgen. Für die allermeisten Läufer sind Natural Running Modelle auch nicht als adäquater Ersatz ihrer gewohnten Trainingsmodelle zu sehen, sondern vielmehr als zusätzliches Trainingsmittel, um vernachlässigte Muskeln wieder zu aktivieren und somit mittelfristig die Verletzungsanfälligkeit zu senken.

Anmerkung der Redaktion:

Weg vom Prinzip „Dämpfen – Stützen – Führen“ hin zum Minimallaufschuh

Fakt ist, wer seine Laufschuh auszieht und barfuss läuft, läuft anders. Die meisten Menschen, die mit „normalen“ Jogging-Schuhen auf den Fersen landen, landen ohne Schuhe zumindest auf dem Mittelfuß, wenn nicht sogar auf dem Vorfuß. Ob das wirklich besser ist und hilft, Verletzungen zu vermeiden, ist noch nicht bewiesen. Sicher ist, dass es immer Verletzungen durch Überbelastung geben kann und wird. Hier spielen allerdings viele verschiedene Faktoren wie zum Beispiel auch die Fuß- und Beinmuskulatur des Läufers oder die Ernährung eine Rolle.

Unser Tipp: Wer bisher auf Laufschuhen mit einer Sprengung von 12mm unterwegs war, sollte langsam anfangen, flacherer Schuhe zu tragen. Erst wenn man mit 8mm gut zu recht kommt, kann auch mal ein 4mm-Schuh ausprobiert werden. Einige Hersteller wie inov-8 oder saucony bieten hierfür bereits eine sehr umfangreiche Palette verschiedener Laufschuhmodell mit unterschiedlichen Sprenungen an, die genau dieses Prinzip „die Sprengung langsam zu reduzieren“ ermöglichen sollen.

Einen sehr guten Artikel von Sportwissenschaftler Björn Gustafsson zum Thema mit einem Test von einigen Minimallaufschuhen findet ihr hier

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden