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Mentaltraining: Pure Motivation – doch was ist Motivation?

18. Mai 2015 von Doris Kessel

Doris Kessel,   einmaligMotivation – Manchmal ist sie riesig, manchmal reicht sie gerade so aus und manchmal versteckt sie sich ganz tief in einem. Manche Ereignisse motivieren zu noch mehr, manche rauben einem die Motivation für den nächsten Schritt. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Motivation? Wir klären auf und geben Tipps.


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Kilometer 42, nur noch 195 Meter bis ins Ziel, der Sprecher ruft deinen Namen, du kommst aus dem Grinsen nicht mehr heraus, die Masse jubelt und du fliegst ins Ziel, der Blick auf die Uhr und die Gefühle überschlagen sich. Ja, so ein Zieleinlauf kann manchmal wie ein Drogenrausch sein. Die Entbehrungen der letzten Monate sind wie weggeblasen und unser Hochgefühl schmiedet schon Pläne für weitere Herausforderungen. Zum Glück hält das Gefühl noch ein paar Tage an, bis sich bei manchen das Gefühl breit macht: „Und was kommt jetzt?“ Manche fühlen sich nach einer Langdistanz richtig kopftot, das System braucht einfach eine Auszeit und die Motivation ist im Keller. Der Akku ist einfach leer und braucht seine individuelle Zeit, um sich wieder aufzuladen. Manche brauchen vier Wochen, manche sechs Wochen und manche brauchen noch viel länger, bis sie vollständig regeneriert und ihre vorherige Energie wieder haben.

Thomas Sobczak, frei

Doch alleine der Gedanke an den oben beschriebenen Zieleinlauf lässt unser Herz höher schlagen und hilft zu neuer Motivation. Die inneren Bilder lässt Gehirn Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin ausschütten, das verschafft uns Glücksgefühle und pure Motivation.

Was heißt Motivation überhaupt?

„Zustand einer Person, der sie dazu veranlasst, eine bestimmte Handlungsalternative auszuwählen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen und der dafür sorgt, dass diese Person ihr Verhalten hinsichtlich Richtung und Intensität beibehält.“ (s. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/55007/motivation-v6.html, abgerufen am 30.4.2015, 20:14 Uhr)
Auf gut deutsch: Wettkampf aussuchen, Trainingspläne schmieden und los geht’s. Doch, ob die Intensität der Motivation immer auf dem gleichen Level bleibt, ist nicht bei jedem gleich, und da wir Menschen sind und keine Maschinen, ist das auch völlig in Ordnung. Besser, du machst jetzt gleich eine Pause, bevor es zu spät ist und eine hartnäckige Verletzung entsteht.

Doris Kessel, einmalig(Über-)Motivation?

Wie, ich soll eine Pause machen? Und das auch noch von einem MentalCoach? Ja. Denn ich glaube, die Motivation zum Training ist bei den meisten Triathleten, vor allem Männern, sehr stark ausgeprägt und ich würde mir manchmal wünschen, sie würden mehr auf sich achten. Da nicht jedes Mal eine Warnleuchte über den Köpfen leuchtet, weil der Körper unglaublich viel wegstecken kann, merkt man es Monate oder vielleicht erst Jahre später, welchen Raubbau man mit seinem Körper betrieben hat.

Nachjustieren

Ziel der Motivation ist es, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, aber auch jederzeit nachjustieren zu können, wenn es nicht nach Plan läuft. Denn: man kann nicht alles planen. Und es ist ein gravierender Unterschied, ob ich einfach platt von der Arbeit bin und das Training heute überhaupt keinen Sinn mehr macht oder, ob der innere Schweinehund zugeschlagen hat.

Doch wie erkenne ich den Unterschied? Da setzt das mentale Training an, denn dadurch lernst du deinen Körper und deine Gedanken noch viel besser kennen und differenzieren. Du hast eine riesige Bildergalerie an Motivationshighlights in deinem Kopf, die du jederzeit abrufen kannst, wenn du sie brauchst. Du genießt jede Trainingseinheit mit allen Sinnen, speicherst sie positiv ab und imaginierst damit schon die nächste Einheit, auf die du dich freust, wie ein Honigkuchenpferd. Das ist wie ein kleiner Kreislauf: Du tust etwas, für dich Positives, das wiederum gibt dir ein gutes Gefühl, das gute Gefühl speichert sich positiv ab und du willst dieses Gefühl immer wieder hervorrufen. Irgendwann reicht der bloße Gedanke daran, um das Gefühl hervorzurufen, ähnlich wie bei dem Zieleinlauf am Anfang. Also: Mach dein ganzes Training zu einem einzigen Zieleinlauf, der nie endet!

Jedoch ist es auch keine Schande, seine Ziele zu überdenken, vor allem wenn du spürst, dass die Motivation vielleicht eher extrinsisch (von außen) auf dich einwirkt. Das ist leider meist bei Kindern und Jugendlichen der Fall, bei denen die Eltern das Ziel haben, aber nicht das Kind selbst. Für unser Ziel setzen wir auf die intrinsische Motivation. Das ist die Motivation, die von innen heraus kommt. Wie ein kleiner Motor in uns, der uns immer während antreibt und pusht, weil wir es wirklich aus tiefster innerer Überzeugung wollen. Gesundheitsfördernd versteht sich.

Der innere Schweinehund

triathlon.deKommen wir nun zu dem inneren Schweinehund, der uns manchmal ausbremst. Der Gute ist wie ein innerer Kommentator, der zu uns spricht. Er sagt ganz oft auf dem Heimweg von der Arbeit: „Ich habe Hunger, ich kann sonst nicht trainieren. Aber es ist viel zu spät, um noch was zu essen, 30 Minuten reichen nicht zum Verdauen vor dem Intervalltraining auf der Bahn. Ich könnte ja Morgen Laufen und dafür das morgige Schwimmen auf das Wochenende verschieben. Außerdem ist heute so ein doofer Nieselregen, da könnte ich krank werden …“ Manchmal hilft es nur diesen Kommentator auszuschalten und einfach zu machen: Heim, leichter Riegel, anziehen, zum Training, loslaufen. Sobald die ersten Runden absolviert sind, läuft es von ganz alleine. Das ist eine Möglichkeit für die ganz Harten unter uns.

Wer es lieber charmant möchte, könnte seinen inneren Schweinehund auch mit etwas locken, z.B. mit einem tollen Desert als Belohnung danach. Oder einem Massage- oder Saunabesuch. Ganz wichtig ist, um sich mit seinem inneren Schweinehund gut zu stellen, sich vorsichtig mit ihm ans Ziel anzutasten („Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut“) und ihn nach der Überwindung zu loben. Das motiviert ihn für neue Schandtaten :-)

Eine Handvoll Motivations-Tipps

  • Sei deine eigene Olympiamannschaft: Wenn du dich zu kaum etwas aufraffen kannst, stell dir einfach vor du bist deine eigene Lieblingsmannschaft bei Olympia. Was würdest du ihr zurufen, um sie anzufeuern?
  • Einfach nur lächeln: Forscher haben herausgefunden, dass alleine die mimische Bewegung des Lächelns ein positives Gefühl auslöst. Probier’s aus!
  • Spiegel nutzen: Häng dir Motivationszettel z.B. an deinen Badezimmerspiegel. So hast du dein Ziel immer vor Augen, das ist gut für das Unterbewusstsein. Sehr wirksam sind auch Smileys. Denn schon beim Anblick eines lachendes Gesichts entlockt es dir ein Schmunzeln, gefolgt von einem positiven Gefühl, das dich motiviert.
  • Motivationsbilder und -videos: Schau dir, wenn du einen Durchhänger hast, Wettkampffotos an, wo du dich saugut gefühlt hast und erfolgreich warst. Oder hole dir die Erinnerungsbilder vor dein „inneres Auge“ und schau dir jedes Detail an und spür in dich hinein, wie gut sich das anfühlt. Und es gibt tolle Motivation-DVDs oder YouTube Videos z.B. von legendären Langdistanzrennen, die dein Herz höher schlagen lassen und dich daran erinnern, wie sehr du dein Ziel erreichen willst.
  • Such dir Verbündete: Ich persönlich bewundere Triathleten, die häufig alleine trainieren. Ich genieße das Training in der Gruppe. Das gegenseitige Motivieren und Anfeuern – und natürlich auch den Spaß, den man zusammen hat. Denn: zusammen ist man noch stärker gegen den inneren Schweinehund!

Zur Website von Doris Kessel.

Fotos: Thomas Sobczak, Doris Kessel, triathlon.de

Doris Kessel ist Autorin dieses Artikels: Sie kommt aus der Triathlonhochburg Roth, ist Triathlon B-Lizenz-Trainerin, Wettkampfrichterin, Mentalcoach für Sport und Business und ist seit 20 Jahren Triathletin aus Leidenschaft von der Sprint- bis zur Langdistanz.
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