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Mentales Training im Triathlon: Erregung und Konzentration

24. September 2013 von Nicole Luzar

Ingo Kutsche,   freiBereits in den ersten beiden Teilen unserer Serie zu mentalem Training im Triathlon wurde klar, dass diese Art von Training eine durchaus unterschätzte Komponente der Leistungsfähigkeit darstellt. Im heutigen Beitrag betrachten wir uns den Einfluss von Erregungsniveau und Konzentration. Aufgepasst!


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Intensität / Erregungsniveau

Egal, ob es einem bewusst ist oder nicht: Die Intensität – oder innere Erregung – hat einen enormen Einfluss auf den Einsatz im Training und im Wettkampf. Intensität heißt, Adrenalin und Energie vor einem Rennen über die Kurzdistanz zu spüren. Intensität heißt auch, pure nervliche Anspannung aus Unruhe und Unsicherheit, die wohl jeden Triathleten beim Schwimmstart befällt. Intensität heißt außerdem, Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, wie Profi-Triathleten vor dem Start. Intensität kann aber auch freudige Erregung und Heiterkeit bedeuten, die einen beim Wechsel vom Fahrrad in die Laufschuhe überkommen. Und sie kann auch gleichbedeutend mit Erleichterung sein, wenn man nach einem harten Rennen endlich die Ziellinie überquert.

Bild: Sportwelt Verlag, einmalig

Intensität im Triathlon ist also komplex und widersprüchlich. Je nach den Gegebenheiten kann sie der Leistungsfähigkeit nützen oder schaden. Sie kann stärken und unterstützen oder lästig und störend sein. Was noch verwirrender ist: Die unangenehme Seite der Intensität ist manchmal nötig, um die gesteckten Ziele zu erreichen, während die angenehme Seite nicht immer zu einer großartigen Leistung führt.

Erstklassige Intensität

Erstklassige Intensität bezeichnet die ideale Menge an physiologischer Aktivität, die zum Erreichen einer persönlichen Bestleistung nötig ist. Sie ist das Niveau, das dem Gefühl nach die meisten Vorteile und den größten Nutzen für die Trainings- und Wettkampfleistungen bringt.

Foto: Thomas Wenning, freiWie bereits erwähnt, gibt es kein Intensitätsniveau, das für alle Athleten gleichermaßen ideal ist. Darum muss jeder sein persönliches Intensitätsniveau für Bestleistungen herausfinden. Wenn wir eine erstklassige Intensität entwickeln wollen, müssen wir zunächst für uns definieren, was erstklassige Intensität überhaupt ist. Dann ermitteln wir die Symptome für eine übermäßige bzw. eine unzureichende Intensität. Im nächsten Schritt stellen wir uns Wettkampfsituationen vor, in denen unsere Intensität üblicherweise steigt bzw. fällt. Zu guter Letzt nutzen wir psychische Aufmunterungs- bzw. Stabilisierungstechniken, um die erstklassige Intensität im Wettkampf durchgehend aufrecht zu erhalten.

Konzentration

Konzentration ist der mentale Faktor, über den unter Sportlern die größte Uneinigkeit herrscht. Die meisten Athleten denken bei Konzentration an Aufmerksamkeit, die über einen längeren Zeitraum auf eine konkrete Sache gerichtet ist. Aber in Bezug auf den Triathlon ist Konzentration viel komplexer. Der Triathlon erfordert, dass man sich auf viele verschiedene Dinge gleichzeitig konzentriert, und zwar über einen Zeitraum, der von einer Stunde bis zu sechzehn Stunden dauern kann. Die Fähigkeit, sich effektiv zu konzentrieren, wird häufig über den Wettkampferfolg entscheiden.

triathlon.de frei„Beim Ironman ist alles eine Frage der Konzentration. Jeder Athlet geht gut trainiert an den Start. Aber wer erfolgreich sein will, muss sich auch mental vorbereiten, um seine persönliche Grundstimmung für den Wettkampf zu finden. Ich muss zum Beispiel glücklich sein, um konzentriert zu bleiben. Manche Leute machen ein gutes Rennen, wenn sie der Welt die Zähne zeigen. Andere wiederum lässt der Traum vom Finishen motiviert und zielgerichtet sein.“
(Lisa Bentley)

Der Unterschied zwischen Denken und Konzentrieren

Zwischen Denken und Konzentrieren besteht ein großer Unterschied. Denken heißt, wie man sein Ego in den Triathlon einbringt, also welchen Stellenwert man dem Triathlon beimisst. Denken ist subjektiv, urteilend und kritisch. Wenn das Denken überwiegt und man einen Fehler macht oder die Leistung schwach ist, kann dies das Selbstvertrauen untergraben und einem das Gefühl geben, ein miserabler Triathlet zu sein.

Erstklassige Konzentration

Erstklassige Konzentration heißt, sich ausschließlich auf leistungsrelevante Informationen zu konzentrieren, also auf Informationen, die uns dabei helfen, eine gute Leistung zu erbringen. Außerdem bedeutet erstklassige Konzentration, dass man imstande ist, seine Konzentration je nach Bedarf im Laufe eines Wettkampfs auf interne oder externe Informationen anzupassen. Das heißt aber auch, die vielen Ablenkungen während eines Triathlons ausblenden zu können, wie etwa Reifenpannen, negative Gedanken oder einen schlechten Wechsel.

So geht’s weiter

Teil vier über mentales Training im Triathlon handelt vom Umgang mit Emotionen und Schmerz.

Alle Auszüge stammen aus dem Buch „Mentales Training für Triathleten und alle Ausdauersportler“ von Jim Taylor und Terri Schneider (ISBN 978-3-9811428-0-8).

Zu Teil eins: Training mit Köpfchen

Zu Teil zwei: Motivation und Selbstvertrauen

Über Nicole Luzar

Foto: Nicole Luzar, freiNicole Luzar ist Diplombiologin, staatlich geprüfte Übersetzerin und Autorin dieses Artikels. Sie ist außerdem Verlegerin von Triathlon- und anderen Sportbüchern und nimmt mindestens einmal im Jahr an einem Triathlon, Marathon oder Langstreckenschwimmen teil. Während zu ihrer Zeit als aktive Ruderin die sportliche Leistung im Vordergrund stand, legt sie heutzutage mehr Wert auf einen gesunden Ausgleich zur beruflichen Schreibtischtätigkeit.

Zur Website des Sportwelt Verlages.

Bilder: Sportwelt Verlag

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