Du bist hier: Triathlon Portal - triathlon.de > Markus‘ Blog: Mein Weg zum Profi

Ironman Frankfurt 2012 – mein erster Start als Profi bei der Europameisterschaft

Irgendwie muss es ja weiter gehen…

…vielleicht hilft das Schreiben von diesem Blog ein wenig um das Rennen in FFM besser hinter mich zu bringen. So richtig weiß ich auch gar nicht, wie ich anfangen soll, also der Reihe nach.

Nach dem 70.3 in UK und den letzten Wochen mit gutem Training war mir klar, ich bin fit wie nie zuvor als Triathlet. Gewicht perfekt, austrainiert, mental oben auf und schon ein paar Punkte im Kona Ranking – knapp 2000. Frankfurt war top vorbereitet, auch Dank meines Trainers Thomas Weber. Am Schwimmen haben wir über den Winter gefeilt mit Analysen und Technikeinheiten mit Jan Frobart. Mir war klar bei der Top Besetzung kann ich vorne nicht mitmischen, aber bei einem perfekten Tag sollte ein Top 10 Platz drin sein. Was auch in etwa meiner geplanten sportlichen Entwicklung entsprechen sollte.

Streckencheck ist wichtig

Wir sind am Mittwoch bereits angereist. Donnerstag dann Streckencheck der Rad-Runde und den Langener Waldsee getestet. Schönes Wasser, Radstrecke auch top. Das Laufen am Main mit dieser Kulisse sowieso. Es würde schnell werden. Die Spannung wurde immer größer. Schließlich sollte dieses Rennen ein erster Richtungszeiger meiner Leistungsentwicklung werden. Mein Freund Sven Kunath – ein mehrmaliger Hawaii Finisher – war auch mit, um sich erneut für Hawaii zu qualifizieren. Ich hatte im vorletzten Blog schon mal erwähnt, wie Klasse das ist, solche Top Athleten als Freunde und im Trainingsumfeld zu haben. Das hilft sehr. Glückwunsch an ihn – er hat es geschafft.

Meine Freundin Aniko war ebenso dabei und mein Sohn Raúl sollte mit seinen drei Monaten auch schon mal Streckenluft schnuppern. Wie gesagt es lief alles nach Plan. Aus der Heimat sind ca. 25 Triathlon-Verrückte aus meinem Freundes- und Familienkreis angereist. Sie hatten einen weiten Weg und teilweise nur zwei Stunden Schlaf um dieses Spektakel in der Skyline von FFM erleben zu können. Mein Bruder Patrick und Ingo waren bei der Organisation wieder ein Dreamteam. Und so war klar, die nötigen Streckeninfos werde ich bekommen – von jedem Punkt des Rennens.

Ab jetzt kann Dir niemand mehr helfen

Und dann kam auch schon der Sonntag früh. Nach 5 h Stunden Schlaf klingelte um 4.20 Uhr der Wecker. Frisch machen, Frühstücken und dann zur Schwimmstrecke. Bis jetzt hatte ich die für mich wichtigen Leute um mich herum. Ab jetzt war ich alleine, ganz alleine. Ihr kennt das sicher. Klar noch ein bissl Smalltalk mit den Startern, die ihr Rad neben dir haben. Man hilft sich auch beim Luft aufpumpen. Hört ab und an einen Reifenplatzer und ist froh, nicht selbst davon betroffen zu sein. Neo anziehen und schon sind es nur noch 5 min bis zum Start.

Und dann geht’s auch schon los. Ich bin gut weg gekommen und es hat sich sehr gut angefühlt. Nach 49 min und nur knapp fünf Minuten hinter den Top Leuten bin ich aus dem Wasser. Auf der Radstrecke konnte ich mich konstant bis auf Platz 8 nach vorne arbeiten. Zusammen mit sieben weiteren Profi-Athleten bildeten wir eine „Gruppe“ in der leider nicht alle fair fuhren. Zwischenzeitlich hat es geschüttet und die Straßen waren voller Wasser. Das war dann leider mein Verhängnis. Ich lies mich etwas zurückfallen um zu sehen wer alles in der Gruppe ist.

Thomschke frei

Und plötzlich rutschte ich über die Straße

Bei km 84 – dann das Malheur – bin ich gestürzt. In dieser Kurve hat es einige erwischt, Andreas Raelert war ebenso dabei. Ich bin einfach nur meinen Vordermännern hinterhergerollt. Ich hab nicht damit gerechnet, dass mein Vorderrad wegrutscht, da die Fahrer vor mir locker um die Kurve kamen und ich nicht schneller war. Die Gruppe, in der u.a. die arrivierten Profis Stephan Vuckovic und Uwe Widmann fuhren, war natürlich erst mal weg. So locker es vorher ging, so verkrampft war ich jetzt. Nichts funktionierte mehr. Die Ernährung ging schief, die Beine ließen keinen lockeren Tritt mehr zu. Der Wattmesser zeigte mir, dass es allenfalls ein ordentliches Trainingstempo war, welches ich jetzt fuhr. Dazu kam noch ein starkes Schwindelgefühl. Nach und nach wurden die Sturzschmerzen nun spürbar und ein Gefühl der Kraftlosigkeit kam in mir hoch. Ich quälte mich bis Kilometer 140 und verlor viel Zeit. Die letzten 40 Kilometer lies ich mich dann mehr oder weniger rollen, da ich kaum noch wusste wo oben und unten war. Im Wechselzelt angekommen war ich dann so weit mein wichtigstes Rennen in meinem ersten Profijahr aufzugeben.

So einfach wollte ich nicht aussteigen

Der Rennarzt, Dr. Pöttgen motivierte mich noch einmal, es wenigstens zu versuchen. Ich lag ja immerhin noch auf Rang 12. Mein Kreislauf war wieder ok und auch der Laufschritt fühlte sich zunächst locker an. Doch Meter um Meter schmerzte die Hüfte mehr. Ich hab mich entschieden das Rennen bei Kilometer Acht auf der Laufstrecke zu beenden. Gesundheit geht vor und ein Finish war nicht mehr drin. Neben meiner Familie und meinen Freunden hat mich auch Stephan Vuckovic mit einigen netten Worten aufgebaut. Danke noch mal.

Ein weiterer Trost waren sicher auch die Ergebnisse meiner Freunde Sebastian Küfner und eben auch Sven Kunath, die beide die Top 20 erreicht haben.

Kona ist erstmal in weiter Ferne

Dennoch kann ich nicht sagen was ich mehr bin, enttäuscht oder traurig oder unglücklich. Wenn Du Fußballer bist und ein schwaches Spiel bringst, hast Du im nächsten Punktspiel eine neue Chance. Bei uns ist die Regeneration wichtig und so werden ein paar Wochen oder Monate ins Land gehen bis ich erneut angreifen kann. Das ist bitter. Hätte wenn und Aber – im Kona Ranking bin ich weit weg vom Ziel. Das tut weh. Wir werden in den nächsten Tagen entscheiden ob wir die Saison abhaken und uns ab September auf 2013 konzentrieren oder nochmal für 2012 planen. Jetzt ist es noch zu frisch, ich muss auch schauen wie schnell die Schmerzen verschwinden.

…. Irgendwie geht’s dann auch weiter…

zurück zur Übersicht

Fotos: Markus Thomschke

Triathlon.de Anzeigen
 
Zum Triathlon.de Newsletter anmelden