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Arbeit, Training und Wettkampf – so sieht der Hut aus, unter den alles passt

Ich schreibe diesen Blog auf dem Weg nach Lanzarote, wo ich mich nach den Rennen in Mexiko und Frankfurt nun auf meine dritte Langdistanz in Kona vorbereiten DARF. Das war der Plan und ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Ich bin glücklich und allen Beteiligten dankbar, dass ich einen Hut tragen darf, unter den Arbeit, Training und Wettkämpfe passen. Auf Lanzarote habe ich im Sands Beach Active ein 25 Meter Becken direkt vor der Apartmenttür, perfekte Wetterbedingungen, sowie ein tollen Ausgangspunkt für das Lauf- und Radtraining mit Wind und Bergen als ständige Begleiter. Dort habe ich 2007 meinen ersten Rennradurlaub gemacht und bin seit dem von der Insel gefesselt. Es kommt nicht selten vor, dass ich erst nach 100 Kilometern auf den Tacho schaue, und mich wundere, wie lange ich schon im Sattel sitze. Und man trifft hier immer wieder Bekannte. Oft sind es Altersklassenathleten, die ich in meinen Triathlon-Anfängen kennen gelernt habe und die meine Entwicklung seitdem verfolgen. Es freut mich, wenn wir dann mal wieder ein Stück zusammen radeln oder laufen.

Aber die Medaille hat auch Kehrseiten

Das Treffen von Freunden und Familie komprimiert sich auf die Zeit, in der ich in Wesel bin. Und dann ist es doch gar nicht mehr so einfach, alles unter einen Hut zu bringen. Aber mein Umfeld zeigt viel Verständnis und so brauche ich keine Bauchschmerzen haben, wenn ich mal länger nicht auf einen Besuch vorbeischaue. Denn die Menschen, die mir wichtig sind, wissen: Wenn’s brennt, bin ich da – egal was der Trainingsplan sagt.

Foto: Mareen Hufe, einmaligMein Job als Vertriebscontrollerin bei der BYK-Chemie, ein Unternehmen der Altana, macht mir viel Spass und ist mir sehr wichtig. Ich genieße sehr viel Vertrauen und Unterstützung von meinen Kollegen und Vorgesetzten und bin stolz darauf, ein Teil der Altana zu sein. Seit 2012 konnte ich meine Arbeit auf eine halbe Stelle reduzieren. Es kommt natürlich vor, dass es Zielkonflikte zwischen Training und dem Job gibt. Aber da geht der Job vor und das schreibe ich nicht, weil ich glaube, dass es von mir erwartet wird, sondern aus voller Überzeugung. Auch könnte ich sinnvoll noch mehr Stabi-, Schwimm-, oder Radtraining unter der Woche unterbringen, aber das ist der Kompromiss, den ich bewusst und gerne eingehe.

Mentale Stärke als Ass im Ärmel

Zudem habe ich ein wenig Bedenken durch die guten Rahmenbedingungen zu verweichlichen und meine mentale Stärke zu verlieren.
Ich und sicherlich auch noch und meine Trainingspartner, Vereinskollegen und Freunde erinnere mich noch gut an die Jahre, in denen ich mich zuhause auf Kona vorbereitet habe. Mit viel Einfallsreichtum habe ich versucht, im herbstlichen Niederrhein mich auf die Hitze, den Wind und die Luftfeuchtigkeit der Insel vorzubereiten. Damit ihr mich nicht für verrückt erklärt, verzichte ich auf weitere Details, rate aber allen zuhause dazu, kreativ zu werden. Auch gehörten einige laaaaange Radausfahrten bei Dauerregen dazu. Dies wird mir hier auf Lanzarote nicht passieren. Daher bin ich froh, dass ich vor 14 Tagen solch einen Tag noch mal miterleben durfte. Da saß ich auch mindestens fünf von sieben Stunden im Regen auf dem Rad. Und beim Laufen abends wurde ich wieder geduscht. Verdient hatte ich das eigentlich nicht, aber mental war das mal wieder eine wichtige Einheit.

Limits gibt es immer wieder

Während sich die Rahmenbedingungen im Training für mich sehr verbessert haben, gab es dennoch für mich Herausforderungen, die mich mental ans Limit brachten. Es war nicht das schlechte Wetter, sondern die Intensitätsanforderung, die mein Trainingsplan vorsah.
Nachdem das Laufen schon viel Struktur bekommen hat, habe ich vor den Laufeinheiten keine Bauchschmerzen mehr, sondern bin meist zuversichtlich, dass ich die Vorgaben irgendwie schon hinbekomme. Nun finde ich in meinem Trainingsplan auch beim Radfahren vermehrt intensive Abschnitte. Die zwingen mich dazu, aus meiner Komfortzone auszubrechen, die eigens suggerierten Grenzen zu überwinden und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen.

Was ich gelernt habe, ist, dass entscheidend dafür meist der Wille ist. Respekt vor der Trainingseinheit ist hierbei förderlich, Angst hemmt. Daher ist es immer eine Gratwanderung zwischen ambitionierten und unrealistischen Zielen. Obacht auf das richtige Maß!

Ohne Motivation nichts los

Grundsätzlich habe ich eine hohe intrinsische Motivation und ziehe mein Training auch ohne Trainerzuspruch oder Trainingspartner durch. Gerade, wenn ich mal nicht so motiviert bin, weil ich entweder müde bin, der Tag doch wieder nicht genug Stunden hat, um alles unter einen Hut zu bekommen, das Wetter nicht so einladend ist, oder ich Angst habe, die ambitionierten Vorgaben nicht zu schaffen, finde ich es gut, wenn ich mal die Zähne zusammen beissen muss und allein das Training durchziehen muss.
In solchen Situationen verabrede ich mich daher bewusst nicht mit Sportskollegen, sondern ziehe mich aus dem Tief alleine heraus. Das ist zwar in dem Moment hart und mein Trainer und mein nahes Umfeld wissen, wie hart es manchmal für mich war, aber es bringt mich mittelfristig nach vorne. Und in schwierigen Situationen kann ich an das daraus Gelernte „Geht nicht, gibt’s nicht!“ viel Energie ziehen.

Drei Zwischenstops bei Wettkämpfen in Borken, Nordhauen und Wesel

Auf dem Weg von Frankfurt nach Kona mach(t)e ich bei drei Wettkämpfen eine Haltestation.
Gefreut habe ich mich sehr auf den Triathlon in Borken. Es ist eine familiäre Veranstaltung, die mit viel Herzblut von Mecki Greven und ihrem Team organisiert wird. Ich kann mit dem Rad anreisen und bin seit meinem ersten Triathlonjahr 2007 jedes Jahr dabei!

Foto: Mareen Hufe, einmaligGespannt war ich auf die Mitteldistanz in Nordhausen. Ulrich Konschak hat die Premiere des ersten ICAN Triathlon außerhalb von Spanien hervorragend organisiert und ich konnte ein gutes Rennen zeigen. Auch hier lässt mich die Trilogie nicht los. Auf dem Weg nach Nordhausen habe ich einen Abstecher zu Ute Mückel gemacht, die mich noch mal in Puncto Schwimmtechnik unter ihre Fittiche genommen hat und mir genau auf die Finger geschaut hat. Es ist toll, dass wenn immer ich mal in ihrer Nähe bin, sie sich die Zeit nimmt und ich eine neue Aufgabe bekomme, an welcher Technikecke ich nun feilen soll. Schritt für Schritt kommen wir voran! Am Rückreisetag bin ich nicht gefahren, ohne noch einen Abstecher auf den Brocken zu machen. Katja Konschak und ich hatten einen schönen Vormittag und konnten unsere Bergtour genießen. Am Renntag hatten wir es da doch ein wenig eiliger und Sightseeing war da nicht so angesagt.

Geflitzt wird hoffentlich beim Hansecitylauf in Wesel. Zwei Wochen vor Kona hoffe ich hier auf eine neue zehn Kilometer Bestzeit. Mein großes Ziel ist es, die zehn Kilometer unter 40 Minuten zu laufen. Viele glauben vielleicht, dass das mit einem 3:17 Marathon beim Ironman in Frankfurt doch leicht möglich sein sollte, aber mir fallen solche „Unterdistanzen“ sehr schwer. Da muss ich dann spätestens wieder raus aus meiner Komfortzone!

So, nun sind

wir im Landeanflug und das besiegelt das Ende meines heutigen Beitrags!

Heiter weiter,
Mareen.

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Fotos: Mareen Hufe

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