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Kontrovers diskutiert: Doping und Menschenwürde von Leistungssportlern

16. September 2013 von Torsten Klose

Foto: Christine Waitz,   frei„Höha, schnella, weita“, so rappten die Burschen vom Rödelheim Hartreim Projekt 1996. Höher, schneller und weiter ist sicher auch im Sport das Ziel, wobei sich mancher nur durch verbotene Substanzen zu helfen weiß. In den letzten Jahren wurde diskutiert, recherchiert, aufgedeckt und verurteilt. Doch wo führt der Weg hin? 


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Doping hat – so meine Meinung – bereits aus Gründen der Fairness gegenüber den Sportlerkollegen und wegen der Vorbildfunktion der Leistungssportler in der Öffentlichkeit in jeder Art von Sport keinen Platz. Die gesundheitliche Frage zur Schädigung des eigenen Körpers muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden.

Wo führt der Weg hin?

In den letzten Jahren wurde diskutiert, recherchiert, aufgedeckt und verurteilt. Wo führt der Weg hin?

Einem Bericht der Bundesregierung – aus Oktober 2012 – zufolge, ist die Zahl der Ermittlungsverfahren im Dopingbereich stark gestiegen. Es ist zu einer erheblichen Verbesserung der Intensität und Effektivität der Strafverfolgung gekommen. In den Jahren 2007 und 2008 waren etwa 280 Verfahren anhängig, bis 2011 seien diese Zahlen kontinuierlich bis auf 1.592 Verfahren angestiegen.

Schöner Schein?

Echte Tätigkeit entfaltet der Staat aber nicht. In Frankreich, Spanien und Italien ist Doping eine Straftat und wird von staatlichen Organen mit hoheitlichen Maßnahmen verfolgt. In Deutschland existiert bis heute keine klare strafgesetzliche Regelung.

Lediglich in § 6a Arzneimittelgesetz ist ein Verbot von Arzneimitteln zu Dopingzwecken zu finden. Hiernach ist es verboten, Arzneimittel zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr zu bringen, bei anderen anzuwenden, sie zu erwerben oder zu besitzen, sofern das Doping beim Menschen erfolgen soll [nach der Auffassung der Strafgerichte ist es für den Begriff im Sport unerheblich, ob die beabsichtigte Leistungssteigerung auf Aktivitäten im Wettkampf, im Training oder in der Freizeit gerichtet ist].

Ob Doping bald einen Straftatbestand erfüllt ist offen. Der für den Sport verantwortliche Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich war Anfang des Monats noch zu keiner abschließenden Einschätzung gelangt, ob die strafrechtliche Verfolgung von dopenden Sportlern mittels eines Anti-Doping-Gesetzes zielführend ist und verwies auch auf mögliche Kompetenzrangeleien zwischen Sportgerichtsbarkeit und Strafgerichtsbarkeit.

Den Sportverbänden überlassen

Derzeit wird die Dopingverfolgung also den Sportverbänden selbst überlassen. Zur Dopingbekämpfung wurde 1999 die World Anti-Doping Agency (WADA) gegründet, im Jahr 2002 dann die deutsche NADA. Letztere ist nach Auffassung der WADA aber wegen der fehlenden Mittel nicht in der Lage Dopingbetrug aufzuklären (der Etat für 2013 weist eine Lücke von knapp 1,3 Millionen auf).

ScreenshotSeit vier Jahren nutzt die WADA ein Online-Meldesystem namens ADAMS (Anti-Doping Administration & Management System). Das Meldesystem zwingt Leistungssportler ihre persönlichen Daten und ihre Aufenthaltsorte für drei Monate im Voraus anzugeben, um auch unangekündigte Kontrollen zu ermöglichen. Die Datenschutzbeauftragten rebellieren. Peter Schaar verglich das System der Überwachung sogar mit der elektronischen Fußfessel. Es darf sich jeder Leistungssportler unter Generalverdacht fühlen, wie ein verfolgter Krimineller, ganz ohne Nachweis und Verfahren; die Unschuldsvermutung ist in der Umkleide abgegeben.

Kontrovers diskutiert

Die Konsequenzen von Fehlern bei der Eingabe von ADAMS-Daten sind fatal. Ist ein Sportler zu einer Kontrolle nicht zu erreichen, droht ihm eine Sperre. Drei Versäumnisse bedeuten eine Sperre von bis zu zwei Jahren. Die Unschuldsvermutung existiert hier nicht, Sportler werden wie überführte Dopingtäter behandelt und dürfen müssen ihre Unschuld beweisen. Würdevoll ist das nicht, eher beschämend.

Dazu passt der Appell des Basketball-Nationalspielers Heiko Schaffartzik, die Intimsphäre der Sportler stärker zu respektieren, denn es sei demütigend die Urinprobe im Messbecher unter einer  sogenannten Sichtkontrolle abgeben zu müssen.

Auch die von ADAMS geforderte Weitergabe der Adressdaten von Personen, bei denen man in den kommenden drei Monaten zu übernachten gedenke, ist eher geeignet, ein Outing homosexueller Sportler zu erzwingen, als einen dopingfreien Sport.

Zur Website von Torsten Klose.

Fotos: triathlon.de

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